Stand am Weihnachtsmarkt in Essen.
Auch wenn nicht so viel Musik zu hören sein wird, es gibt ja auf deutschen Weihnachtsmärkten, wie hier in Essen (Nordrhein-Westfalen), genug zu essen.
IMAGO/Gottfried Czepluch

In Berlin, am Potsdamer Platz, sind die Vorboten schon zu sehen: die Hüttchen, die die "Winterwelt" ausmachen. Seit 28. Oktober gibt es dort bereits Lebkuchen und Punsch. Aber das ist erst der Anfang. Ende November ist es in der ganzen Stadt so weit, die Weihnachtsmärkte öffnen.

Dann geht es wieder los mit Zuckerwatte, Würsteln und was sonst noch so alles dazugehört. Kulinarisch wird es nicht viele Unterschiede zum Vorjahr geben, musikalisch hingegen schon.

In der deutschen Hauptstadt werden einige Weihnachtsmärkte in dieser Saison auf Musik verzichten. Das berühmte "Last Christmas I gave you my heart, but the very next day you gave it away" von Wham wird man dort nicht hören. Denn das Abspielen ist vielen Veranstaltern einfach zu teuer geworden.

Sie müssen dafür Gebühren an die Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte (Gema) bezahlen. Diese verwaltet Nutzungsrechte von Menschen, die Musik komponiert haben, und sorgt dafür, dass die Künstlerinnen und Künstler Geld bekommen, wenn ihre Songs in der Öffentlichkeit abgespielt werden. Erst wenn die Urheber 70 Jahre tot sind, ist nichts mehr zu bezahlen.

"Jingle Bells" ist gratis

Das bedeutet: Wenn irgendwo "Last Christmas" oder "Driving Home for Christmas" erklingt, klingelt auch bei der Gema die Kasse. "Jingle Bells" aus dem 19. Jahrhundert ist gratis, singt es hingegen Frank Sinatra (1998 verstorben), werden Gebühren fällig.

Und die haben sich gewaltig erhöht, allerdings nicht einfach direkt. Vielmehr hat der deutsche Bundesgerichtshof im Jahr 2011 geurteilt, dass Grundlage für den Tarif die gesamte Veranstaltungsfläche sei und nicht nur der beschallte Bereich vor der Bühne oder rund um einen Stand. Zunächst hatte sich die Gema auf die Angaben der Veranstalterinnen und Veranstalter verlassen. Nach Corona aber begann sie da und dort nachzumessen. Fazit: "Wir haben dabei deutliche Diskrepanzen festgestellt." Und nun will sie 2023 hart bleiben und verlangt die Gebühr für die Gesamtfläche, was mancherorts eine Verzehnfachung bedeutet.

Auf ihrer Website rechnet die Gema vor, dass das oft gar nicht so viel sei, und führt den berühmten Dresdner Striezelmarkt an. Da würden sich an 32 Tagen auf 10.000 Quadratmeter Gesamtfläche rund zwei Millionen Besucherinnen und Besucher tummeln. Fällig werden insgesamt 50.688 Euro. Umgelegt betrügen dann die Kosten "etwa 2,5 Cent pro Besuch".

Nur alte Lieder

Viele Veranstalter sehen aber nicht die Centbeträge, sondern hohe Ausgaben, die sie nicht stemmen können. So will der Weihnachtsmarkt am Roten Rathaus in Berlin ebenso ohne Musik auskommen wie jener auf dem Schlossplatz in Köpenick. "Es macht keinen Spaß mehr, Events zu organisieren bei den hohen Kosten“, klagt Organisator Hans-Dieter Laubinger gegenüber dem RBB (Rundfunk Berlin-Brandenburg). Am Schloss Charlottenburg sollen die Bläser nur alte Lieder spielen, für die keine Lizenzgebühren fällig werden.

Tonlos soll der Advent auch in Düsseldorf ablaufen. In Braunschweig ist eine andere Lösung geplant: Es gibt keine Auftritte von Chören und Musikgruppen. Da aber an den Karussells Weihnachtslieder abgespielt werden, will man diese so verteilen, dass die Besucherinnen und Besucher dennoch überall Weihnachtslieder hören können. Viele Städte führen noch mit der Gema Gespräche. Diese räumt jedoch ein, nicht gut informiert zu haben, warum es zu solchen Steigerungen gekommen ist: "Dies hätten wir umfassend kommunizieren müssen. Das ist nicht in dem gewohnten Maße erfolgt, und das bedauern wir." (Birgit Baumann aus Berlin, 11.11.2023)