Wien – Überschwänglicher Optimismus herrscht in der heimischen Unternehmenslandschaft noch nicht vor, die gefühlte Weltuntergangsstimmung der vergangenen Monate legt sich aber allmählich. Das geht aus den Prognosen für 2023 der Industriellenvereinigung (IV) sowie der Jungen Wirtschaft, einer Teilorganisation der Wirtschaftskammer (WKO), hervor.

Eine größere Krise ist laut IV nicht in Sicht, die Zeichen stünden auf Stabilisierung – auch wenn die Lage im ersten Halbjahr herausfordernd bleibe. Statt einer Rezession dürfte man mit einer Konjunkturdelle davonkommen, heißt es. Der Krieg in der Ukraine löse nicht die befürchteten Folgen aus. "Nach Lehman und Covid gibt es keine dritte Großkrise", sagt IV-Chefökonom Christian Helmenstein. Auf der anderen Seite habe sich die Einschätzung zur aktuellen Geschäftslage im neuesten Barometer zwar neuerlich verschlechtert, dafür seien die Erwartungen auf Sicht von sechs Monaten nun aber wieder leicht im positiven Bereich.

Jüngere sind optimistischer

Von "vorsichtigem Optimismus" war bei der Jungen Wirtschaft die Rede. WKO-Präsident Harald Mahrer sprach davon, dass eine zuversichtlichere Haltung bei jungen Unternehmen verglichen mit etablierten Playern in der "Natur der Sache" liege – vor allem wegen der unterschiedlichen Ausgangsbedingungen. Konkreter wurde er aber nicht. Als Jungunternehmer gilt laut WKO-Definition, wer jünger als 40 ist.

Im Ergebnis einer vom Market-Institut durchgeführten Umfrage gehen rund 60 Prozent der mehr als 1.800 Befragten davon aus, dass die Konjunktur heuer gleich bleibt oder steigt. Zahlreiche Betriebe wollen neues Personal aufnehmen, und mehr als die Hälfte will gleich viel wie oder mehr als im Vorjahr investieren. Diese Vorhaben präsentiert die neue Bundesvorsitzende der Jungen Wirtschaft, Bettina Pauschenwein, durchaus zuversichtlich.

"Kein Zweckoptimismus"

Praktisch im selben Atemzug geht sie aber auch auf die Probleme ein, die den Zielen im Weg stehen. Allen voran Fachkräftemangel und Teuerung. "Betriebe wollen neue Leute einstellen, finden aber keine. Außerdem hemmt die hohe Inflation junge Unternehmen im Wachstum." Knapp drei Viertel der Befragten stöhnen ob der hohen Energiepreise.

Dass es sich in Anbetracht dieser Umstände um "Zweckoptimismus" handelt, streitet Pauschenwein ab. Sie erwartet sich von der Regierung nachhaltige Entlastungsmaßnahmen im Bereich der Energiekosten. Überdies will sie sich für eine Steuerbefreiung von Überstunden, bessere Kinderbetreuungsmöglichkeiten und mehr Beschäftigungsanreize für Arbeitslose einsetzen.

Sowohl die IV als auch die Junge Wirtschaft fordern rasche Maßnahmen von der Bundesregierung, um dem Fachkräftemangel gegenzusteuern.
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Subventionen abgewöhnen

Weitere staatliche Subventionen will die Industriellenvereinigung eigenen Angaben zufolge eher vermeiden. Ohne die milliardenschweren Hilfen des Bundes wäre die Lage nicht so, wie sie aktuell ist, es brauche aber wieder ein Umdenken, heißt es. "Wir müssen uns aus dem Zustand, an den wir uns in den vergangenen Jahren gewöhnt haben, lösen und das Subventionieren im Unternehmenssektor wieder zurückfahren", sagt IV-Generalsekretär Christoph Neumayer. Das Budget stehe unter Druck, es brauche wieder mehr Disziplin. Inklusive der Abschaffung der kalten Progression und des neuen Energiekostenzuschusses 2 wurde laut IV-Berechnung mit 32 Milliarden Euro interveniert, um die Krise abzufedern.

Fachkräfte und Energiewende

Einig sind sich IV und Junge Wirtschaft, dass die Regierung in puncto Fachkräftemangel und bei der Energiewende schnell Lösungen finden muss, um der Situation gegenzusteuern. Für die Energiewende benötige es Infrastruktur, und hier brauche es auch wieder die entsprechenden Fachkräfte zur Umsetzung.

Laut IV-Ökonom Helmenstein sind in Österreich riesige Investitionen notwendig, um die Wettbewerbsfähigkeit in Sachen Digitalisierung, Automatisierung und Robotik zu steigern und so den Standortnachteil bei den Energiekosten abzufedern. (Andreas Danzer, 24.1.2023)