Wie soll es mit der Corona-Impfung weitergehen? Die US-Behörde FDA dürfte ein jährliches Impfschema, ähnlich jenem für Influenza, vorschlagen.

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Die Impfung hat die Pandemie nachhaltig verändert. Durch sie wurden viele schwere Verläufe nach Infektion erfolgreich abgewendet und zahlreiche Tote verhindert. Doch Sars-CoV-2 wird der Welt erhalten bleiben. Wie man in Zukunft am besten damit umgehen kann, darüber berät am Donnerstag ein Expertengremium im Auftrag der Food and Drug Administration, der US-Arzneimittelbehörde FDA. Vorgeschlagen wird eine jährliche Impfung mit zwei Dosen für Kleinkinder, Betagte und Immunschwache. Denn Menschen ab etwa 60 Jahren zeigen bereits ein schlechteres Ansprechen auf Impfungen. Gleiches gilt auch für Immunschwache, etwa Personen mit bestimmten Vorerkrankungen oder das Immunsystem schwächenden medizinischen Therapien. Gesunde Erwachsene sollten jährlich mit einer Dosis aufgefrischt werden.

"Wissenschafter der Food and Drug Administration schlagen vor, die Covid-19-Immunisierung zu einer regelmäßigen, einmal jährlichen Impfung mit einer Anpassung an die jeweils aktuellen Sars-CoV-2-Stämme zu machen, sagen die Dokumente, welche die FDA am Montag veröffentlicht hat", schrieb der US-Pharma-Infodienst Stat. Die FDA ist die mächtigste Arzneimittelbehörde weltweit. Empfiehlt sie, in Zukunft zu einer jährlichen Vorsorge, idealerweise im Herbst, überzugehen, hätte das einiges an Gewicht.

Jährlich angepasste Vakzine

Analog zum Vorgehen bei der Grippeimpfung sollen dann die Vakzine wohl jeweils an die aktuellen Erregerstämme angepasst werden. Bei der Influenza erfolgt die Antigenauswahl regelmäßig durch die WHO jeweils für die Süd- und die Nordhalbkugel der Erde, für den Norden passiert das bereits in diesen Wochen für die Wintersaison 2023/24. Eine völlig neue Zulassung der angepassten Vakzine durch die Arzneimittelbehörden ist dann nicht mehr notwendig. Denn nur die Antigene im Impfstoff werden angepasst, nicht das komplette Vakzin – wie es auch schon beim bivalenten Vakzin gegen die Omikron-Varianten passiert ist. Es gilt für die USA als wahrscheinlich, dass in nächster Zukunft alle Covid-19-Impfstoffe sowohl eine Komponente gegen die ursprünglich aus Wuhan stammenden Sars-CoV-2-Erreger als auch gegen Omikron-Varianten aufweisen werden.

Wie gut die Vakzine wirken, zeigen auch die rückläufigen Hospitalisierungen. In den USA werden Ungeimpfte 16-mal häufiger wegen einer Corona-Infektion im Spital aufgenommen als ausreichend mit dem Ursprungsvakzin Geimpfte, wie die Virologin Ulrike Protzer anlässlich des Österreichischen Impftags am vergangenen Wochenende berichtete. Eine Auffrischung mit einem an BA.4/5 angepassten Vakzin bringe noch einmal eine um das 2,7-Fache geringere Hospitalisierungsrate bei einer Durchbruchsinfektion. Der positive Effekt zeige sich auch bei den nachfolgenden Virusmutanten.

Und auch eine ganz aktuelle Studie aus Israel, die noch nicht von unabhängigen Experten begutachtet wurde, zeigt, dass die bivalenten Vakzine (BA.4/5) als Booster bei über 65-Jährigen im Vergleich zu keiner neuerlichen Impfung Krankenhausaufenthalte um 81 Prozent und Todesfälle um 86 Prozent reduzieren.

Weitere wissenschaftliche Daten zu Impfintervall gewünscht

Die FDA hat zu den Fragen, die am Donnerstag diskutiert werden sollten, noch keine eigene Stellung bezogen. "Ich gehe davon aus, dass die Behörde offen für Ratschläge ist und dass sie sich selbst noch nicht ganz im Klaren ist, wie man weiter agieren sollte", wurde zu den Fragen Paul Offit, Mitglied der Expertenkommission und Leiter des Vaccine Education Center am Kinderspital von Philadelphia, von der "New York Times" zitiert.

Für Eric Rubin, ebenfalls Mitglied des einberufenen Gremiums und Chefredakteur des "New England Journal of Medicine", der angesehensten Medizinfachzeitschrift der Welt, ist noch vieles unklar. "Ich würde gerne wissenschaftliche Daten zum Effekt des Impfintervalls sehen, zumindest aus Beobachtungsstudien", erklärte er. Man müsse irgendwie auf der Basis von harten Informationen abschätzen können, ob man mit der angedachten Strategie in die richtige Richtung unterwegs sei. Immerhin sollte geklärt sein, ob eine jährliche Impfung gegen Covid-19 für genügend Schutz in Zukunft ausreicht. Darüber hinaus seien die Empfehlungen auch für die Produktion der Impfstoffe von entscheidender Bedeutung. (APA, kru, 25.1.2023)