Kiesenhofer Kunstforum 
Dragqueen Reflekta bei der Vorbereitung für die Nacht.
Mario Kiesenhofer

Es sind Bilder, die aus der Dunkelheit kommen. Nur wenig Licht dringt durch die Räume, die Mario Kiesenhofer fotografiert, meist ist es ein giftiges Grün oder ein wenig schmeichelhaftes Rosa. Manchmal erhellt es aber auch nur für einen kurzen Augenblick die Partymenschen und Partyräume, die Kiesenhofer in seiner aktuellen Ausstellung Treasure im Bank Austria Kunstforum Wien zeigt.

Der Wiener Künstler und Fotograf hat für einen längeren Zeitraum die queere Elektro-Szene Osteuropas porträtiert, vor allem jene von Warschau. Diese mag zwar relativ überschaubar, ja familiär sein, gleichzeitig ist sie aber von einem besonderen Widerstands- und Widerspruchsgeist gekennzeichnet. Im ehemaligen Hochsicherheitsraum im Erdgeschoß des Kunstforums hat sie im Rahmen einer intimen, ja beinahe privaten Ausstellung ihren Auftritt.

In Reih und Glied hängen sie da, alle im selben Format und in einen Rahmen aus Chrom montiert, die Sonnenbrillenträger und Muscleshirt-Fetischisten. Die meisten sind aus kurzer Entfernung fotografiert, kaum einer schaut direkt in die Kamera. Es sind Zeugnisse von Orten, die einer Minderheit Sicherheit bieten, und das sieht man Kiesenhofers Bildern auch an. Oder anders gesagt: Es sind Safe Spaces, in denen Grenzen fallen und das Private zum Öffentlichen wird. Kiesenhofer nimmt den Schmuck und die Tattoos ins Visier, er entdeckt im Nebensächlichen Poesie oder schaut Dragqueen Reflekta über die Schulter.

Ihr ist das einzige Video in der Ausstellung gewidmet, man beobachtet sie dabei, wie sie sich die Nägel macht oder sich in ihrem Jockstrap zeigt und nach und nach ihren Look transformiert.

In der Vergangenheit galt Kiesenhofers Interesse queeren Cruising-Orten, wobei weniger die Menschen als die Architektur im Mittelpunkt stand. Mit Treasure verhält es sich umgekehrt: Die Örtlichkeiten, die Lust und Sicherheit gleichermaßen verheißen, haben sich belebt, das Individuum ist stärker in den Mittelpunkt gerückt. (Stephan Hilpold, 6.11.2023)