Erneut haben technische Probleme den für Samstagabend (MESZ) vorgesehenen Start der Mondrakete SLS am Weltraumbahnhof Cape Canaveral platzen lassen. Ein Treibstoffleck war diesmal der Grund für die Absage der 42-tägigen Artemis-1-Mission. Das Loch war wenige Stunden vor dem geplanten Abheben der Rakete an einem Rohr entdeckt worden, mit dem rund drei Millionen Liter Wasserstoff und flüssiger Sauerstoff in die Tanks gepumpt werden sollten, wie die Nasa mitteilte.

Mehrere Versuche, das Problem zu lösen, waren gescheitert, erklärte Nasa-Sprecher Derrol Nail. Zum Zeitpunkt der Startabsage seien die Wasserstofftanks zu elf Prozent gefüllt gewesen, hieß es weiter. Um 10 Uhr MESZ (16 Uhr Ortszeit) will plant die Nasa eine Pressekonferenz, die auf der Website der Nasa live übertragen wird. Mike Sarafin, Leiter der Artemis-Mission bei der NASA, sagte am Samstag (Ortszeit), dass die Behebung des jüngsten technischen Problems "mehrere Wochen Arbeit" in Anspruch nehmen würden.

Die Verzögerung bedeute, dass ein erneuter Versuch frühestens in der nächsten Startperiode vom 19. bis 30. September oder in einem späteren Zeitfenster im Oktober möglich sei, erklärte der stellvertretende NASA-Administrator Jim Free gegenüber Reportern. Durch die Verschiebung müsse die Rakete zurück in ihr Montagegebäude gerollt werden.

NASA-Chef Bill Nelson hatte zuvor gesagt, dass ein Rollback den nächsten Startversuch mindestens bis Mitte Oktober verschieben würde, unter anderem um einen Terminkonflikt mit der nachfolgenden Besatzung der Internationalen Raumstation zu vermeiden. Verspätungen und Fehlfunktionen am Starttag sind in der Raumfahrt nicht ungewöhnlich. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Start an einem beliebigen Tag aus irgendeinem Grund, einschließlich schlechtem Wetters, abgebrochen wird, liegt im Durchschnitt bei eins zu drei. "Wir starten erst, wenn alles in Ordnung ist. Das ist die Standardprozedur und so wird es auch bleiben", sagte Nelson auf der Pressekonferenz.

Gescheiterter Erster Versuch

Am Montag war der erste Startversuch rund 40 Minuten vor dem Liftoff wegen eines technischen Problems kurzfristig abgesagt worden. Aufgrund von Leitungsproblemen konnte eines der vier Haupttriebwerke der SLS-Rakete vor dem Start nicht auf die erforderliche Temperatur gekühlt werden, zudem wurde ein kleines Leck an einem Bauteil des Wasserstoffversorgungssystems entdeckt.

50 Jahre nach der letzten Apollo-Mission soll im Rahmen der Mission Artemis 1 das neue Crew-Raumschiff Orion mit einem unbemannten Flug getestet werden. Das Service- und Antriebsmodul von Orion, das sogenannte European Service Module, ist großteils in Deutschland gebaut worden und trägt deshalb den Namen "Bremen".

Dunkle Wolken über der neuen Schwerlastrakete Space Launch System (SLS) der Nasa. Vielleicht klappt der Start Anfang nächster Woche.
Foto: APA/AFP/GETTY IMAGES/Kevin Diets

Bemannte Mission in zwei Jahren

Nach einem erfolgreichen Start sollte die Orion-Kapsel rund 90 Minuten später die Erdumlaufbahn verlassen. Einige Tage später soll Orion bis auf knapp 100 Kilometer an die Mondoberfläche heran fliegen und bei der Rückkehr im Pazifik wassern. Wenn das Vorhaben gelingt, sollen 2024 bei der Nachfolgemission Artemis 2 erstmals wieder Astronautinnen und Astronauten um den Mond fliegen. Frühestens 2025 sollen mit Artemis 3 wieder Menschen auf dem Mond landen. (red, APA, 3.9.2022)