Taschen unterm Arm tragen

Model Emily Ratajkowski trägt eine roséfarbene Handtasche eng am Körper während der Versace-Show in Los Angeles.
Model Emily Ratajkowski trägt eine roséfarbene Handtasche eng am Körper während der Versace-Show in Los Angeles.
APA/AFP/Angela Weiss

Gesehen bei: Versace

Attitüde: Allzweckwaffe

Vorbild: Baguette-Bag, Fendi

Für alle, die sich bereits daran gewöhnt haben, sich wie die Generation Z längliche Handtaschen in Brusthöhe unter die Achsel zu klemmen, gibt es Entwarnung. Trotz der vielen voluminösen Shopper, die nun wieder in den Modekollektionen auftauchen, ist eine Umgewöhnung noch nicht zwingend notwendig.

Das führte Model Emily Ratajkowski während der Versace-Show in Los Angeles vor. Sie trug eine roséfarbene Handtasche so eng am Körper wie einst Carrie Bradshaw die Baguette Bag in Sex and The City. Dabei war die Show keine Hommage an die Serie, sondern an eine Kollektion von Gianni Versace aus dem Jahr 1995.

Vorteil des körpernahen Klammergriffs, den die Generation Z perfektioniert hat: Kein Langfinger kommt so an Schlüssel, Reisepass und Geldbeutel. Merke: Die Handtasche mit dem kurzen Henkel kann ohne Weiteres einen Brustbeutel ersetzen. Was man sich übrigens auch von den Jungen abschauen kann: Es muss auch keine Fendi sein. Im Grunde lässt sich jede beliebige Tasche mit einem kurzen Riemen in ein Baguette verwandeln.

Sakkos überziehen

Das Oversize-Sakko der 1980er-Powerfrauen feierte bei der Herbstkollektion von Saint Laurent ein Comeback.
Das Oversize-Sakko der 1980er-Powerfrauen feierte bei der Herbstkollektion von Saint Laurent ein Comeback.
APA/AFP/Julien de Rosa

Gesehen bei: Saint Laurent

Attitüde: Powerfrau

Vorbild: Melanie Griffith, "Working Girl"

Vor einem knappen Jahrzehnt machte sich ein Düsseldorfer Designer georgischer Herkunft daran, die Modewelt zu beeindrucken. Demna Gvasalia, heute nennt er sich nur noch Demna, verordnete so ziemlich jedem Kleidungsstück Volumen. Plötzlich waren die Hosen weit, die Hoodies baumelten hinunter bis in Kniehöhe, und Blazer sahen wieder so aus wie jene Teile, die Melanie Griffith 1988 im Film Working Girl trug, um Karriere zu machen.

Heute ist die breitschultrige Powerfrauattitüde eine Selbstverständlichkeit: Das lässt sich beispielsweise an jener Generation an erwachsen gewordenen Influencerinnen ablesen, die das Oversize-Sakko schon vor einiger Zeit zu ihrer Uniform erklärt hat.

Die Herbstkollektion von Saint Laurent dürfte dem Bedürfnis dieser neuen Businessfrauen nach Schulterpolstern entsprechen. "All very Helmut Newton", lautete das Urteil des Portals Vogue Runway angesichts der Armada an Frauen in strengen Kostümen. Allerdings, möchte man anfügen, brauchen Influencerinnen keinen Newton, der sie vor der Kamera in Szene setzt.

Auf Transparenz setzen

Gucci präsentierte bei der Herbst/Winter-Kollektion 2023/2024 in Mailand durchscheinende Röcke und Kleider.
Gucci präsentierte bei der Herbst/Winter-Kollektion 2023/24 in Mailand durchscheinende Röcke und Kleider.
Reuters / Alessandro Garofalo

Gesehen bei: Gucci

Attitüde: Du kannst mich mal

Vorbild: Rihanna, CFDA-Awards 2014

Beim Modehaus Gucci mag nach dem Abgang von Designchef Alessandro Michele und vor Antritt seines Nachfolgers Sabato de Sarno noch nicht ganz klar sein, wohin die Reise geht. Eines aber ist sicher: Mit durchscheinenden Röcken und Kleidern lag das interimistische Designteam ganz richtig. Transparenz ist in der Mode derzeit das oberste Gebot.

Völlig neu ist sie natürlich nicht. Los ging es mit den transparenten Kleidern schon in den 1960ern. Wir erinnern uns: Der französisch-US-amerikanische Designer Jean Louis entwarf anlässlich von Kennedys Geburtstagssause für Marilyn Monroe jenes hautenge Skandalkleid, in dem sie ihr "Happy Birthday, Mr. President" dahinhauchte.

Im vergangenen Jahr durfte das Teil wieder Schlagzeilen machen. Kim Kardashian hungerte sich für die Met-Gala in das Archivstück und ging damit in die Geschichte der umstrittensten Red-Carpet-Kleider ein. Doch keine Angst, um den transparenten Gucci-Rock wird es zu keiner solchen Aufregung kommen – dank farbiger, ziemlich blickdichter Strumpfhosen.

Blumen sprechen lassen

Bei Miuccia Pradas Zweitlabel Miu Miu werden große Blüten auf Cardigans und Röcke appliziert.
Bei Miuccia Pradas Zweitlabel Miu Miu werden große Blüten auf Cardigans und Röcke appliziert.
Miu Miu

Gesehen bei: Miu Miu

Attitüde: Einfach liab

Vorbild: Carrie Bradshaw, "Sex and the City"

Und schon wieder Carrie Bradshaw! Kaum ein Accessoire trug die New Yorker Modekolumnistin in der dritten Staffel von Sex and the City so oft wie jene pinke 3D-Blume, mit der sie Oberteile, Kleider und Jacken dekorierte. Das war, manche erinnern sich vielleicht, im Sommer 2000.

Fast ein Vierteljahrhundert später sind die ansteckbaren floralen Broschen wieder zurück. Das Comeback hatte sich bereits im Frühjahr angekündigt, als Raf Simons und Miuccia Prada plastische Blüten auf Oberteilen verteilten. Designer Glenn Martens ließ den Models in der Show seines Labels Y/Project Blumen um die Hälse winden, auf Instagram sprossen handtellergroße Blüten auf Haarspangen, Gürteln und Sakkos.

Im Herbst macht nun so manches Modehaus die lästigen Anstecknadeln überflüssig. Bei Miuccia Pradas Zweitlabel Miu Miu wurden große Blüten auf Cardigans und Röcke appliziert. Das Unternehmen hat sich in den vergangenen Saisonen als richtungsweisend erwiesen – und wird auch mit dieser modischen Prognose nicht falsch liegen, wetten?

Die dunkle Seite hervorholen

Die Farbe Schwarz dominierte die Chanel Herbst/Winter-Kollektion 2023/2024 auf der Paris Fashion Week.
Die Farbe Schwarz dominierte die Chanel-Herbst/Winter-Kollektion 2023/24 auf der Paris Fashion Week.
Reuters / Benoit Tessier

Gesehen bei: Chanel

Attitüde: Morbide

Vorbild: Wednesday Addams

Es begann mit Wednesday Addams. Genauer: mit Tim Burtons Remake der "Addams Family" Ende vergangenen Jahres. Damals führte Schauspielerin Jenna Ortega vor, dass die Farbe Schwarz noch lange nicht von gestern ist. Die Protagonistin der Netflix-Serie machte sich zwar nichts aus Mode, sah aber in ihren schweren Boots, den weißen Krägen und einem Spitzenkleid von Alaïa Vintage so smart aus, dass ihre ernsthafte Weltuntergangsmode gleich nachgeahmt wurde.

Fast zeitgleich präsentierte Designerin Donatella Versace ihre "Dark Goddess Show": Die Models Gigi Hadid, Mona Tougaard und Rianne Van Rompaey liefen in schwarzer und violetter Spitze über den Laufsteg.

Im Internet hat man seit einiger Zeit Freude am schönen Schauer. Mit "Dark Academia" war in den sozialen Netzwerken ein Gothic-Revival gestartet worden, jetzt rücken dort die düster gestimmten "Gloomy Girls" nach. Auch sie kombinieren die Farbe Schwarz mit Haarschleifen, Ballerinas und Spitzenblusen. Eine Portion Cuteness kann schließlich nicht schaden. (RONDO, Anne Feldkamp, 31.8.2023)