Wenn Kinder morgens noch müde sind, kann das mehrere Gründe haben. Manchmal reichen schon kleine Veränderungen, um für einen besseren Schlaf zu sorgen.

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Für viele Kinder klingelt seit ein paar Wochen zum ersten Mal der Wecker. Wer ein Volksschulkind hat, weiß: Die Umstellung vom Kindergarten auf die Volksschule ist groß. Aber nicht nur Erstklässler tun sich oft schwer. Nach mehr als zwei Monaten Sommerferien fällt auch vielen älteren Kindern der Umstieg in den Alltag nicht leicht.

Dabei ist das Aufstehen für jüngere Schulkinder oft gar nicht das Problem, wie Schlafcoach Astrid Steindl weiß: "Die großen Schwierigkeiten mit dem frühen Aufstehen fangen meistens eher während der Pubertät an. Wenn sich die Hormone verändern. Bei Volksschulkindern kann aber das Ein- und Durchschlafen problematisch sein." Darum sei vor allem die Einschlafzeit ein wichtiger Faktor, wenn es darum geht, am nächsten Morgen nicht völlig erschöpft zu sein.

Kinder haben andere Schlafphasen als Erwachsene

Kinder im Volksschulalter benötigen im Schnitt rund zehn Stunden Schlaf pro Nacht. "Natürlich ist das nur ein ungefährer Richtwert, der je nach Kind um rund eine Stunde schwanken kann", sagt die Expertin. Das ist vor allem wichtig, damit das Kind alle Schlafzyklen durchmachen kann. Kinder verbringen viel mehr Zeit im REM-Schlaf, also dem sogenannten Traumschlaf, als Erwachsene. Zusätzlich kommen sie nicht nur in den ersten Schlafzyklen in den Tiefschlaf, wie ihre Eltern, sondern auch noch in den Morgenstunden.

Eltern sollten darauf achten, dass das Kind abends nicht nur früh genug im Bett ist, sondern auch gut einschlafen kann. Dabei gibt es laut Steindl einige Parameter, auf die man achten kann: "Die Ernährung, der Aktivitätslevel am Tag oder auch die Einschlafgewohnheiten können das Schlafverhalten der Kleinen negativ, aber auch positiv beeinflussen."

Rund fünf Mahlzeiten gelten für Kinder im Volksschulalter als ideal. Steindl erklärt: "Vor allem das Abendessen sollte nicht zu früh stattfinden und nicht zu schwer sein." Wenn ein Kind um acht einschlafen sollte, könne das Abendessen um 19 Uhr herum stattfinden. "Dabei sind Schnitzel oder Pizza aber keine gute Idee. Schweres Essen kann wieder dazu führen, dass das Kind schlechter einschlafen kann." Und auch die letzte körperliche Aktivität sollte nicht zu spät stattfinden. Der Körper braucht etwas Zeit um vom Aktivitätsmodus in den Schlafmodus zu finden. "Wenn es geht, sollten Sportkurse am Nachmittag besser früher stattfinden."

Sanftes Aufwecken

Viele Schulkinder wachen morgens nicht von allein auf und müssen von ihren Eltern geweckt werden. Das sei aber nicht unbedingt ein Zeichen dafür, dass das Kind zu wenig Schlaf bekommt. Die Expertin weiß: "Es kann durchaus sein, dass das Kind ohnehin ein paar Minuten später aufgewacht wäre." Wichtiger sei es, tagsüber gut zu beobachten, ob es zu stärkeren Müdigkeitszeichen, Erschöpfung, Konzentrationsproblemen oder Rastlosigkeit kommt oder ob am Wochenende Schlaf nachgeholt wird." Wer das bei seinem Kind feststellt, kann etwa versuchen das Einschlafen um eine Viertelstunde nach vorn zu verschieben. Wenn das nach ein paar Tagen keine Verbesserung bringt, könne man die Bettgehzeit um weitere 15 Minuten vorverlegen.

Beim Aufwecken gilt: So sanft und langsam wie möglich. Die Expertin plädiert dafür, "bereits eine halbe Stunde vor der regulären Aufstehzeit langsam das Licht im Kinderzimmer heller zu machen." Als Nächstes können dann Geräusche eingebaut werden – etwa das Radio leise aufdrehen. Kurz vor dem Aufstehen, sollte das Kind dann langsam angesprochen oder abgedeckt werden. "Das frühe Signal des Lichts und die Geräusche helfen dem Gehirn dabei, wieder aus dem Schlafmodus herauszukommen."

Albträume in positive Bilder verwandeln

Neben fixen Einschlafritualen wie Badengehen, Zähneputzen und Buchvorlesen sollte die Temperatur im Schlafzimmer lieber etwas kühler als zu warm sein. Wer ein Kind hat, das sich nachts abdeckt, kann tagsüber spielerisch das Zudecken üben. "Vielen Kindern ist gar nicht bewusst, dass sie sich selbst zudecken können in der Nacht. Das erfordert einiges an Übung", weiß Steindl.

Auch Albträume können schuld daran sein, dass Kinder nachts öfter aufwachen, sagt die Schlafexpertin: "Gerade Schulkinder haben viel zu verarbeiten." Wichtig sei dabei: Mit dem Kind tagsüber ein wenig über die Träume zu sprechen, die es eventuell belasten. "Wenn das Kind etwa immer wieder von einem großen Hund, der laut bellt, träumt, könnte man ihm davon erzählen oder auch gemeinsam malen, dass der Hund einen großen Blumenstrauß im Maul hat." So tauscht man das angsteinflößende Bild gegen ein Schönes aus, und im Traum kann das Gehirn dann auf das schöne Bild zugreifen. (Jasmin Altrock, 23.9.2022)