Laut Angaben der Überlebenden kommen alle Insassen des Lkw aus Afghanistan und sind zwischen 13 und 35 Jahre alt.

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Sofia – Die bulgarische Staatsanwaltschaft hat im Zusammenhang mit 18 tot in einem Lkw aufgefundenen Migranten nahe Sofia inzwischen sieben Verdächtige festgenommen und ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Darunter sei auch der mutmaßliche Anführer des Schlepperrings, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft am Samstag.

Von den 34 Überlebenden der Schlepperfahrt – sie stammen alle aus Afghanistan – befand sich am Sonntag keiner mehr in Lebensgefahr, jedoch 22 weiterhin in ärztlicher Behandlung. Die 18 verstorbenen Personen seien erstickt. Unter den Toten sei ein siebenjähriges Kind. 14 minderjährige Überlebende wurden in einem Flüchtlingsheim in Sofia untergebracht, sagte Bulgariens Gesundheitsminister Assen Medschidiew.

Alufolie gegen Körpertemeratur-Scanner

Bei den Ermittlungen zu den toten Migranten wurde auch das bisherige Vorgehen der Schlepper in Erfahrung gebracht: "Der Transport von der bulgarisch-türkischen Grenze im Südosten zur bulgarisch-serbischen Grenze im Nordwesten war organisiert und erfolgte zwei Mal im Monat", erklärte der stellvertretende Generalstaatsanwalt Borislaw Sarafow.

Die Durchreise sei per "Telegram"-Botschaften organisiert worden. Der Innenraum des sichergestellten Lkw sei mit Alufolie abgedichtet worden, damit die Körpertemperatur der Insassen an der Grenze nicht per Scanner registriert werden konnte, hieß es aus Ermittlerkreisen.

Europaweite Fahndung

Keiner der Migranten trug Personalausweise bei sich. Den Angaben der Überlebenden zufolge kommen alle aus Afghanistan und sind im Alter zwischen 13 und 35 Jahren. Jeder von ihnen habe den Schleppern zwischen 5.000 und 7.000 Euro für den Transport nach Frankreich, Deutschland oder Großbritannien gezahlt. Der bulgarische Teil des Schleuserrings kassierte zwischen 500 und 1.000 Euro pro Person und die Lkw-Fahrer 100 Euro.

Vier der bisher sieben Festgenommenen wurden bereits verurteilt, unter anderem auch wegen Schlepperei. Nach einem Verdächtigen wird europaweit gefahndet, nachdem sich dieser ins Ausland absetzen konnte, gab Staatsanwalt Sarafow bekannt.

Am Sonntag spürte die bulgarische Polizei 43 weitere Migranten auf der Autobahn nahe Sofia auf. Laut Staatsradio BNR wurde der Kleintransporter 36 Kilometer südöstlich der bulgarischen Hauptstadt angehalten, Ziel der Fahrt war Westeuropa. Der Fahrer – ein bulgarischer Staatsbürger – wurde festgenommen. Noch ist unklar, ob es sich um organisierten Menschenschmuggel handelt und eine Verbindung zum Tod der nahe Sofia aufgefundenen Migranten besteht. (APA, red, 19.2.2023)