Xiaomi Smart Blender
Der Xiaomi Smart Blender will mehr sein als ein herkömmlicher Mixer.
Xiaomi

Küchengeräte im Smart Home sind ja meistens eher aus der Kategorie "nett, aber nicht wirklich nötig". Was nützt eine per App fernsteuerbare Kaffeemaschine, wenn man doch selbst Kaffee und Wasser nachfüllen muss? Dann gibt es noch smarte Wasserflaschen, die neben der Temperatur auch die Trinkmenge überwachen, oder einen App-gesteuerten Reiskocher, der den Garzustand per Push-Benachrichtigung vermeldet. Wirklich praktisch sind die Geräte aber alle nicht: Wenn man ohnehin mit Kaffee, Wasser oder eben Reis hantiert, kann man auch schon selbst auf das Knopferl drücken und das Gerät einschalten. Man steht ja schließlich eh schon davor, und die App-Steuerung verkommt zum kaum genutzten Gimmick.

Dann gibt es noch die smarten Küchenmaschinen mit dem Versprechen, vom Putenschnitzel über das Gulasch bis hin zum Sauerteigbrot alle möglichen Speisen herstellen zu können. Derartige Geräte sind aber teuer und oft erst jenseits der 1.000-Euro-Marke zu haben. Xiaomi versucht den Spagat nun mit dem Smart Blender hinzubekommen: Einerseits soll das Gerät mehr sein als eine Küchenmaschine mit einem App-gesteuerten Ein-Aus-Schalter, gleichzeitig soll der Mixer auch einfache Speisen selbst hinbekommen. Den vordefinierten Programmen sei Dank.

Das Schneidwerk ist kräftig und wird auch mit großen Eiswürfeln fertig.
DER STANDARD/Zellinger

Bevor wir mit der Technik hinter dem Küchenhelfer aus China loslegen, nur ein kurzer Absatz zur Genese dieses Tests, denn diese ist eine ungewöhnliche: Xiaomi hat unlängst erst seinen ersten 3D-Drucker vorgestellt, der eigentlich auf der Testbank des STANDARD landen sollte. Das Gerät war aber leider in Österreich noch nicht verfügbar. Also hat man sich bei der freundlichen Vertretung des chinesischen Tech-Konzerns in der Alpenrepublik kurzerhand entschlossen, einen smarten Mixer zur Verfügung zu stellen. Das ist zwar ungewöhnlich, aber doch irgendwie sehr charmant. Also wurde aus dem Test eines 3D-Druckers eben ein Mixer-Review.

Ein Küchenheld, aber nur mit App

Der Xiaomi Smart Blender ist, na ja, eben ein Standmixer, wie beim ersten Auspacken wenig überraschend deutlich wird. Erst nach dem Anstecken zeigt sich, dass in dem Smart Blender ein wenig mehr steckt als in herkömmlichen Geräten. Zum einen lässt ein kleines OLED-Display am Steuerrad die Frage aufkommen, ob das wirklich nötig ist, andererseits schlägt das Nerd-Herz ein wenig höher, verblasst doch die Digitalanzeige des E-Herds mit ihrem 80er-Jahre Charme dagegen. Das Steuerrad dient gleichzeitig zur Auswahl der verschiedenen Modi, daneben befinden sich zwei Touch-Elemente, eines für die Zeiteinstellung und die Stopp-Taste. Der 1,6 Liter große Behälter besteht aus Borsilikatglas und soll besonders chemikalien- und vor allem hitzeresistent sein.

Der Mixer erkennt auch, ob der Deckel korrekt angebracht ist. Das verhindert erstens eine Riesensauerei in der Küche, zweitens kann man so auch nicht versehentlich ins Schneidwerk greifen. Nimmt man den Deckel im Betrieb ab, stoppt das Gerät sofort.

Der Entstehungsprozess des Bananen-Ananas-Milchshakes (mit ein bisserl Kiwi).
DER STANDARD/Zellinger

Das interessanteste Feature des Xiaomi Smart Blenders ist aber nicht an der Oberfläche erkennbar: Der Mixer verfügt über eine integrierte Heizplatte. Damit soll man beispielsweise Suppe herstellen können. Die acht Schneidklingen werden per Induktion angetrieben. Das soll die Reinigung vereinfachen, weil es kein Antriebsgestänge gibt – zumindest in der Theorie, dazu später mehr.

Bevor all das aber gelingt, muss der Mixer ins heimische WLAN integriert werden, denn ansonsten sind nur die doch recht überschaubaren Basisfunktionen verfügbar. Das klappt ausschließlich über die Xiaomi Home App, die das Gerät auf Anhieb erkennt. Erst wenn dieser Prozess abgeschlossen ist, bekommt man Zugriff auf die wirklich sinnvollen Funktionen des Smart Blenders.

Die Rezepte: viel, nur nicht raffiniert 

In der App werden nämlich Rezepte angeboten, die der Küchenhelfer aus China nahezu von selbst zubereiten können soll. Das stellt sich aber recht schnell als ein wenig geflunkert heraus. Ein Beispiel: Im Rezept für die würzige mexikanische Rindfleischsauce werden zuerst die Zutaten aufgelistet und in welcher Reihenfolge man sie in den Mixer geben soll. Also stopft man Tomatensauce, Faschiertes und Gewürze in den Behälter. Anschließend kann man den "Garvorgang" per App starten, und die acht Stahlklingen zerkleinern die ohnehin schon recht fein gehackten Zutaten weiter. Aber: Da die Heizplatte keine Kochfunktion bietet und Speisen auf maximal 70 Grad erwärmt, muss man die Masse erst recht wieder aus dem Mixer nehmen und in einer Pfanne durchkochen. Warum sollte man da die Zutaten nicht gleich in eine Pfanne geben und die Sauce auf herkömmliche Weise zubereiten?

Die Rezepte für Lassi und Erdäpfelsuppe sind brauchbar. Jenes für eingefrorene Cola eher weniger.
Screenshot Huawei Home App

Dazu kommt, dass man die dargebotenen Rezepte auch wirklich mögen muss. Auf den angeblich erfrischenden Rote-Bohnen-Smoothie mit Kondensmilch verzichtet der Testermagen dann doch gerne. Andere Rezepte rufen dann wieder gänzlich Stirnrunzeln hervor. Der Colasmoothie besteht aus 800 Millilitern Cola und sonst nichts. Man friert das Getränk ein und zerkleinert das Eis anschließend im Mixer. Hier stellt sich die Frage, ob man da nicht von alleine draufgekommen wäre, so man überhaupt das Bedürfnis verspürt, Cola einzufrieren. Für ein derart "raffiniertes" Rezept braucht man wahrlich keine App.

Dafür sind andere Rezepte durchaus brauchbar. So kann man indisches Lassi herstellen oder ein Ananas-Bananen-Milchshake zubereiten, der sich im Test als ausgezeichnet erwies.

Die erste selbstgemachte Mayonnaise des Autors.
DER STANDARD/Zellinger

Mit der App lassen sich darüber hinaus Zeitpläne erstellen. So kann man die Zutaten für den morgendlichen Smoothie schon am Vorabend in den Mixer geben und zur festgelegten Uhrzeit zubereiten lassen, sodass beim Aufstehen alles fix und fertig ist. Außerdem lassen sich mit der Heizplatte etwa Suppen bis zu vier Stunden lang warm halten. Weiters ist der Smart Blender für die Zubereitung von Erdnussbutter geeignet, etwas, woran die Motoren von anderen Mixern dieser Preisklasse ganz gerne rauchend scheitern.

Ein überforderter Putzmodus

Ein Wort noch zur Reinigung: Der Behälter des Mixers darf nicht in Wasser eingetaucht werden. Einen irrtümlichen Waschgang im Geschirrspüler hat das Testgerät zum Glück überstanden, vorgesehen ist das aber nicht. Dafür gibt es einen eigenen Reinigungsmodus, indem man Wasser in das Gefäß füllt und den Mixer auf voller Stufe laufen lässt. Das beseitigt zwar groben Schmutz, aber gegen fettige Mayonnaiserückstände ist dieses Feature leider chancenlos. Also muss man doch wieder mit Schwamm selbst von Hand tätig werden, was aufgrund der scharfen Klingen keine besonders angenehme Erfahrung darstellt.

Fazit

Wer noch keinen Standmixer hat oder wer ein neues Gerät braucht, macht mit dem Xiaomi Smart Blender nicht viel falsch, zumal das Gerät schon ab einem Straßenpreis von 80 Euro zu haben ist. Nur sollte man sich nicht zu viel von den Rezepten oder den smarten Features erwarten. Die Rezepte sind manchmal ganz brauchbar und inspirieren eher kochfaule Menschen wie mich zum Selbermachen. Immerhin hat mich der Smarte Blender dazu gebracht, zum ersten Mal selbst Mayonnaise herzustellen – eine Idee, auf die ich ohne Rezeptvorschlag nicht gekommen wäre, denn die Supermarktvariante liegt schließlich immer nah.

Andererseits sind manche Rezepte einfach völlig Banane, und damit ist nicht die Zutat gemeint. Wer kommt bitte auf die Idee, kleingehäckselte eingefrorene Cola ernsthaft als "Rezept" zu vermarkten? Dennoch handelt es sich beim Smart Blender um einen praktischen Küchenhelfer. Beim nächsten Mal teste ich aber dann doch wieder lieber einen 3D-Drucker. (Peter Zellinger, 4.11.2023)