Swiftie-Fans wird dieser Mann nichts sagen: Der deutsche Schlagersänger Wolfgang Petri, hier 1998, band sich lange die Freundschaftsbänder seiner Fans um.
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Manchmal sagen ein paar Perlen mehr als viele Worte. Oder ein Band aus buntem Garn mehr als ein Konzertticket. Das beweisen die Fans von Taylor Swift: Die Swifties haben das Auffädeln und Tauschen der bunten Perlenarmbänder zur Perfektion getrieben. Die kleinen Perlen zieren der Name des Popstars oder jener der vergangenen Alben – getauscht und verschenkt werden die Stücke vor und nach den Konzerten.

Wer die Perlen nicht selbst auffädelt, kauft die Armbänder auf Plattformen wie Etsy. Die Auswahl? Riesig. Dank findiger Kleinunternehmen, die zum richtigen Zeitpunkt auf den Hype aufgesprungen sind. Und viele Fans glücklich machen. "So süß und so perfekt", lauten die Kommentare shoppender Swifties.

Verkauf von Freundschaftsbändern vor dem Taylor-Swift-Konzert in Mexico-Stadt.
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Wieso ausgerechnet die Fans von Taylor Swift das Accessoire für sich entdeckt haben? Darauf gibt es einige Hinweise. Zum einen bewarb die US-Amerikanerin 2019 ihr Album "Lover" mit einem Bild ihres mit bunten Freundschaftsarmbändern und Haargummis geschmückten Unterarms. Zum anderen wäre da der Song "You're on Your Own, Kid", in dem der Popstar das selbstgemachte Armband feierte. Die besondere Verbundenheit der Fan-Community wird ihr Übriges zur Rückkehr des bandgewordenen Versprechens beitragen: "Wir bleiben uns treu, wir halten zusammen."

Der 33-Jährige US-Popstar hat jedenfalls dafür gesorgt, dass über das Freundschaftsarmband wieder gesprochen und hier und da geschrieben wird. War es denn je weg?, werden sich nun jene fragen, die noch Männer wie Wolfgang Petry kennen. Der deutsche Schlagersänger trug in den Neunzigern nicht nur Schnauzbart und Vokuhila, sein linker Unterarm war bis zur Armbeuge bedeckt mit bunten Freundschaftsarmbändern. Begonnen hatte es mit dem Geschenk eines Fans, etwa hundert weitere folgten – und Petry tat, was Harry Styles im Kleinen kultivierte und Taylor Swift bisher vermieden hat. Er zog die geschenkten Bänder an und lange nicht mehr aus. 2002 war dann genug, für einen guten Zweck trennte er sich.

An die Bilder des bandagierten Schlagersängers werden sich selbst Swift-Fans im deutschsprachigen Raum kaum erinnern, viel zu lange her. Vielleicht dann doch eher an das gelbe "Livestrong-Armband" von Lance Armstrong, mit dem der Rennradfahrer in den Nullerjahren einen Boom an kleinen, bunten Silikonarmbändern an den Handgelenken auslöste. Wir erinnern uns: Auch David Beckham und die jungen britischen Royals ließ sich anstecken.

Gut, dass nun das silikonfreie Freundschaftsarmband gefeiert wird. Auch wenn es den wenigsten dabei nicht ums Geld geht. Ein "Swiftie"-Armband mit 18 violetten Perlen kostet in Taylor Swifts Online-Store stolze 45 Euro. Fan-Freundschaften gehen eben ins Geld. (feld, 28.8.2023)