Die Nachbarn hatten den mutmaßlichen Täter aufgefordert, nicht im Garten herumzuschießen.

Foto: APA/GO NAKAMURA

Houston – Nach vier Tagen intensiver Suche nach einem Mann, der fünf Nachbarn in einer texanischen Kleinstadt erschossen hatte, hat ein Hinweis die Polizei schließlich zu ihm geführt. Die US-Einsatzkräfte nahmen den 38-jährigen mutmaßlichen Todesschützen am Dienstagabend im Ort Cut and Shoot im Montgomery County nahe Houston fest, keine 30 Kilometer entfernt von der Siedlung bei Cleveland, wo er am Freitagabend die Tat verübt haben soll.

Man habe den Mann in einem Kasten unter Wäsche versteckt gefunden und unverletzt festgenommen, teilte der zuständige Sheriff des San Jacinto County, Greg Capers, mit. Nach ihm war mit mehreren Hundert Einsatzkräften, einer Reiterstaffel und großformatigen Plakaten gefahndet worden, FBI und andere Polizei-Spezialeinheiten hatten sich daran beteiligt. Für Hinweise war eine Belohnung von 80.000 Dollar (knapp 73.000 Euro) ausgesetzt worden. Nachdem Spürhunde die Fährte des mutmaßlichen Schützen verloren hatten, hieß es zunächst, er könne "überall" sein.

Tötungen "im Stil einer Hinrichtung"

Eine Sprecherin des Weißen Hauses nannte die Tat einen weiteren schockierenden und entsetzlichen Fall von Waffengewalt in Amerika. An jenem späten Freitag hatten die Nachbarn den Mann gebeten, nicht mehr in seinem Vorgarten herumzuschießen, damit ihr Baby schlafen könne. Statt Ruhe zu geben, ging der angetrunkene Mann wenig später mit einem Halbautomatikgewehr zu seinen Nachbarn und verübte das Blutbad.

Bei seinen Opfern handelte es sich um Honduraner: drei Frauen im Alter von 25, 21 und 31 Jahren, einen 18-Jährigen sowie einen – je nach Angaben – acht- oder neunjährigen Buben, der seinen Verletzungen noch im Rettungswagen erlag. Die Tötungen beschrieb Sheriff Capers als "fast schon im Stil einer Hinrichtung" – Schüsse aus unmittelbarer Nähe in Kopf oder Nacken. Zwei der Frauen hatten anscheinend mit ihren Körpern zwei Kinder vor den Schüssen abgeschirmt.

An dem Abend hatten sich 15 Menschen in seinem Haus versammelt, um gemeinsam eine Kirchenveranstaltung vorzubereiten, berichtete der Überlebende Wilson Garcia, dessen Sohn und Frau getötet wurden, dem Sender CNN. Freunde und Paten seien da gewesen. Medienberichten zufolge war die Familie erst wenige Tage zuvor aus Houston ins rund 70 Kilometer entfernte Cleveland gezogen. "Ich habe keine Worte für das, was geschehen ist", sagte Garcia laut der "New York Times" auf einer Mahnwache. "Wir sind am Leben, aber es gibt hier kein Leben." Nach Angaben des Außenministeriums von Honduras bemühte sich das mittelamerikanische Land um eine baldige Heimführung der Leichname.

Waffengesetze in Texas besonders locker

Der mexikanische Nachbar war nach Angaben des Sheriffs schon zuvor damit aufgefallen, da er in seinem Vorgarten herumgeschossen hatte. Im konservativen Texas, wo das Recht auf Selbstbewaffnung sehr hoch gehalten wird, ist das allerdings nicht ungewöhnlich.

In seinem Haus stellten die Beamten später Waffen sicher, darunter auch die mutmaßlich für die Tötungen benutzte Halbautomatikwaffe. Der Mann soll bereits mehrfach aus den USA abgeschoben worden sein und 2012 wegen Trunkenheit am Steuer im Gefängnis gesessen haben, wie US-Medien unter Berufung auf Einwanderungsbehörden berichteten. Das wirft selbst in Texas mit den dort äußerst laxen Waffengesetzen die Frage auf, wie ein Verurteilter mit unklarem Aufenthaltsstatus ein Sturmgewehr von der Art eines AR-15 besitzen konnte.

Jährlich sterben in den Vereinigten Staaten zehntausende Menschen durch Waffengewalt. In Texas hatte im Mai 2022 ein 18-Jähriger mit einem Sturmgewehr in einer Volksschule in der Kleinstadt Uvalde 19 Kinder und zwei Lehrerinnen erschossen. (APA, 3.5.2023)