Auf Tiktok, Instagram und Co gibt es beinahe täglich neue Routinen und Rituale, die eine glänzende, faltenfreie und reine Haut versprechen. Face-Taping, Periodenmasken und Facial Cupping sind momentan drei besonders strahlende Begriffe am sozialmedialen Skincare-Himmel. Sie sollen Botox und Filler ersetzen und werden von zahlreichen Influencerinnen und Influencern als kosmetische Wunderwaffe gegen unreine Haut und Falten propagiert. Dermatologin Barbara Franz erklärt, ob die Trends halten, was sie versprechen – oder ob man lieber die Finger davon lassen sollte.

Mit Klebeband gegen Falten

Falten einfach über Nacht wegkleben? Glaubt man einem neuen Social-Media-Trend, ist das mithilfe von sogenannten Face-Tapes problemlos möglich. Bekannt sind die kinesiologischen Tapes aus dem Sportbereich und der Physiotherapie. Strategisch auf bestimmte Gesichtspartien platziert, sollen sie über Nacht Falten im Gesicht reduzieren. Die Idee dahinter: Die Klebebänder entspannen die Muskeln, schränken die Bewegung ein und lösen Lymphstaus. So weit die Theorie.

"Das ist wissenschaftlich definitiv nicht erprobt", klärt Dermatologin Barbara Franz auf. Mehr noch: Bei wiederholter Anwendung können die Tapes wie eine Keimschleuder wirken. "Wir schwitzen im Schlaf. Der Schweiß sammelt sich dann in den Tapes. Ich sehe in meiner Praxis häufig Hautirritationen oder kontaktallergische Reaktionen auf das Face-Taping", sagt Dermatologin Franz.

Masken aus Blut

Hört sich makaber an – und ist es für viele wohl auch. Seit einigen Wochen trendet auf Tiktok der millionenfach geklickte Hashtag #PeriodFacemask. In den Videos schmieren sich vorwiegend Frauen ihr Periodenblut als Maske ins Gesicht. In einem Video erklärt Tiktokerin Derya den vermeintlichen Nutzen der blutigen Gesichtsmasken: "Das Blut enthält alle Stammzellen und Nährstoffe, die unser Baby gebraucht hätte und die unser Körper und unsere Haut brauchen." Dermatologin Franz warnt vor dem Trend: "Erstens funktioniert er nicht. Zweitens ist das Periodenblut voller potenziell infektiöser Keime. Bei Menschen mit empfindlicher Haut, Neurodermitis oder Akne besteht sogar die Gefahr der Superinfektion."

Nicht zu verwechseln sind die Periodenmasken mit dem Vampir-Lifting (PRP-Therapie), das durch Stars wie Kim Kardashian bekannt wurde. Dabei wird körpereigenes Blutplasma unter die Haut gespritzt, wodurch das Zellwachstum aktiviert und das Volumen der Haut verbessert werden soll.

Schröpfen fürs Gesicht

Es ist eine jahrtausendealte chinesische Methode: Beim Schröpfen werden kugelförmige Schröpfgläser auf die Haut aufgesetzt. Im Glas wird Unterdruck erzeugt, wodurch die Haut in das Schröpfglas gezogen wird. Der Blut- und Lymphfluss wird angeregt, Muskeln und Faszien entspannen sich. Als Beautytrend im Gesicht angewendet, soll Schröpfen für frische und straffe Haut sorgen. Silikonformen mit Pumpvorrichtung dienen als Schröpfgläser, mit denen über die eingeölte Haut gestrichen wird.

Facial Cupping kann die Haut leicht straffen – allerdings nur temporär, sagt Dermatologin Barbara Franz.
Foto: Getty Images/cream_ph

Dermatologin Franz empfiehlt, darauf zu achten, ob der eigene Hauttyp für die Anwendung geeignet ist: "Bei empfindlichen, hellen Hauttypen, wenn man zu Rötungen oder Akne neigt, würde ich tunlichst davon abraten." Außerdem sei das Gesichtsschröpfen nicht nachhaltig: "Die Durchblutung wird angeregt, und Schlackstoffe werden abtransportiert, was das Gesicht leicht straffen kann. Aber das sind nur kurzfristige Effekte", erklärt sie.

Weniger ist mehr

Ein Trend, den Dermatologin Franz durchwegs positiv sieht, ist "Skinimalismus". Die Wortkreation bestehend aus "Skin" und "Minimalismus" kursiert bereits seit letztem Jahr in den sozialen Medien. Dabei geht es um eine durchdachte und reduzierte Skincare-Routine. "Ich sage fürs Gesicht immer: Weniger ist mehr. Die Haut hat ein gewisses Toleranzspektrum. Wenn wir zu viel draufgeben, kippt das System irgendwann", erklärt Franz. Auf ein übermäßiges Layering von Produkten sollte daher verzichtet werden.

Trotzdem gebe es zwei Dinge, auf die jeder Mensch bei der Hautpflege achten sollte: Sonnenschutz und Feuchtigkeit. "Am besten über das gesamte Jahr einen Sonnenschutzfaktor 50 plus für das Gesicht. Außerdem: regelmäßig mit Feuchtigkeit arbeiten. Nur die trockene Haut wird faltig. Das ist eine goldene Regel der Dermatologie." (Judith Steinkellner, 30.11.2022)