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Tillman Kaisers abstrakte Arbeiten setzen die barocke Architektur fort.
APA/EVA MANHART

Wien – Kaum zu glauben, dass vor 300 Jahren hier noch die kaiserlichen Pferde untergebracht waren. Die ehemaligen Hofstallungen des Museumsquartiers (MQ) gelten als eines der Hauptwerke von Johann Bernhard Fischer von Erlach. Der Barockarchitekt, der auch die Karlskirche entwarf, starb vor 300 Jahren und wird dieses Jahr gefeiert.

Zu diesem Anlass werden nun einige der 40 halbrunden Nischen der Hauptfassade des MQ künstlerisch bespielt. Dort blicken zeitgenössische Skulpturen von Tillman Kaiser und Sonia Leimer Richtung Innenstadt. Die Interventionen werden dort ein Jahr zu sehen sein.

Mit einem geladenen Wettbewerb lud das MQ Künstler und Künstlerinnen ein, Projekte einzureichen. Die Fachjury wählte die Ideen von Kaiser und Leimer zur Realisierung aus. Die beiden würden sich "ganz unterschiedlich mit den historischen und aktuellen Bedingungen der Fassade Fischer von Erlachs" auseinandersetzen, sagte MQ-Chefin Bettina Leidl. "Ausgehend von ihrer eigenen künstlerischen Praxis verbinden sie die barocke Architektur mit zeitgenössischer Kunst."

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Sonia Leimers spiegelnde Skulpturen reflektieren die Umgebung.
APA/EVA MANHART

Leerstellen und Blüten

Die 1977 geborene Sonia Leimer füllte die Nischen mit Aluminium-Skulpturen, die als zeichenhafte Markierungen von Leerstellen funktionieren sollen. Spiegelnde Platten sind den Hohlräumen quasi vorgelagert, reflektieren die Umwelt und verschmelzen so mit der Architektur. Leimer studierte Architektur an der TU Wien sowie an der Akademie der bildenden Künste. In ihren Videos, Installationen und Skulpturen beschäftigt sie sich mit dem urbanen Raum und dem Weltall.

Tillman Kaiser, Jahrgang 1972, hingegen nützte die horizontalen Fugen und Bänder der Fassade als Anknüpfungspunkt für seine geometrischen Skulpturen aus weißem Edelstahl. Sie docken quasi an den symmetrischen Stil des Baus an und stülpen sich wie abstrakte Blüten aus den Nischen hervor. Kaiser studierte ebenfalls an der Akademie der bildenden Künste und bezeichnet seine vielseitigen Arbeiten als Collagen, die inhaltlich von Natur bis Science-Fiction handeln. (Katharina Rustler, 25.10.2023)