Hersteller von Betriebssystemen versuchen die User an eigene Produkte zu binden.

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Egal ob Computer, Tablet oder Smartphone: Kauft man ein neues Gerät, ist meist ein Internetbrowser vorinstalliert. Im Fall von Apple heißt dieser Safari, bei Microsoft hingegen Edge. Geschickt, werden sich viele denken. Immerhin kann man dadurch direkt mit der Nutzung loslegen. Eine neue Mozilla-Studie legt jedoch nahe: Irreführende und manipulative Softwaredesigns hindern auch jene Käuferinnen und Käufer am Wechsel des Standardbrowsers, die vielleicht Interesse an einer Alternative hätten.

Konkret gibt es demnach mehrere Gründe, warum viele Menschen zum standardmäßig verfügbaren Browser greifen. Einer sei Bequemlichkeit oder das Alter der Nutzerinnen und Nutzer – aber auch die Tatsache, dass Hersteller großer Betriebssysteme häufig aktiv gegen den Wechsel ankämpfen. Menschen seien anfällig dafür, sich zu bestimmten Entscheidungen drängen zu lassen, heißt es in der Studie. Das würden die Hersteller ausnutzen, die "Informationen und Benutzeroberflächen in einer Weise" präsentieren, "die irreführend, manipulativ oder verwirrend ist".

"Walled Gardens"

All das sei symptomatisch für die zunehmende Geschlossenheit von Betriebssystemen. Gerade Apple versucht Userinnen und User möglichst stark an die eigenen Produkte zu binden, sowohl auf Soft- als auch auf Hardwareseite. Das bremse die Innovation und schade Userinnen, da sie möglicherweise zu anderen Anbietern greifen würden, wenn es denn einfacher wäre. Problematisch sei die Lage aber auch für unabhängige Browseranbieter wie Mozilla selbst. Ohne Apple, Microsoft und Co können diese ihr Publikum nicht mehr erreichen.

Insgesamt wurden für die Erhebung 9.036 Personen aus Australien, den USA, dem Vereinigten Königreich, Frankreich, Indien und Kenia befragt. Die Probandinnen gaben demnach an, zwar durchaus zu wissen, wie sie die Standardauswahl ändern. Dennoch würden dies viele von ihnen nicht machen. Die neue Studie, so hofft Mozilla, soll eine Debatte über das Vorgehen der größten Tech-Konzerne anstoßen.

Gesetzliche Veränderung

Eine Veränderung des Status quo könnte der Digital Markets Act (DMA) der EU bringen. Dieser soll, gemeinsam mit seinem Schwestergesetz Digital Services Act (DSA), für eine umfassende Neuregulierung des Internets sorgen. Mithilfe wettbewerbsrechtlicher Maßnahmen hat der DMA unter anderem das Ziel, eine weitere Monopolbildung der größten Tech-Konzerne zu verhindern und den Markt für kleinere Anbieter zu öffnen. Betroffen sind ausschließlich sogenannte Gatekeeper. Um als solcher zu gelten, müssen Konzerne Plattformdienste wie Internetbrowser, Suchmaschinen, Messenger oder soziale Medien betreiben und mindestens 45 Millionen monatliche Nutzer haben. Der STANDARD berichtete.

Konkret sollen dadurch zum Beispiel marktdominierende Messenger wie Whatsapp zur Zusammenarbeit mit kleineren Anbietern gezwungen werden, damit Userinnen nicht im Ökosystem eingeschlossen sind. Außerdem müssen Hersteller ihre Betriebssysteme öffnen, was bedeutet, dass Apple aller Voraussicht nach die Installation alternativer App Stores erlauben muss. Darüber hinaus sieht das Gesetz ein Verbot von "Self Preferencing" vor. Heißt: Microsoft und Co dürfen ihre eigenen Dienste nicht besser positionieren oder bewerten als jene der Konkurrenz. Dies dürfte auch Auswirkungen auf die Bevorzugung bestimmter Internetbrowser haben. Das Gesetz wird aller Voraussicht nach 2024 in Kraft treten. (mick, 22.9.2022)