Die Mondsonde M1 soll die erste private Mission sein, die erfolgreich auf der Oberfläche des Himmelskörpers aufsetzt.
Foto: Ispace

Während des Kalten Krieges hatten die USA und die Sowjetunion ein fernes Ziel: Beide Länder wollten die Ersten sein, die auf dem Mond landen. Während die Sowjetunion bei der ersten Sonde im All (Luna 1) und auf der Mondoberfläche (Luna 2) die Nase vorn hatte und somit 1959 zwei wichtige Erfolge errang, gelang es den USA zehn Jahre später im Zuge der Apollo-Missionen, die ersten Menschen zum Erdtrabanten zu senden.

Mit der Artemis-1-Mission, die im November endlich starten konnte und am Montag ihre maximale Entfernung von der Erde erreichte, beginnt nun ein neues Mondzeitalter, in dem nach langer Pause wieder Menschen zum Mond fliegen sollen. Dabei war der nahe Himmelskörper bisher in der Hand staatlicher Programme: Neben der US-amerikanischen Nasa und der russischen Raumfahrtbehörde Roskosmos gelang es auch dem chinesischen Raumfahrtprogramm vor zwei Jahren, eine Kapsel zum Mond zu schicken und mit Gesteinsproben zurückzuholen.

Per Space-X-Rakete verlässt die Mondsonde die Erde.
Foto: Ispace

Jetzt könnte endlich die Stunde der privaten Raumfahrt zum Mond geschlagen haben. Für Donnerstag ab 9.39 Uhr mitteleuropäischer Zeit ist der Start der M1-Mission geplant, die einen Mondlander der japanischen Firma Ispace zum Erdtrabanten bringen soll. Ursprünglich war ein Start am Mittwoch vorgesehen, nun kommt das zweite Startfenster am Donnerstag zum Zug. Geht alles gut, wäre die Mission M1 die erste erfolgreiche private Mondmission. Ins All befördert wird die Kapsel mit einer Space-X-Rakete des Typs Falcon 9, die am Cape Canaveral in Florida abhebt – Livestream-Übertragung inklusive.

Überholmanöver vor der Ziellinie?

Geplant war das Projekt eigentlich schon für 2020 mit einer Mondlandung 2021. Wenn es nach der Verzögerung nun mit dem Start am Donnerstag klappt, dürfte es vier Monate dauern, bis das Gefährt auf der Mondoberfläche aufsetzt. Dies liegt an der spritsparenden Reiseroute, bei der die Gravitationskraft von Erde und Sonne genutzt wird, um die Raumfähre anzutreiben. In der Phase vor der Landung umrundet die Sonde den Mond für etwa zwei Wochen und kommt ihm immer näher.

So könnte der Mondlander Hakuto-R an seinem Ziel aussehen.
Foto: Ispace

Der Lander trägt die Bezeichnung Hakuto-R und soll bei der Ankunft auf dem Mond im Bereich des Atlaskraters – nachdem rund 660 Kilogramm Material unterwegs verbrannt wurden – noch etwa 340 Kilogramm wiegen. Getestet wurde er übrigens im deutschen Ottobrunn bei München, im Raumfahrtzentrum der IABG GmbH. Mit an Bord ist internationale Fracht: ein kleiner Rover aus den Vereinigten Arabischen Emiraten, ein Zweiradroboter der staatlichen japanischen Weltraumagentur Jaxa sowie der Prototyp eines Flugcomputers und eine Kamera kanadischer Firmen. Damit würden erstmals japanische und arabische Gefährte auf der Mondoberfläche landen.

Wenn ein anderes Team die Mission M1 nicht überholt, hat sie gute Aussichten, die erste private Mondlandung – ohne Crew – durchzuführen.
Foto: Ispace

Die lange Reise zum Mond bedeutet aber auch, dass Missionen, die den Himmelskörper geradliniger und schneller anpeilen, die Ispace-Space-X-Kollaboration noch überholen könnten. Infrage kommen die Konkurrenten Astrobotic und Intuitive Machines, die mit ihren Landern Peregrine beziehungsweise Nova-C einen direkteren Weg geplant haben. Sie sollen in den ersten Monaten des Jahres 2023 starten. Der Gründer und CEO von Ispace, Takeshi Hakamada, gibt sich gelassen: "Es ist uns nicht so wichtig, wer zuerst landen wird. Unsere Vision ist es, ein wirtschaftlich lebensfähiges Ökosystem auf dem Mond zu schaffen", wird er im "New Scientist" zitiert.

Große Träume

Entsprechend blickt er weiter in die Zukunft – nicht nur auf weitere geplante Missionen in den Jahren 2024 und 2025, wenn auch die Artemis-Projekte Menschen auf den Mond bringen wollen. Wie ein Video auf der Website von Ispace demonstriert, hat Hakamada eine Vision für 2040: Dann könne es auf dem Mond bereits eine kleine Stadt namens "Moon Valley" geben, in der Infrastruktur und Industrie aufgebaut werden und die Besucherinnen und Besucher anlockt. "Ich glaube nicht, dass das mit nur einem Unternehmen möglich ist, also wollen wir, dass mehrere Unternehmen dort tätig werden", sagt der Firmengründer.

ispace

Das private Wettrennen zum Mond hat bereits einen Vorlauf absolviert. Das Unternehmen Google hatte bereits 2007 einen Preis ausgeschrieben für das erste nichtstaatliche Team, dem eine Mondlandung gelingen sollte, um die private Raumfahrt zu fördern. Gewunken hätten beim Gewinn des Hauptpreises immerhin bis zu 20 Millionen Euro. Für ein deutsches Team mit österreichischer Beteiligung, das sich für den "Google Lunar X Prize" beworben hatte, wollte gar Red Bull das Medienereignis zur Landung inszenieren.

Wie bei diesem Raketenstart vor einer Woche, als eine Falcon-9-Rakete einen französischen Satelliten ins All schickte, soll der gleiche Raketentyp von Space X am Mittwoch den japanischen Lander zum Mond befördern.
Foto: Malcolm Denemark / Florida Today / AP

Große Hürden

Letztendlich erreichte keiner der Bewerber das Ziel bis zum verlängerten Fristende 2018. Zum Greifen nah war der Mond im Folgejahr für die israelische Non-Profit-Organisation Space IL: Es hatte die Raumsonde Beresheet ins All geschossen. Die Enttäuschung kam kurz vor der Ziellinie. Es gab Computer- und Kommunikationsprobleme, ein wichtiger Motor im Landemanöver fiel aus. Die Sonde kam zwar am 11. April 2019 auf der Mondoberfläche an, allerdings in Form eines Crashs.

Dies ist das letzte Bild, das die israelische Mondsonde vor ihrem Absturz zur Erde schickte.
Foto: Israeli Aerospace Industries (IAI) / AFP

Ob Hakuto-R ein erfolgreicheres Manöver fährt – und ob er dabei noch von anderen Landern überholt wird –, zeigt sich erst in den kommenden Monaten. Und danach wird die nächste Episode des privaten Wettlaufs beginnen mit der Frage, welche nichtstaatliche Organisation es zuerst schafft, einen Menschen sicher zum Mond zu bringen. (Julia Sica, 30.11.2022)