Kunsthaus Zürlich Sammlung Bührle
Die Sammlung, die 203 Werke umfasst, wurde vom Waffenhändler und NS-Profiteur Emil Bührle aufgebaut.
APA/AFP/ARND WIEGMANN

In einer Woche wird im Kunsthaus Zürich eine neue Ausstellung der Sammlung Bührle eröffnet. Der beratende wissenschaftliche Beirat ist aber Mitte Oktober zurückgetreten, wie das Kunsthaus am Freitag mitteilte. Der Rücktritt sei erfolgt, nachdem "Unstimmigkeiten über das Gewicht, welches die individuellen Schicksale früherer Eigentümerinnen und Eigentümer, die Opfer des NS-Unrechtsregimes geworden waren, in der Neupräsentation haben sollten", aufgetreten seien, hieß es.

Der unabhängige Beirat habe das Kunsthaus in den vergangenen zwölf Monaten zur neuen Ausstellung beraten und diese immer wieder kritisch hinterfragt. "Wir wollen Vielstimmigkeit", wird Kunsthaus-Direktorin Ann Demeester zitiert. "Dissens und Debatte ist Teil dieser Ausstellung."

Kein Konsens

Am Ende habe aber das Kunsthaus und der Beirat in der konkreten Umsetzung nicht in allen Aspekten übereingestimmt und es habe kein Konsens gefunden werden können. "Das ist bedauerlich und zeigt, wie komplex die Thematik ist", so Demeester.

Bei einer Pressekonferenz am kommenden Donnerstag, am Tag vor der geplanten Ausstellungseröffnung, sollen die Hintergründe zum Beiratsrücktritt weiter erläutert werden, schreibt das Kunsthaus.

"In der Neuausstellung der Sammlung Emil Bührle geht es um Kunst und Geschichte und um unterschiedliche Stimmen und Meinungen", heißt es in der Mitteilung. Das Kunsthaus mache diese öffentlich und gehe davon aus, dass die Präsentation weiterhin kontroverse, aber auch wertvolle Diskussionen auslösen werde, wie ja auch die Vorbereitungsphase mit dem externen Beirat gezeigt habe.

Waffenverkäufe im zweiten Weltkrieg

Die Sammlung, die 203 Werke umfasst, wurde vom Waffenhändler Emil Bührle aufgebaut. Er wurde durch Waffenverkäufe während und nach dem Zweiten Weltkrieg zu einem der reichsten Männer der damaligen Schweiz. Er vermachte seine Sammlung einer Stiftung, die sie seit 1960 verwaltet. Seit Herbst 2021 ist sie als Dauerleihgabe im Kunsthaus hinterlegt. Seither wird um die Bührle-Sammlung gestritten, auch auf politischer Ebene. Das Kunsthaus untersucht die Herkunft der Werke. (APA, 27.10.2023)