Immer mehr Erwerbstätige und Studierende stehen unter Stress und sind psychisch belastet. Aber es ist immer noch ein Tabuthema.

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Psychische Belastungen nehmen zu, und gesundes Arbeiten wird immer mehr zu einem Thema in der Arbeitswelt. Neben der körperlichen spielt auch die mentale Gesundheit der Angestellten eine immer wichtigere Rolle. Gerade die Pandemie hat die Situation verschärft. Das zeigen die Ergebnisse einer Studie des Jobportals Karriere.at aus dem Frühjahr, bei der rund 1.000 Beschäftigte in Österreich befragt wurden. Fast die Hälfte der Mitarbeitenden sagt, dass die Pandemie ihr berufliches Stresslevel negativ beeinflusst hat. Gleichzeitig geben zwei Drittel der Befragten an, dass psychische Gesundheit in ihrem Unternehmen kaum bis gar nicht thematisiert wird.

Demnach sieht sich ein Viertel sehr oft mit Stress und Überlastung im Job konfrontiert. 43 Prozent verspüren diesen Druck regelmäßig oder zumindest manchmal. Dabei hatte der Stress bei einigen Befragten bereits weiterreichende Auswirkungen: 40 Prozent hatten schon Erfahrung mit Erschöpfungszuständen, knapp jede und jeder Zehnte war aufgrund von Stress bereits im Krankenstand, und fünf Prozent erlitten schon einmal ein Burnout. Zwölf Prozent gaben außerdem an, aufgrund von zu viel Stress schon einmal gekündigt zu haben.

Eine international angelegte Studie kommt zu ähnlichen Ergebnissen. Gemäß der Gallup-Studie "State of the Global Workplace: 2021 Report" erreichten im ersten Pandemiejahr 2020 täglicher Stress, Sorgen, Ärger und Traurigkeit unter Angestellten Höchststände. So lagen die Stresswerte bei 43 Prozent im Gegensatz zu den 38 Prozent im Jahr 2019. Aber über 70 Prozent der Befragten gaben an, dass sie unter Symptomen eines Burnouts leiden. Sie bringen zwar weiterhin die Zeit, aber nicht die Energie und Leidenschaft auf, um qualitative Ergebnisse zu erzielen.

Auch Studierende leiden

Doch nicht nur Erwerbstätige trifft es hart. Auch Studierende leiden unter der gestiegenen Belastung. Mehr als die Hälfte (52 Prozent) der Studierenden stuft den psychischen Gesundheitszustand als weniger gut bis schlecht ein. Nur einer von zehn beschreibt die eigene mentale Gesundheit als "sehr gut". Das ist das Ergebnis des Mental-Health-Barometers von November bis Dezember 2021, für das mehr als 2.000 Studierende in Deutschland und Österreich befragt wurden. Durchgeführt wurde die Umfrage gemeinsam von Studo, einer Service-App für Studierende, und Instahelp, einer Onlineplattform für psychologische Beratung.

Auch die Lebensqualität der Befragten leidet aktuell und wird von einem Großteil (82 Prozent) als mittelmäßig bis sehr schlecht eingestuft. Laut der Umfrage zeige sich: Je schlechter die psychische Gesundheit eingeschätzt wird, desto schlechter wird auch die Lebensqualität bewertet. Trotz der starken Betroffenheit nehmen sieben von zehn Befragten (72 Prozent) mentale Gesundheit nach wie vor als Tabuthema in der Gesellschaft wahr.

Was helfen kann

Die am häufigsten gebotenen Maßnahmen hinsichtlich psychischer Gesundheit am Arbeitsplatz sind laut Karriere.at-Umfrage die Hilfe durch externe Beraterinnen und Psychologen, Veranstaltungen oder Formate für psychische Gesundheit oder Vertrauenspersonen im Unternehmen (jeweils 22 Prozent).

Gerade die Expertise von Arbeits- und Organisationspsychologen könne aktuell nicht oft genug an den Tisch geholt werden, meint Andrea Birbaumer, Obfrau der Gesellschaft Kritischer Psychologen und Psychologinnen. Vertreter dieser Berufsgruppen sehen aber noch Aufholbedarf in dieser Hinsicht. Aber auch Employee Assistance Programs (EAP) in Unternehmen könnten hilfreich sein, sagt Linda Bevill, Expertin in den Bereichen Führungsqualitäten und berufliche Weiterentwicklung. Hier können die Angestellten im Rahmen offener und vertraulicher Gespräche nach Unterstützung vonseiten ihrer Teamleiter und direkten Vorgesetzten suchen. (red, 29.9.2022)