Der Hisense U7HQ hat ein unerfreuliches Problem. Auf dem Bild zu sehen ist die Nutzeroberfläche von Disney+.

Foto: STANDARD / Manakas

Die Suche nach einem neuen Fernseher ist nicht einfach. Auch dann nicht, wenn man sich eigentlich mit Technik auskennt. Schon die Frage, welche Features er denn haben soll, ist schwierig zu beantworten. Ein 4K-Bild sollte er ausgeben können, klar. Aber muss es ein OLED-, ein QLED- oder ein Mini-LED-Panel sein? Und was bedeutet das in Wirklichkeit überhaupt? Braucht man als Gamerin und Gamer wirklich eine Bildwiederholrate von 120 Hz, oder reichen 60 eigentlich aus? Wenn man sich auf alle Marketing-Buzzwords der Hersteller einlässt, landet man schnell bei Geräten, die einen um 1.500 bis 2.000 Euro ärmer machen. Dabei wollte man doch eigentlich nur einen Mittelklassefernseher, um gemütlich Serien zu schauen und gelegentlich das liebste Videospiel zu spielen.

Vor genau diesem Dilemma stand vor einigen Wochen auch der Autor dieses Artikels. Aber nicht nur das: Beim Durchstöbern des Angebots der üblichen Onlinehändler stößt man nämlich nicht ausschließlich auf Geräte großer Hersteller wie Samsung, LG oder Sony. Prominent gelistet werden dort meist Angebote chinesischer Firmen wie TCL, Xiaomi oder Hisense. Interessentinnen und Interessenten wollen diese mit schicken Designs umwerben. Vor allem aber mit prominent beworbenen Features wie einem Game-Mode, Lokal-Dimming-Technologie, Dolby-Vision-Support und 120-Hz-Panels für eine flüssige Darstellung von Videospielen. All das zu einem vergleichsweise günstigen Preis natürlich.

Katze im Sack

Will man sich aber genauer darüber informieren, wie sich diese Geräte in der Praxis schlagen, endet man jedoch in einer Sackgasse. Testberichte gibt es abgesehen von einer überschaubaren Menge an Käuferbewertungen nur wenige. DER STANDARD hatte nun die Möglichkeit, den Hisense U7HQ für mehrere Wochen auf Herz und Nieren zu testen, um einschätzen zu können, wie sich der Budget-Fernseher im Vergleich zur Konkurrenz schlägt.

Eine Warnung vorweg: Wie schon Kollege Andreas Proschofsky in einem kürzlich veröffentlichten Testbericht angemerkt hat, verfügt die STANDARD-Redaktion nicht über eine entsprechende Ausrüstung, um genaueste Testmessungen vorzunehmen. Vielmehr handelt es sich hierbei um einen Erfahrungsbericht, der möglichst viele Unklarheiten ausräumen soll, mit denen Käuferinnen und Käufer konfrontiert sein könnten.

Warum also der genannte Hisense-Fernseher? Weil er zumindest auf dem Papier alle Anforderungen erfüllt, die ich meinte erfüllt haben zu wollen: ein 4K-Panel mit 120 Hz, Dolby-Vision-Unterstützung und zwei HDMI-2.1-Anschlüsse. Selbst Variable Refreshrates (VRR), ALLM und Freesync kann er liefern. Eigentlich ein rundes Paket für Gaming und Filmkonsum also, für das zwischen 700 und 800 Euro anfallen. Vor allem VRR ist dabei interessant, wird dadurch doch die Bildwiederholrate dynamisch angepasst, was ein ruckelfreies Spielerlebnis ermöglicht. Aber schauen wir uns den U7HQ einmal genauer an.

Design und Ersteindruck

Von vorn betrachtet wirkt der Fernseher sehr hochwertig und modern. Die Displayränder sind sehr dünn, nur auf der Unterseite erstreckt sich eine silberne Leiste samt Herstellerlogo. Hisense selbst spricht sogar von einem rahmenlosen Design und einer "extrem flachen Bauweise", was etwas übertrieben ist. In Wirklichkeit ist der Rand etwas weniger als einen Zentimeter breit und das Gerät an der tiefsten Stelle 7,6 Zentimeter dick. Der geschwungene Standfuß läuft mittig zusammen, was schick ausschaut, aber ungeschickt sein könnte, wenn man eine Soundbar aufstellen will. Er steht vorn aus dem Gerät hervor, verbraucht also genau den Platz am Sideboard, an dem die Zusatzhardware stehen sollte. Dennoch fügt sich der U7HQ problemlos in das Wohnzimmer ein, ohne unerwünschte Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen.

Hat man erst einmal alles eingerichtet, landet man am Startbildschirm des Hisense-eigenen Smart-TV-Betriebssystems VIDAA. Dort aufgelistet findet man eine Reihe vorinstallierter Streaming-Apps wie Disney+, Netflix und Prime Video. Aber auch unbekanntere Anbieter wie Pluto TV, NRL TV und Molotov.tv. Aber hierzu später mehr.

Bildqualität

Im Großen und Ganzen ist das Bild bei Serien und Filmen eigentlich solide. Die Farben und Hauttöne wirken von Haus aus natürlich. Für passende Kontrastwerte sorgt der Support mehrerer HDR-Standards, genauer gesagt HDR 10, HDR 10+, Hybrid Log Gamma und Dolby Vision. Auffällig ist dennoch der Detailverlust bei sehr dunklen Szenen. Hier muss man im schlimmsten Fall genauer hinschauen, um die Geschehnisse noch zu erkennen. Grund dafür könnte unter anderem die schwache Spitzenhelligkeit des Panels sein. Diese beträgt nur 600 Nits, was gerade für ein LCD-Display ziemlich schwach ist. Selbst Geräte unter 1.000 Euro knacken mittlerweile meistens die 1.000-Nits-Marke.

Das Design der Fernbedienung ist ziemlich veraltet.
Foto: STANDARD / Manakas

In bestimmten Situationen nicht zu übersehen ist zudem ein Blooming-Effekt, also ein weißes Leuchten rund um sehr helle Bildbereiche. Dabei handelt es sich um einen für LCD-Displays sehr üblichen Bildfehler. Im Fall des Testgeräts ist er relativ stark ausgeprägt, was auf eine eher geringe Zahl an Dimmzonen hinweist. Diese sollen dank automatischer Anpassungen der LED-Hintergrundbeleuchtung für bessere Schwarzwerte sorgen. Inmitten von Filmen und Serien war das Blooming zwar nicht allzu störend. Ins Auge sprang es aber beim Umstellen der Lautstärke oder beim Einblenden anderer Menüs und Untertitel. Auffallend ist in besonders dunklen Szenen zudem immer wieder sogenanntes Backlight-Bleeding am Displayrand.

Eine weitere Einschränkung betrifft den Betrachtungswinkel. Will man das beste Bild, muss man unbedingt frontal vor dem U7HQ sitzen. Sobald man sich nur zwei bis zwei Schritte zur Seite bewegt, werden dunkle Szenen rasch unerkennbar, Kontrast und Schärfe gehen rasch verloren. Vor allem tagsüber kommt es außerdem zu starken Spiegelungen. Zumindest diesem Effekt sollten die meisten Käuferinnen und Käufer durch die passende Platzierung aber entgegenwirken können.

Stottern und Ruckeln

All das könnte man angesichts des vergleichsweise günstigen Preises noch akzeptieren, wäre da nicht ein viel wichtigeres Problem: Immer wieder kommt es zu Micro-Stuttering, also kleinen Rucklern beim Abspielen von Videoinhalten. Diese treten unregelmäßig auf, manchmal alle paar Sekunden, manchmal aber auch in größeren Minutenabständen – und scheinbar nur bei Dolby-Vision-Inhalten. Ein bisschen sieht es dann aus, als würde die Bildrate für ein, zwei Sekunden absinken. Danach normalisiert sich wieder alles – und beginnt von vorn.

Ein genauer Grund für diesen Effekt konnte während des Tests nicht festgestellt werden. Zwar gab es zwischenzeitlich die Vermutung, dass die Ruckler mit dem Anschluss externer HDMI-Geräte zusammenhängen könnten. Nach dem Abstecken der PS5 und des Google Chromecast wurden diese zwar tatsächlich seltener, verschwanden aber nicht gänzlich. Um einen Einzelfall dürfte es sich übrigens nicht handeln. In unterschiedlichen Onlineforen klagen Käuferinnen und Käufer dasselbe Leid, obwohl hier nicht gesagt werden kann, ob es sich um das europäische oder das US-Modell handelt. Auf Rückfrage informierte Hisense den STANDARD, dass man den Effekt nachvollziehen könne und nun an einer softwareseitigen Lösung arbeite. Diese wolle man bereits in den kommenden Wochen zur Verfügung stellen. Sollte es dahingehend tatsächlich eine Entwicklung geben, wird dieser Artikel natürlich entsprechend aktualisiert.

Gaming-Performance

Das wirft die Frage auf, ob der U7HQ seine Schwächen anderweitig wettmachen kann, zum Beispiel im Gaming-Bereich. Die Antwort lautet: jein. Tatsächlich ermöglicht der Fernseher Gaming bei 4K / 120 Hz. Zumindest dann, wenn man eine Playstation 5 oder Xbox Series X und das passende Spiel besitzt. In Wirklichkeit ist die Auswahl, wenn man aktuelle AAA-Games anschaut, ziemlich klein. In der Liste finden sich vor allem kompetitive Ego-Shooter und Rennspiele, weil sich die Entwickler vieler anderer Genres weiterhin auf 60 FPS fokussieren. Wirklich nützlich ist das Feature derzeit also nicht. Stattdessen kauft man sich Zukunftssicherheit – zumindest wenn man davon ausgeht, den Fernseher mehrere Jahre im Einsatz zu haben.

Rein subjektiv gesehen ist das Bild beim Spielen via PS5 trotz allem gut. Spider-Man: Miles Morales, The Last of US Part I und Elden Ring sahen allesamt großartig aus. Im Gegensatz zum Filmschauen sind hier auch dunkle Bereiche stets erkennbar. Das Bild ist klar, und die Farben wirken so natürlich, wie sie das in Animationen denn tun können. Vergleichbare Schwachpunkte waren hier keine festzustellen.

Erstaunlich gut ist auch der Sound des 20-Watt-Treibers. Selbst bei höheren Lautstärken wirkt der Klang nicht blechern, sondern angenehm "voll". Natürlich ist er keinesfalls vergleichbar mit einer dedizierten Anlage oder einer Soundbar. Hierfür fehlt es an der nötigen Leistung im Bassbereich. Wer etwas sparen möchte, kommt aber durchaus ohne weitere Investitionen aus.

VIDAA ade

Wie schon eingangs erwähnt, nutzt Hisense sein eigenes auf Linux basierendes VIDAA-Betriebssystem – das ungefähr genauso gut bzw. schlecht ist wie die proprietären Lösungen anderer Hersteller. Positiv fällt auf, dass es sich relativ schnell und ruckelfrei navigieren lässt. Beim ersten Start des Fernsehers wird man allerdings mit 46 (!) vorinstallierten Apps konfrontiert, von denen keine einzige gelöscht werden kann. Es ist ausschließlich möglich, sie in die Tiefen des Menüs zu verbannen. Auf der Startseite und unterhalb der favorisierten Apps werden einem außerdem Serien- und Filmvorschläge angezeigt. Geschickt eigentlich, außer dass dort auch jene Apps gelistet werden, die man gar nicht nutzt. Der Nutzerfreundlichkeit zuliebe empfiehlt es sich also, stattdessen auf einen Chromecast, Fire-TV-Stick oder auf Apple TV zu setzen.

Keine intuitive Bedienung

Ziemlich veraltet sieht auch die Fernbedienung aus. Sie ist riesig und übersät mit unzähligen Knöpfen. So gibt es einen dedizierten Button für gleich neun Streamingdienste. Darunter sogar für RTL+ und Chili, aber auch den Musikservice Deezer und Rakuten TV. Wegen der vielen – und teilweise überflüssigen – Tasten kommt es nicht selten vor, dass man erst einmal nach der gewünschten Einstellung suchen muss. Es wirkt fast, als hätten die Hersteller ein zehn Jahre altes Design genommen und um die notwendigsten Neuerungen ergänzt.

Wem die Navigation über Tasten zu aufwendig ist, kann immerhin die Sprachsteuerung benutzen. Zumindest theoretisch. Zur Auswahl stehen Amazon Alexa und VIDAA Voice. Im Test funktionierten die Assistenten aber eher schlecht als recht. Fast nie wurde die gewünschte Serie gestartet, stattdessen landete man in der Systemsuche. Im Vergleich mit Android TV und dem Google Assistant ist das ein wirklich enttäuschendes Ergebnis.

Die wichtigsten Anschlüsse im Überblick.
Foto: STANDARD / Manakas

Ach ja, vielleicht noch wichtig: Insgesamt verfügt das Gerät über vier HDMI-Anschlüsse (2 × HDMI 2.1, davon 1 × eARC, und 2 × HDMI 2.0), zwei USB-Ports, Antennen- und Kopfhöreranschluss und die Möglichkeit, ein LAN-Kabel anzustecken. Die eigene Soundanlage kann man neben eARC auch über den digitalen Audioausgang verbinden. Das Streaming von Inhalten funktioniert natürlich über WLAN.

Fazit

Nach mehreren Wochen Nutzung lässt einen der Hisense U7HQ etwas ratlos zurück. Die Bildqualität und maximale Helligkeit bewegen sich im unteren Mittelfeld, das Design hingegen ist ziemlich schick und modern. Auch die Ausstattung ist – zumindest auf dem Papier – ziemlich gut. Will man ein 120-Hz-Panel und HDMI 2.1, muss man bei der Konkurrenz meist draufzahlen. Eigentlich ein interessantes Argument für den Kauf eines Hisense-Geräts dieser Preisklasse.

Das wäre zumindest dann der Fall, wenn der U7HQ nicht mit den oben beschriebenen Problemen zu kämpfen hätte. So unscheinbar das Micro-Stuttering in der Theorie auch klingen mag, wird man von den Rucklern immer wieder aus dem Geschehen gerissen. Zwar sagt Hisense, bereits an einer Lösung zu arbeiten. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung steht diese allerdings noch nicht zur Verfügung. Wer das Gerät also nicht ausschließlich für Gaming nutzen will, sollte lieber noch die Finger davon lassen. Ein Urteil, das sich im Falle einer Fehlerbehebung noch verändern könnte. Derzeit sind die Ersparnisse gegenüber bekannten Herstellern wie LG, Samsung, Sony oder Panasonic allerdings nicht groß genug, um eine solche Einschränkung in Kauf zu nehmen.

Konkurrierenden Geräten in einer vergleichbaren Preisklasse fehlen dann zwar meistens Features wie 4K/120. Dafür kauft man aber deutlich seltener die Katze im Sack. Schaut man sich zudem nach Sonderangeboten um – und überlegt, ob man das Budget nicht doch um 200 oder sogar 300 Euro aufstocken könnte –, spielt man schon in einer ganz anderen Liga. Am Ende des Tages sollte man sich immer wieder fragen, welche Funktionen man tatsächlich braucht. Den meisten Menschen dürfte das Geld sparen. (Mickey Manakas, 4.12.2022)