Gerade in urbanen Gebieten würden Öffis, Fahr- und Lastenrad sowie ein paar gute Schuhe reichen, um gut mobil zu sein.

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Unsere Mobilität ermöglicht uns ein abwechslungsreiches Leben. Denken wir an Fernreisen in die Südsee, Städtetrips am Wochenende oder daran, dass wir auf dem Land leben können, obwohl wir in der Stadt arbeiten. Diese Mobilität hat aber auch Nachteile. Sie geht auf Kosten der Umwelt, unserer Nerven, wenn wir im Stau stehen, und unser aller Finanzen. Doch mit kleinen Änderungen könnte man Großes erreichen.

Der Flugverkehr
Kerosinsteuer und Umstieg auf E-Fuels

Noch ist der Flugverkehr geringer als vor der Pandemie, doch die Prognosen sind eindeutig. Statista geht davon aus, dass die Personenflugkilometer von 8,9 Billionen – dem Höhepunkt 2019 – auf über 20 Billionen im Jahr 2041 steigen werden. Gleichzeitig sagt der Verkehrsclub Österreich (VCÖ) mit Verweis auf eine nicht veröffentlichte Studie der EU-Kommission, dass Österreich jährlich 300 Millionen Euro durch die fehlende Kerosinsteuer entgehen. Diese müsste europaweit eingeführt werden, aber Österreich könnte darauf drängen.

Eine solche Steuer würde auch den Umstieg auf E-Fuels beschleunigen. Und mit neuen Treibstoffen, Antrieben und Konfigurationen könne der Energieverbrauch um 50 Prozent reduziert werden, erklärt Markus Fischer vom Deutschen Zentrum für Luft und Raumfahrt bei einem Fachkongress.

Das Auto
Weniger Pkws bringen mehr Geld für alle

Wir haben in den vergangenen Jahrzehnten die Mobilitätsinfrastruktur auf das Auto hin optimiert. In Österreich schaffen es fast nur in Wien immer mehr Leute, auf das Auto zu verzichten – was vor allem an den gut ausgebauten Öffis und den kostenpflichtigen Parkplätzen liegt. Auf dem Land sieht die Sache ganz anders aus. Im Burgenland – dem Bundesland mit der höchsten SUV-Dichte in Österreich – kommen auf einen Haushalt zwei Pkws.

Das Auto macht uns mobil und ist komfortabel. Was wir dabei gerne ausblenden, ist der hohe Preis, den wir dafür zahlen. In den Köpfen der meisten sind die Kosten für das Auto die Kosten für den Sprit. Die Realität sieht anders aus.

Das Vergleichsportal Durchblicker hat berechnet, dass die Anschaffung und der Betrieb eines benzinbetriebenen Mittelklassewagens der Premiumklasse im Monat 1165 Euro kosten. Im Vergleich dazu kommt ein E-Auto auf 832 Euro. Doch die gesamte Gesellschaft zahlt beim Autoverkehr mit. Auf 12,5 Milliarden Euro belaufen sich die externen Kosten jedes Jahr, die durch den Autoverkehr anfallen, sagt Michael Schwendinger vom Verkehrsclub Österreich (VCÖ).

Heuer waren im dritten Quartal weniger Autos auf Autobahnen unterwegs als im Vorjahr, hat die Asfinag gezählt. Das liegt an den höheren Spritpreisen. Wir sind beim Thema Auto also preissensibel. Eine kilometerabhängige Maut und kostenpflichtiges Parken auf öffentlichem Grund könnten manche darüber nachdenken lassen, das Auto öfter stehen zu lassen.

Die Öffis
Sie müssen besser und schneller werden

Um den Umstieg auf die Öffis attraktiver zu machen, müsste in Österreich viel passieren. Das Klimaticket war ein erster Schritt, der aber auch viele Schwächen aufzeigte. Wir brauchen mehr Züge, in kürzeren Takten, neue Gleise in die noch weißen Flecken auf der Landkarte. Es mag wieder das Burgenland als Beispiel herhalten. Hier gibt es wenige Bahnstrecken, davon sind viele eingleisig – und einige Bahntrassen wurden abgerissen, statt sie zu modernisieren. Die Folgen sehen wir bei der hohen Autodichte.

Neue Bahnstrecken zu errichten ist teuer und dauert lange. Schnelle Abhilfe können Busse schaffen, die zudem flexibler einsetzbar sind. Was ihnen aktuell fehlt, ist Komfort. Zudem müssten Busse, wenn sie attraktiv sein sollen, öfter, regelmäßig und direkter ans Ziel fahren. Auf der Autobahn zum Beispiel. Dort haben wir ein hervorragendes Straßennetz, das Busse aktuell kaum nutzen, weil sie durch möglichst viele Ortschaften fahren.

Ein Gedankenexperiment, zusammengetragen aus den Ideen mehrerer Verkehrsexpertinnen und -experten: Sinnvoll wäre es, an jeder Autobahnabfahrt eine Busstation zu haben, die im Takt angefahren wird. Emissionsfreie Regionalbusse könnten den Zubringerverkehr übernehmen und die Orte anbinden. Die meist leeren Innenbereiche der Autobahnauffahrten könnten – im Idealfall nicht versiegelte – Parkplätze für Autos und Fahrräder sein.

Hielte man in den Stoßzeiten zudem eine Spur für die Busse frei, wäre man gerade im Berufsverkehr schneller, billiger und komfortabler unterwegs als mit dem Auto.

Aus eigener Kraft
Wirklich nachhaltig mobil ist man zu Fuß

Auch was die Fußgänger und Radfahrer betrifft, sind die Städte schon weiter als die ländlichen Regionen. Zwar gibt es bei vielen Radwegen in den Städten Verbesserungsbedarf, doch es gibt zumindest welche. Wie auch Gehsteige. Auf dem Land gibt es zu oft keine komfortable Möglichkeit, zu Fuß oder mit dem Rad vom Zentrum zum Supermarkt am Ortsrand zu gelangen. Gibt es Gehsteige, sind diese meist zu schmal, als dass man dort mit einem Boller- oder Handwagen fahren könnte, wenn einem jemand entgegenkommt.

Radwege sind auf dem Land vor allem dazu da, in der Freizeit Sport machen zu können, kaum aber, um Alltagswege zu bestreiten. Das hat mehrere Gründe. Da ist einmal die geringe Nachfrage der Bevölkerung, wie Landbürgermeister berichten. Und andererseits die Möglichkeit, mit dem Fahrrad die normale Straße zu benutzen. Letzteres ist aber oft unangenehm, weil viele Autofahrerinnen und Autofahrer beim Überholen nicht ausreichend Seitenabstand halten. Breite Radwege würden zumindest letzteres Problem lösen.

Eine Möglichkeit wäre neben dem Ausbau der Infrastruktur zum Gehen und Radfahren auch der Rück- oder der Umbau der Straßen. Das wäre sogar ein Gewinn für die Allgemeinheit, betrachtet man die externen Kosten.

Stefan Gössling, Professor für nachhaltigen Tourismus und Mobilität an der Universität Lund in Schweden, hat 2019 berechnet, dass Gehen und Radfahren einen positiven externen Nutzen für die Gesellschaft haben. Rund 18 Euro sind es pro 100 Kilometer beim Radfahren, 38 Euro auf der gleichen Strecke beim Gehen.

Das Pendeln
Die Pendlerpauschale neu gedacht

An jedem Wochentag bietet sich an den Stadteinfahrten in der Früh und am Abend das gleiche Bild: Staukolonnen.

Um dieses Problem zu lösen, muss man bei den Menschen ansetzen, die in die Arbeit pendeln. Derzeit gebe es für sie keinen Anreiz, auf öffentliche Verkehrsmittel umzusteigen, sagen etwa WWF, Greenpeace und Global 2000. Daher wünscht sich der WWF "einen starken Bonus für jene, die mit öffentlichem Verkehr oder mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren". Die alte Forderung von Greenpeace, eine CO2-Bepreisung einzuführen, wurde inzwischen umgesetzt, wenn auch nicht in dem Maße, in dem sich das die Organisation wünschte – wenngleich sie dabei darauf aufmerksam machte, dass die Reform sozial gerecht sein müsse.

Immer wieder gab es auch Experten – wie den Ökonomen Benjamin Bittschi vom IHS –, die überhaupt die Abschaffung der Pendlerpauschale forderten. Damit würde viel Geld für andere Maßnahmen frei werden. 1,3 Milliarden Euro machten die Kosten für die Pendlerpauschale 2018 aus.

Würde man die Pauschale in der aktuellen Form streichen und nur mehr jenen Menschen in Form eines Klimatickets zukommen lassen, die nicht zu den Besserverdienern gehören und pendeln müssen, weil sie ihre Arbeit nicht im Homeoffice erledigen können, würden mehrere Millionen Euro frei werden, die man in den Ausbau der öffentlichen Verkehrsmittel stecken könnte. Oder in eine bessere Bezahlung von Lenkerinnen und Lenkern von Bussen, Straßenbahnen und Zügen – was das Händeringen bei der Personalsuche in dem Bereich beenden könnte. (Guido Gluschitsch, 18.11.2022)