Dezember: Adventsbrunchs, die Weihnachtsfeiertage mit ihren ineinander übergehenden Kaffee- und Dinnerdates, Silvester – kaum ein Monat bietet so viele Anlässe, zu denen man Familie und Freunde einladen darf. Oder muss. Zwischen Pflicht und Vergnügen finden sich all jene, die den Gedanken schätzen, jedoch mit der Umsetzung kämpfen. Was ist das Geheimnis einer gelungenen Festlichkeit? Wie wird das Gastgeben vom Stress zum entspannten Vergnügen? Eine Anleitung in acht Schritten – von Menschen, für die das Gastgebersein Berufung oder Leidenschaft ist.

1. Motivation

Was sollen sich meine Gäste am nächsten Tag erzählen? Für ein gelungenes Fest sollte man sich über seine Intentionen im Klaren sein, meint die Köchin und Autorin Eschi Fiege. Mehr als vier Jahre lud sie zum "Mittagstisch" in ihre Wohnung am Naschmarkt. Warum? Weil es sie glücklich und "die Welt ein bisschen schöner macht". Ebenfalls wichtig: die Frage, wie weit es gehen darf. Soll es ein gesitteter Abend mit tiefgründigen Gesprächen werden? Oder ein ausgelassenes Fest, das etwas eskalieren darf?

Generell gilt: Was zählt, ist das gesellige Beisammensein. "Es braucht nichts Aufwendiges für einen tollen Abend", sagt Peter Trattner, stellvertretender Restaurantleiter im Tian. Das edle Fünf-Gang-Menü darf man den Profis überlassen: "Im Restaurant kann man die Arbeit an andere abgeben und sich verwöhnen lassen."

2. Großzügigkeit

Gast-Geber. Man muss bereit sein zu geben, meint Eschi Fiege: Dazu gehört ein hübsch gedeckter Tisch, mit Liebe gekochtes Essen. Wer seinen Gästen das Gefühl gibt, willkommen zu sein, hat die wichtigste Aufgabe schon erfüllt, sagt auch Trattner. Doch Gäste zu bewirten kostet nicht nur Liebe und Zeit, sondern auch Geld. "Das muss man sich leisten können und wollen", sagt Kaffeehausbetreiber Berndt Querfeld, der schon als zehnjähriger Bub seine Freunde zu Spaghetti Carbonara ("Damals der kulinarische Höhepunkt!") einlud.

Großzügigkeit heißt für ihn auch: Gäste so sein lassen, wie sie sind. Mitsamt Allüren, Eigenheiten und Straßenschuhen. Nicht nur im Gastgewerbe, auch zu Hause kann man sich seine Gäste nur bedingt aussuchen. "Solange es die anderen nicht wahnsinnig stört, wird man die paar Stunden auch durchstehen."

3. Vorbereitung

Das A und O, wie Frau Karin sagt. Seit 2019 kümmert sie sich als "Oma vom Dienst" um die Gäste im Café Vollpension. Selbst wenn nur die Kinder zum Mittagessen kommen, steht alles fertig bereit. Statt Steak à la minute serviert sie Sachen, die man ins Rohr schieben kann. "Damit ich dann auch wirklich Zeit für meine Gäste habe."

Eschi Fiege empfiehlt, mindestens eine Stunde vorher fertig zu sein: geduscht und angezogen, der Tisch gedeckt, das Essen verführerisch duftend auf den Feinschliff harrend. Was man die verbleibende Stunde macht? In Ruhe ein Gläschen trinken, letzte Änderungen vornehmen oder sich "einfach freuen, wie schön alles ist".

4. Eine Prise Neues

Der confierte Lachs an dreierlei Soßen, den man in diesem tollen Lokal gegessen hat – besser nicht, meint Peter Trattner. Lieber das machen, was man kann und selber mag. Der Versuch, Gerichte aus gehobenen Restaurants nachzukochen, ende oft in Verzweiflung. Statt Zeit mit den Gästen zu verbringen (siehe Punkt drei), steht man gestresst in der Küche oder sitzt – unzufrieden mit dem Ergebnis – trübselig am Tisch. Nichts spricht gegen einfaches Essen, meint Eschi Fiege. Hauptsache gut und mit Liebe gemacht. "Das kann auch ein Butterbrot mit Radieschen sein." Ihre Faustregel: zwei altbekannte Gerichte, das Dritte darf etwas experimenteller sein.

Auch für Gäste gilt: viel Bekanntes, ein wenig Neues. Oma Karins Fazit nach all den Jahren als Gastgeberin: "Ich kann nicht alle mischen, wie ich’s gerne hätte." Man sollte seine Pappenheimer kennen, sagt Fiege. Ein wenig Zunder aber schade nicht. Als Gastgeberin hat man die Gelegenheit, Blasen zu sprengen und Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen zusammenzubringen. Das kann zu hitzigen Diskussionen führen – aber auch zu neuen Erkenntnissen und überraschenden Freundschaften.

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"Prost auf die Gäste!", hieß es schon in den 1970ern.
Foto: Getty Images

5. Showtime

Keine Angst vor Persönlichkeit! Dafür plädiert Hubert Peter, der mit seinem Partner das Bruder betreibt – ein Lokal, in dem man sich "wie zu Hause bei Freunden" fühlen soll. Gelungen ist ein Abend, wenn er "beim Essen beginnt und mit rauschendem Fest endet." Als Gastgeber, sagt Peter, sei man auch Entertainer und Showman: Man darf seine Gäste ab und an fordern, der Schmäh darf rennen.

Eschi Fiege ("Ich stamme aus einem Schauspielerhaushalt!") vergleicht das Gastgeben mit einer Theateraufführung. Ohne Inszenierung geht es nicht. So wird auch das profane Butterbrot zum prächtigen Festmahl.

6. Regiearbeit

Als Gastgeberin bin ich verantwortlich für die Atmosphäre oder – wie Fiege sagt – den Humus, "auf dem das Fest gedeihen kann." Man muss bereit sein, diesen Platz auszufüllen, "die Regie des Abends" zu übernehmen. Das beginnt damit, die Gäste vorzustellen, um eine Basis zu schaffen. Reden, kurze Musik- oder Gedichteinlagen sorgen für Verbundenheit: Die Gäste haben das Gefühl, gemeinsam etwas erlebt zu haben.

Die Regierolle übernehmen heißt auch: für Gäste mitdenken und Bedürfnisse antizipieren. Berndt Querfeld: besser kein Koriander, und nicht nur eine Flasche für neun Leute einkühlen. Stichwort Alkohol: Welche Rolle spielt er für einen gelungenen Abend? Sicher wirke er anregend, sagt Lucas Steindorfer aus dem Bruder. Doch auch hier gilt: Regie führen! Wer braucht "Entspannungsanregungshilfe", bei wem muss die Handbremse gezogen werden?

7. Spontaneität

Manches lässt sich nicht planen. Die Gäste, die viel länger bleiben als geplant. Die 25 Freunde, die am Vormittag des Heiligen Abends durch ein Missverständnis plötzlich vor der Haustür stehen (so geschehen bei Berndt Querfeld). "Da wurde alles an Trinken und Essen vorgeholt, was das Haus hergegeben hat."

"Irgendwas findet sich immer", meint auch Frau Karin aus der Vollpension. Was da ist, wird geteilt. Mit einem "Glaserl Wasser" wird bei ihr keiner abgespeist. Und wenn die zufriedenen Gäste von Brunch bis Mitternacht sitzen bleiben – mei, dann wird halt schnell noch was aus den Resten gezaubert. Überhaupt, das Ende – auch das ist kaum planbar: "Ein Fest dauert so lange, wie es dauert", sagt Eschi Fiege.

8. Nachgeschmack

Wenn es dann vorbei ist, die Tischdecke fleckig, die Gläser leer – ein schönes Bild sei das, schwärmt Fiege. "Die Energie ist noch da." Nach dem Fest sollte man unbedingt noch etwas sitzen bleiben: in aller Ruhe ein Glaserl trinken, die Stille genießen, den Abend Revue passieren lassen. "Und sich freuen, dass man so tolle Freunde hat."
(Verena Carola Mayer, 20.12.2022)