Screenshot Cities: Skylines 2
Die Grafik von "Cities: Skylines 2" wäre beeindruckend, wenn das Spiel flüssig laufen würde.
Colossal Order Ltd./Paradox Interactive

Vor mehr als drei Monaten, am 24. Oktober 2023, wurde mit "Cities: Skylines 2" die Fortsetzung zu einem der beliebtesten Aufbauspiele dieses Jahrhunderts veröffentlicht – und sorgte für viel Frust. Zur Vorgeschichte: Veröffentlicht im Jahr 2015, hatte der Vorgänger all jene Fans abgeholt, die von der damaligen "Sim City"-Iteration enttäuscht waren, der Developer Colossal Order interagierte mit den Fans und versorgte das Spiel jahrelang mit Updates. Was vom Entwickler nicht selbst bereitgestellt wurde, konnten die Spieler mit Mods beisteuern, seien es Verbesserungen am Gameplay, neue Karten oder noch mehr Objekte.

Hohe Hardware-Anforderungen

Kein Wunder, dass die Erwartungen an den Nachfolger entsprechend hoch waren. Und bei weitem nicht erfüllt wurden. Das kleinere Problem ist noch, dass das Grundprinzip des Spiels kaum verändert wurde und somit die Fortsetzung keine revolutionären Neuigkeiten bietet, wie im Test des STANDARD festgestellt wurde. Viel schwerer wiegt, dass kurz vor Veröffentlichung des Spiels die minimalen und optimalen Anforderungen stark heraufgeschraubt wurden.

Somit konnten und können viele Fans das Spiel überhaupt nicht spielen, und selbst Gamer mit aktuellen High-End-Rechnern beklagen, dass ihre Grafikkarten teils zu 100 Prozent ausgelastet sind. Auch in einem Test des STANDARD war eine Nvidia Geforce RTX 4080 zu 94 Prozent ausgelastet, während das Aufbauspiel mit 60 Frames pro Sekunde bei Full-HD-Auflösung lief. Auf einem älteren Rechner mit einer Nvidia Geforce GTX 1050 Ti und 16 GB RAM (was über den Mindestanforderungen liegt) lieferte das Spiel im damaligen STANDARD-Test bei höchsten Grafikeinstellungen maximal fünf Frames pro Sekunde, was einer Unspielbarkeit gleichkommt.

Rasch wurde vom Entwickler bestätigt, dass die Ursache für den Hardwarehunger und die schwache Performance tatsächlich in technischen Problemen liege, die man beheben wolle. In der Zwischenzeit könne man sich behelfen, indem die Grafikeinstellungen reduziert werden. Nach aktuellem Stand sind die auf Steam angeführten Hardwareanforderungen aber die gleichen wie am Tages des Releases.

Die User sind dementsprechend verärgert und frustriert. Während "Cities: Skylines 2" bei Steam auf Basis von rund 33.000 Reviews durchschnittlich mit dem nicht sonderlich berauschenden "Ausgeglichen" bewertet wird, sammelt das Spiel auf der Aggregationsplattform Metacritic von Usern im Schnitt 3,6 von zehn Punkten und das Urteil "Generell ungünstig". Das Urteil der Kritiker ist überall das gleiche: technisch schlecht optimiert, in einem unfertigen Zustand veröffentlicht, wichtige Funktionen wie der Modding-Support fehlen.

"Toxisches Verhalten" oder verärgerte Fans?

Für Colossal Order ist dies ungewöhnlich, das Studio hatte zuvor eng mit seinen Fans zusammengearbeitet und somit wenig Raum für Kritik gelassen. Das aktuelle Feedback dürfte jedoch so heftig sein, dass CEO Mariina Hallikainen Mitte Jänner in einem Blogbeitrag von "toxischem Verhalten" schrieb, das sie innerhalb der Community beobachte: Dieses richte sich nicht nur gegen die Belegschaft des Studios, sondern auch gegen andere Spielerinnen und Spieler.

Dementsprechend würden Menschen nun zögern, bevor sie mit anderen Gamern in Foren interagieren, was dem Projekt langfristig schade, führt Hallikainen weiter aus, nicht nur bezüglich der Stimmung in der Community, sondern auch weil dadurch die Bereitschaft zum Erstellen kreativer Mods sinken würde: "Und das würde uns sehr traurig stimmen."

In einem Artikel des Fachmediums "Engadget" setzt ein Streamer diese Schilderungen in Relation. So seien manche User glücklich, dass das Studio so offen kommuniziere – andere wiederum sind verärgert, dass das Spiel offensichtlich in einem unfertigen Zustand veröffentlicht wurde. Mods würden noch nicht unterstützt, eine geplante Erweiterung verschoben, klare zeitliche Angaben werden nicht mehr gemacht. "Ich denke, dass die 'toxischsten' Menschen eigentlich die größten Fans des Spiels sind", sagt der Mann hinter dem Youtube-Kanal City Planner Plays.

Pläne für 2024

Der Youtuber geht davon aus, dass der Mod-Support "irgendwann im zweiten Quartal 2024" erscheinen wird. Auch hier gibt es jedoch Kritik, dem Medienbericht zufolge sollen die Mods nicht über Steam, sondern über eine proprietäre Plattform laufen.

Das deckt sich mit den Ausführungen von Hallikainen in einem anderen Blogpost: Demnach soll der Mod-Support nämlich auch Einzug in die Konsolenversionen finden, weshalb zuerst der Mod-Support und erst dann die Konsolenversion fertiggestellt wird. Alle drei kommenden Meilensteine – Mods, Konsolenversion und Erweiterung – sollen noch in diesem Jahr erreicht werden. (stm, 29.1.2024)