Rund zweieinhalb Jahre nach dem De-facto-Aus für innerösterreichische Flugverbindungen von Linz bzw. Salzburg nach Wien kommt eine Studie zu unterschiedlichen Ergebnissen. Während es für Linz ein gutes Zeugnis gibt, da "ein den Reisebedürfnissen entsprechendes Bahnangebot" vorhanden sei, kommt das Aus für die Verbindung von Salzburg nach Wien in einer Studie von Höffinger Solutions nicht gut weg: "Ein Lenkungseffekt ist eingetreten, aber nicht im Sinne der Erfinderin", sagt Alexander Klaus, Sprecher des Flughafens Salzburg, auf einer Presseveranstaltung der Wirtschaftskammer.

Ein Passagier steht vor einer Anzeigetafel des Flughafen Wien.
Der Luftfahrtbranche ist das Aus für Inlandsflüge ein Dorn im Auge.
APA/EVA MANHART

Ihm zufolge nutzten nämlich mehr als 90 Prozent der Leute die Verbindung, in Spitzenzeiten sollen es einst bis zu 120.000 Passagiere pro Jahr gewesen sein, um dann vom Flughafen Wien ausgehend die Welt zu bereisen. Umgestiegen auf die Bahn seien hauptsächlich die verbliebenen zehn Prozent, deren Reiseziel die Bundeshauptstadt war. Der "überwiegende Anteil der restlichen 90 Prozent" sei entweder auf das wenig klimafreundliche Auto als Zubringer zum Flughafen München ausgewichen oder reist Klaus zufolge seitdem über andere Drehkreuze wie Frankfurt, Amsterdam oder Istanbul zum Endziel.

"Die Einstellung stellt eine nachhaltige Schwächung des Wirtschafts- und Industriestandorts Salzburg dar", sagt der Flughafensprecher. Diese sei nicht aus Klimagründen, sondern aus "reinem Dogmatismus" erfolgt, ergänzt Klaus. "Der gewünschte Lenkungseffekt ist zu 100 Prozent gescheitert."

Die negativen Auswirkungen auf den Standort erklärt Studienautor Stefan Höffinger wie folgt: "Eine Einschränkung inländischer Flugstrecken führt vor allem zu einem Verlust an Konnektivität, welcher sich wiederum negativ auf die Attraktivität des Wirtschaftsstandorts Österreich auswirkt." Ein Verbot von inländischen Flügen sei daher nicht zielführend.

Synthetisches Kerosin

Für Günther Ofner, Flughafen-Wien-Vorstand und Luftfahrtobmann in der Wirtschaftskammer, steht fest: "Die erwarteten positiven Effekte auf die CO2-Emissionen in Österreich sind nicht eingetroffen." Zudem verweist er auf das Ziel, dass die Luftfahrtbranche bis 2050 ohnedies klimaneutral werden wolle. Wie? Durch den Einsatz von synthetischem Kerosin, sagt Ofner, die Technologie sei bereits vorhanden. Dabei handelt es sich um einen Treibstoff, der aus Wasser, CO2 und grüner Energie hergestellt wird.

Allerdings wird dieser Hoffnungsträger längst noch nicht in erforderlichem Ausmaß erzeugt. Bezüglich alternativer Antriebe sei die Entwicklung beim Auto "viel weiter", sagt Christian Gratzer, Sprecher des VCÖ. Zum Vergleich: Ihm zufolge verbraucht der Flugverkehr pro Personenkilometer 729 Gramm CO2, während es beim Elektroauto bloß 95 Gramm seien. Beim Verbrenner sind es demnach 219 Gramm, im Reisebus 51 Gramm und mit der Bahn ohnedies nur 13 Gramm CO2-Äquivalent pro Kilometer pro Passagier.

Der VCO-Experte verweist auch auf die guten Zugverbindungen. Auf der Strecke von Linz nach Wien kooperiere die AUA mit den ÖBB, was "sehr gut" funktioniere. "Gerade in einem kleinen Land wie Österreich machen Inlandsflüge keinen Sinn", folgert Gratzer. "Das ist sogar das Auto besser."

Über das Streichen der Inlandsflüge sagt er: "Wo dadurch Schaden entstehen soll, kann ich nicht nachvollziehen." Insgesamt spielten innerösterreichische Flugverbindungen nur eine geringe Rolle, dazu komme, dass sich hinsichtlich Geschäftsreisen auch durch die Corona-Pandemie viel geändert habe, ergänzt Gratzer: "Man hat gesehen, dass viele Flüge durch Videokonferenzen ersetzt werden können."

Verbot in Frankreich

Auch Verkehrsexpertin Jasmin Duregger von Greenpeace sieht Inlandsflüge "sehr kritisch". Speziell deshalb, weil der meiste CO2-Ausstoß im Flugverkehr jeweils beim Start und der Landung anfalle, also auch bei sehr kurzen Verbindungen innerhalb Österreichs. Um dieselbe Menge an Treibhausgasen könne man entweder auf der Strecke Wien–Salzburg 90 Personen in einem Flugzeug befördern oder 14 Railjet-Garnituren mit einer Gesamtkapazität von 5500 Personen.

Neben Österreich, wo die AUA Inlandsflüge nicht mehr anbieten darf, wenn es Bahnverbindungen von weniger als drei Stunden Fahrzeit gibt, ist auch im fast siebenmal größeren Frankreich ein ähnliches Verbot aufrecht. (Alexander Hahn, 4.11.2023)