Raúl Arévalo macht seinen Job in "Santo", zu sehen auf Netflix.

Foto: Netflix

Es ist für Fans spanischer und lateinamerikanischer Film- und Serienproduktionen nie verkehrt reinzuschauen, wenn Raúl Arévalo im Cast aufscheint. Der 43-jährige Madrilene trägt nicht nur eines der markantesten Filmgesichter seit Charles Bronson und Danny Trejo spazieren, sondern verleiht seinen Rollen immer auch enorm viel Charakter.

Meistens handelt es sich um Menschen, die in der einen oder anderen Weise das sind, was man im Englischen so schön mit "troubled" bezeichnet. Sei es der desillusionierte Cop in La Isla Mínima (dt. Mörderland, 2014) oder der dem Wahnsinn anheimfallende Mathematiker in El Aviso (Die Warnung, 2018): Dieser Mann wird mit der Realität des Lebens kaum fertig, kämpft an, strauchelt, macht weiter. Fällt.

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Also nichts wie reingeschaut bei Santo einem der vielen "Narco"-Epen, für die die lateinamerikanische Filmindustrie eine Schwäche zu haben scheint. Millán, ein nicht ganz sauberer Drogenfahnder in Madrid, bekommt es zu tun mit Santo, einem Kokainbaron und offenbar auch Sektenguru, der in Brasilien und Spanien mit äußerster Brutalität zu Werke geht. Blöd nur, dass niemand weiß, wer Santo ist oder gar wie er aussieht. An der Seite Milláns nicht nur die bis zur Selbstverleugnung loyale Kollegin Susi, sondern auch Cardona, ein brasilianischer Undercover-Cop.

Visuell hervorragend inszeniert, beginnt die Jagd nach dem Phantom, bei der man nie weiß, wie nah man dem Ziel ist; wer gut, wer böse ist – oder beides. Schade um die nicht wenigen Schlaglöcher im Drehbuch. Die Serie hätte viel Potenzial. Fast egal, denn Raúl Arévalo sieht man immer gern zu, wenn er seine Arbeit macht. (Gianluca Wallisch, 2.2.2023)