Susanna Gangl hat ihr Wäschelabel Soda Lingerie 2020 gegründet, im vergangenen Jahr ist ihr Partner Severin Wiesbauer eingestiegen.
Susanna Gangl hat ihr Wäschelabel Soda Lingerie 2020 gegründet, im vergangenen Jahr ist ihr Partner Severin Wiesbauer eingestiegen.
Marcel Dziewulski

Im Juli haben sie ihren Store in der Wiener Neubaugasse eröffnet. Gegründet hat Susanna Gangl ihr Wäschelabel Soda Lingerie bereits vor drei Jahren, Ende 2022 stieg ihr Partner Severin Wiesbauer ein. Gangl hat eine Leidenschaft für Unterwäsche, das spürt man im Gespräch sehr schnell. Den beiden geht es um langlebige, spezielle Produkte – gefertigt wird im Sonnwendviertel im zehnten Wiener Gemeindebezirk.

STANDARD: Was macht eine gute Unterhose aus?

Gangl: Es darf nichts zwicken, man sollte sich in der Wäsche wohlfühlen, und sie sollte der Figur schmeicheln.

STANDARD: Was ist momentan angesagter, Brazilian oder Tanga?

Gangl: Beides gleichermaßen. Meist bleiben Frauen bei dem einen Schnitt, den sie gerne tragen. High Waist ist hingegen weniger gefragt. Ich habe das Gefühl, dass wieder mehr Bauch gezeigt wird.

STANDARD: Sind Brazilian oder Tanga wirklich praktisch?

Gangl: Super ist, dass sich die Wäsche nicht durchdrückt, sie unsichtbar wird unter der Kleidung. Im besten Fall fühlt sie sich so an, als sei sie nicht da.

STANDARD: Sind die Unterhosen kleiner geworden?

Gangl: Das mag bei den Jüngeren so sein, die ältere Generation mag schon noch lieber Schnitte, die den Po mehr bedecken. Spannend finde ich, dass es unterschiedliche Typen gibt. Die einen wollen, dass die Wäsche nicht einschneidet, andere, dass der Po aufgefangen wird. Das hat mit der Größe des Pos zu tun und ist beides nachvollziehbar.

STANDARD: Unterscheiden sich die Generationen hinsichtlich ihrer Wäschevorlieben?

Gangl: Klar, wenn man älter wird, hat man natürlich andere Bedürfnisse. Ich beobachte aber grundsätzlich, dass sich Frauen mit einem natürlichen Busen wieder wohler fühlen. Das hat sicher auch damit zu tun, dass in der Werbung zunehmend diversere Körper gezeigt werden. Die Sichtbarkeit echter Körper tut Männern wie Frauen gut. Und damit auch verbunden das Wissen, dass der Körper im Alter zu hängen beginnt.

Soda Lingerie
Spitzenwäsche von Soda Lingerie.
Maria Ritsch

STANDARD: In den vergangenen Jahren waren Unternehmen wie Skims oder Savage X Fenty erfolgreich damit, Wäsche an unterschiedlichen Körpern zu zeigen. Schauen Sie sich deren Sachen an?

Gangl: Ja, ich finde auch wichtig, dass es eine Bandbreite an Wäsche gibt.

STANDARD: Ist der Push-up verschwunden?

Gangl: Das würde ich nicht sagen. Es gibt auch eine Frauengeneration, die ihn noch gerne trägt. Er ist aber sicher nicht mehr so verbreitet wie früher. Triangel-BHs oder auch gar keinen BH tragen ist in der Breite angekommen.

STANDARD: Kann man von einer Wäscherevolution sprechen?

Gangl: Es ist sicher viel passiert, aber es darf sich noch viel mehr tun.

STANDARD: Der Push-up war mit der Idealvorstellung einer Einheitsbrust verbunden …

Gangl: Genau, die Brust wird in eine vorgegebene Form gepresst, die weibliche Brustwarze unsichtbar gemacht. Wir haben übrigens nur einen BH-Schnitt, an dem wir aber lange gefeilt haben. Wir sind stolz darauf, dass er so vielen Frauen unterschiedlicher Größe taugt. Zum Beispiel sind die Träger in Größe XXL viel breiter als bei unserem kleinsten Modell. In der Industrie ist das oft gar nicht möglich.

STANDARD: Ist es selbstverständlicher geworden, auf den BH zu verzichten?

Gangl: Definitiv. Unser Modell ziehen viele an, die lange keinen getragen haben.

STANDARD: Was fasziniert Sie an Spitze?

Gangl: Spitze ist ein besonderes Material, es ist schwierig, sie in einer guten Qualität zu finden. Eine gute Spitze macht jedes Outfit zu etwas Besonderem. Sie ist vielseitig, kann drunter wie drüber getragen werden. Ich mag aber auch Materialien wie Jersey und Mesh.

STANDARD: Tragen Männer auch Unterwäsche aus Spitze?

Gangl: Es kommen durchaus Männer zu uns. Ich bin sowieso der Meinung, Männer sollten mehr Spitze tragen. Dann wird das auch selbstverständlicher. (Anne Feldkamp, 28.8.2023)

Soda Lingerie, Neubaugasse 45, 1070 Wien