Lightyear Frontier
Farmsimulator mit Mechs? Auch das ist möglich mit "Lightyear Frontier".
Amplifier Studios

Bis inklusive 12. Februar findet das Steam Next Fest statt. Die bekannte Spieleplattform ruft Entwickler in dieser Woche auf, kostenlose Demos ihrer kommenden Spiele anzubieten. Der Ansturm ist wie jedes Jahr groß, und schnell weiß man nicht mehr, was man denn eigentlich herunterladen sollte. Die STANDARD-Web-Redaktion hat sich ein paar vielversprechende Titel heruntergeladen und ausprobiert.

"Stormgate"

Stormgate
Die Optik erinnert an den geistigen Vorgänger "Starcraft 2".
Frost Giant Studios

Als leidenschaftlicher "Starcraft"-Spieler ist mir natürlich nicht entgangen, dass ehemalige Blizzard-Mitarbeiter an "Stormgate" arbeiten. Geplant als Free2Play-Titel, soll der geistige Nachfolger des Echtzeit-Reaktions-Strategie-Klassikers in diesem Jahr bereits erscheinen. Die kostenlose Demo bietet deshalb schon zwei der drei Fraktionen und diverse Online-Scharmützel. Man kann kooperativ mit zwei Freunden gegen die KI spielen oder sich im Einer gegen Einer mit anderen Spielern messen.

Menüs sind zwar teilweise noch eindeutig "work in progress", und am Balancing müssen die Entwickler wohl auch noch ein wenig feilen, glaubt man zumindest mit der Materie besser vertrauten Youtubern, das Spiel macht aber schon jetzt Spaß. Zumindest dann, wenn man hektischen Basenbau und geschickte Einheitensteuerung zu schätzen weiß. Die zwei Fraktionen, ich nenne sie einmal Menschen und Zerg, spielen sich unterschiedlich, und die Idee, dass man via Zentrale zu bauende Gebäude anwählt und sich dann ein Arbeiter selbstständig zur Baustelle bewegt, fühlt sich in jedem Fall intuitiv an.

So "sexy" wie der geistige Vorgänger sieht das alles noch nicht aus und wird es final wohl auch nicht. Das Team ist sicher kleiner als das "Starcraft"-Team damals und die budgetären Mittel eingeschränkt. Dennoch, wenn man die vielen Einheiten einmal zuordnen kann, erste Strategien funktionieren, dann kann man auch an "Stormgate" Gefallen finden. Klare Empfehlung, wenn man so wie ich sehnsüchtig auf "Starcraft 3" wartet, das aber wohl nie erscheinen wird, weil Blizzard nicht mehr die Firma ist, die solche Games produzieren will. (aam)

"Millenia"

Millennia | First Gameplay!
Paradox Grand Strategy

Beim Thema "Grand Strategy" kommt man eigentlich an einem Namen nicht vorbei: Paradox Interactive. Das Unternehmen ist bekannt für ein ganzes Sortiment komplexer Strategiegames, die ihren Spielern - wenn auch mitunter erst nach längerer Lernkurve - schier unendliche Möglichkeiten einräumen. Allen voran natürlich "Crusader Kings". Aber auch als Publisher hat man meist ein gutes Händchen, wie man beispielsweise an "Age of Wonders" sieht.

Der nächste Goldgriff zeichnet sich nun in Form von "Millenia" ab. Das Game des Studios C Prompt Games soll noch in diesem Jahr erscheinen und frischen Wind ins "Civilization"-Genre bringen. Man übernimmt die Kontrolle einer jungen Zivilisation, die man von Zeitalter zu Zeitalter führt. Neben historisch akkuraten Fortschritten - etwa von Stein, zu Bronze, zu Eisen - eröffnen sich aber auch immer wieder parallelgeschichtliche Abwandlungen, wenn man die notwendigen Spezialbedingungen erfüllt. Im "Zeitalter des Äthers" lassen sich etwa fliegende Städte erforschen und errichten, während das "Age of Visitors" extraterrestrische Einflüsse bringt.

Soweit gelangt man in der auf 60 Zügen limitierten Demo zwar nicht, dennoch gibt sie einen guten Einblick in das grundlegende Gameplay. Und da präsentiert sich "Millenia" als eine aufgeräumte "Civ"-Variante, die auf viel Mikromanagement verzichtet, ohne dabei zu einfach zu werden. Statt dutzende Städte zu verwalten, kümmert man sich um Regionen und definiert über Regierungsform und -projekte, kulturelle Fortschritte, der Prägung einer nationalen Identität und natürlich klassischer Forschung, in welche Richtung es geht. Die Wirtschaft muss in Schwung gebracht, die Begehrlichkeiten der Bürger gestillt, diplomatische Beziehungen gemanagt und mitunter auch Krieg geführt werden. Das Kampfsystem erlaubt dabei die Formierung von Armeen aus unterschiedlichen Einheiten, mit denen man gegen neutrale Kleinstaaten, Barbaren und andere Mitspieler zu Felde rückt.

Wer Civilization kennt, wird sich schnell zurecht finden und dennoch bringt das Spiel genügend eigene Ideen mit, um nicht für einen Klon gehalten zu werden. Grafisch ist das Geschehen auch hübsch präsentiert, die Menüs sind recht übersichtlich gestaltet und mit hilfreichen Tooltips bestückt. Optional führt ein Tutorial während einer Partie Schritt für Schritt durch die grundlegenden Mechaniken und sich neu ergebende Handlungsmöglichkeiten.

Dazu hat die Demo Wiederspielwert, weil sich die Starteinstellungen anpassen lassen und jede Partie auf einer Zufallskarte beginnt. Die ersten 60 Runden haben jedenfalls gefallen. Millenia könnte eines der Strategiehighlights des Jahres werden.

"Star Trucker"

Star Trucker - Official Announcement Trailer | Future Games Show 2023
GameTrailers

Ein Berufssimulator, bei dem man mit einem Lkw über eine Landstraße brettert, wäre per se noch keine große Neuigkeit. Wenn dieser Lkw aber ein Raumschiff im Stil von Lone Starrs Camper aus "Spaceballs" ist und sich die Landstraße im Weltall befindet, dann schaut die Sache schon anders aus. Und genau an dieser Kombination versucht sich das Simulationsspiel "Star Trucker", bei dem man mit einem Weltraum-Lkw Waren von A nach B transportiert.

Die Demo reicht bereits aus, um einen Eindruck vom schrägen Setting zu bekommen. So sieht die Fahrerkabine des Weltraum-Lkws aus, als sei sie in den 1980er-Jahren gestaltet worden. Optional lässt sich ein Radiosender einschalten, der Countrysongs spielt. Mit NPC-Fahrern lässt sich über ein CB-Funkgerät kommunizieren. Und im hinteren Teil gibt es sogar eine Schlafkoje, in die man sich in der Demo jedoch noch nicht hineinlegen kann.

Dafür schaffen die Sci-Fi-Elemente erste Eindrücke vom Gameplay: Von einem Sternensystem zum anderen teleportiert sich, wer in runde Weltraumtore im Stil von "Stargate" fliegt. Waren werden an Abladestationen im All abgeliefert. Die Energieversorgung der Lebenserhaltungssysteme muss im Blick behalten werden, bei einem Wechsel der Energiezelle wird etwa die künstliche Schwerkraft deaktiviert. Und wer Schäden an der Außenhülle reparieren will, muss vorher in einen Raumanzug schlüpfen, um über die Luftschleuse einen Weltraumspaziergang zu starten.

"Star Trucker" hat Potenzial, der wohl ungewöhnlichste Berufssimulator 2024 zu werden. Wirklich gut könnte das Spiel aber gelingen, wenn das Setting genutzt wird, um zusätzlich zu den zu erledigenden Aufgaben eine spannende Story zu erzählen. Und auch von einem VR-Modus würde dieses Spiel deutlich profitieren. (stm)

"Orc Warchief: Strategy City Builder"

Orc Warchief: Strategy City Builder - Trailer
ThePlayWay

Es ist ein gutes Gefühl, böse zu sein. Und dieses Bedürfnis soll der "Orc Warchief: Strategy City Builder" befriedigen. Der Name ist Programm: In der Rolle eines Ork-Warlords bauen wir eine Siedlung mit verschiedenen Gebäuden auf und sorgen für das Wohlergehen unserer bedrohlich grunzenden Bevölkerung. Dabei gibt es schon in der Demo einiges über die orkische Kultur zu lernen.

So wusste ich nicht, dass Orks sehr, sehr gerne Bier trinken. Dieses ist aber eine ebenso wichtige Ressource wie Nahrung und diverse Baumaterialien und muss von Brauereien produziert werden. Außerdem gehen Orks anscheinend gerne in die Sauna. Um diese Gebäude zu errichten, werden Ressourcen wie Holz, Stein und Erz abgebaut, welches anschließend zu Metall weiterverarbeitet wird.

Die Orks können einzeln angewählt werden und melden sich dann mit Lauten, die nostalgische Erinnerungen an die ersten "Warcraft"-Spiele wecken. Jeder Ork hat seine eigenen Bedürfnisse, etwa nach Nahrung oder Bier, ebenso wie ein eigenes Moralempfinden. Passend dazu können den Orks bestimmte Führungsrollen im Clan zugewiesen werden, wodurch weitere Vorteile freigeschaltet werden. Der Clan stellt Anforderungen – etwa nach mehr Bier – an seinen Warlord, Neuankömmlinge erwarten sich eine Gegenleistung für das Beitreten zum Clan. Zum Beispiel Bier. Die wachsende Bevölkerung wird einzelnen Gebäuden und Aufgaben zugeteilt, so wie man es aus den "Spellforce"-Spielen kennt. Und natürlich braucht jeder Ork einen wohlig warmen Schlafplatz, und religiöse Bedürfnisse haben sie auch.

Zu tun gibt es also schon in der Demo genug, und durch zahlreiche liebevoll gestaltete Details macht das Spiel schon jetzt Spaß. Allerdings gibt es vor dem Release noch ein paar technische Aufgaben zu lösen. So werden die Tätigkeiten der Orks nicht korrekt angezeigt, ein Hotkey zum Auffinden untätiger Clanmitglieder wäre fein. Die vom polnischen Studio G-Devs bereitgestellten englischen Texte enthalten noch viele Grammatikfehler. Und die Kämpfe werden derzeit nur halbherzig in einem separaten Menüpunkt der Demo simuliert. Das ändert aber nichts daran, dass man schon jetzt einen Abend als Bösewicht verbringen kann. (stm)

"Homeworld 3": Im All hört mich niemand fluchen

"Homeworld 3" ist Flottenmanagement mit extrem dichter Atmosphäre.
Screenshot/DER STANDARD

1999 war "Homeworld" eine Offenbarung auf dem Sektor der Echtzeitstrategie. Schon damals konnte man in einem frei schenk- und drehbaren 3D-Universum seine Flotten herumkommandieren. Ganze Schwärme aus kleinen Jägern und Bombern legten sich mit feindlichen Zerstörern, Korvetten und Trägerschiffen an. Der zweite Teil war dann ein klassisches Echtzeitstrategiespiel auf einer Planetenoberfläche. Handwerklich gut gemacht, aber kein echtes "Homeworld". Jetzt, 25 Jahre später, kehrt die Weltraum-Action mit "Homeworld 3" zurück. Blackbird Interactive scheinen dabei vieles richtig zu machen und verwässern den Spielablauf nicht mit neumodernen Features, nach denen ohnehin niemand gefragt hat. Ressourcenschiffe bauen Asteroiden ab, währnd wir rund um das Mutterschiff eine möglichst beeindruckende Flotte aufbauen, die wir dann auf den Gegner hetzen, so simpel wie effektiv wie vor 25 Jahren spielt sich "Homeworld 3".

Wobei das Entwicklerstudio die Kamerasteuerung völlig neu angelegt hat, denn die fällt bei einem Spiel in der dreidimensionalen Leere durchaus komplex aus. Schließlich kann man seine Jägerstaffeln auch von oben oder unten angreifen lassen, sie hinter Asteroiden und Trümmern verstecken. Da muss die Kamerasteuerung auch mithalten und nach einigen Runden gehen all die Shortcuts für Sammelbefehle und Verfolgeransichten schon leichter von der Hand. Belohnt wird man für die Einarbeitungszeit mit tollem "Homeworld"-Feeling. Geben wir einer unterlegenen Jägereinheit den Befehl zu einem Angriff auf einen feindlichen Zerstörer, bekommen wir vom Piloten eine Rückmeldung, dass er seine Pflicht zwar erfüllt, aber wenig erfreut ist. Die Einheiten setzen auch untereinander kurze Funksprüche ab, womit schon das Original eine dichte Atmosphäre schaffen konnte.

Im Modus "Kriegsspiele" handelt es sich um einen Roguelite-Modus, in dem wir Missionsziele erfüllen müssen, bevor uns die Gegnerwellen überwältigen. Das kann schon in Stress ausarten, wenn das eigene Mutterschiff ständig von allen Richtungen beschossen wird, unsere Träger gerade noch so von der Unterstützungs-Korvette am Leben gehalten werden und die Bomber einer nach dem anderen im All verglühen. Vor 25 Jahren habe ich die Pausetaste jedenfalls nicht so oft gebraucht wie heute. (pez)

"United Penguin Kingdom"

United Penguin Kingdom | Trailer
Turquoise Revival Games

Böse sein ist nicht so Ihr Ding? Dann ist "United Penguin Kingdom" die passende Antithese unter den Citybuilding-Games. Nicht umsonst wurden im Steam-Forum Vergleiche zum beliebten postapokalyptischen Biber-Aufbauspiel "Timberborn" gezogen, denn auch hier wird eine Siedlung in einer lebensfeindlichen Welt aufgebaut, nur dass die Bevölkerung diesmal aus Pinguinen anstatt aus Nagetieren besteht.

Für diese werden klassische Gebäude wie etwa Wohnhäuser (in Form von Iglus) oder (Wind-)Kraftwerke ebenso errichtet wie solche, die thematisch zu den watschelnden Vögeln passen: zum Beispiel ein Eislaufplatz zur Unterhaltung oder ein Hafen, in dem die Pinguine nach Fisch angeln. Gegen diebische Robben muss sich das Dorf ebenso verteidigen wie gegen zerstörerische Orcas. Begleitet wird das Spiel von stetigem Geschnatter, den einzelnen Pinguinen kann man Namen geben. Am Ende eines Jahres gibt es immer ein Gruppenkuscheln mit Feuerwerk.

Angepeilt wird ein Release noch im ersten Halbjahr 2024, in der finalen Version soll es weitere Funktionen und Gebäude geben, mit einer zeitlichen Begrenzung lässt sich aber schon jetzt viel Spaß haben. Kleiner Wermutstropfen: im Gegensatz zu "Timberborn" können hier keine mehrstöckigen Gebäude errichtet werden. (stm)

"Echo Point Nova"

Echo Point Nova - Official Demo Update Trailer | Realms Deep 2023
GameTrailers

Manchmal ist viel zu viel einfach gerade genug. Die "Echo Point Nova"-Movement-Optionen lesen sich wie die gesammelte Einkaufsliste der Videospielindustrie. Ein Grappling Hook, ein double Jump, ein Hoverboard, eine Bullet-Time-Funktion etc. Nichts davon ist neu oder besticht mit einer noch nie dagewesenen bahnbrechenden Innovation, und trotzdem konnte ich mich einfach nicht lösen.

Immer wieder wird man im Gameplay-Loop ans eigene Highlight-Reel aus ganz anderen Spielen erinnert. Der strategische Rückzug in engen, leicht gotisch anmutenden Korridoren zum Beispiel, wie man ihn sonst nur aus den Raketenwerfer-lastigen Quake-Teilen kennt. Oder auch die langen, offenen Map-Bereiche, die sehr offensichtlich an der Geometrie und am Flow der Surf Maps in den verschiedensten Titeln Valves angelehnt sind, lassen einen immer wieder hinterfragen, welches Spiel man hier eigentlich gerade spielt.

Gerade in diesen Momenten besticht das Spiel mit seiner Fluidität und damit, wie schnell dieses In-Gaming-Erinnerungen-Schwelgen ineinander übergeht. Während man gerade noch den Need for Speed in der offenen Spielwelt bei 300 Stundenkilometern spürt, zeigt sich am Horizont das nächste Hindernis in Form eines Bossfights oder eine Welle von Gegnern. Sofort muss sich der Modus im Kopf umstellen, und die Werkzeuge, die einem gerade noch unaufhaltsame Geschwindigkeit lieferten, müssen jetzt weitaus defensiver und strategischer benutzt werden.

Vier Gegnerwellen und einige Grudge-Matches mit dem equipbaren PvP Perk weiter steht einem nur mehr der Boss gegenüber. Ein weiterer, eigentlich nicht ganz heißer Take eines umgebungsbasierten Bossbattle-Designs, aber trotzdem gesamt gesehen einfach imposant. Nach dem Niederlassen des seit Anfang an sichtbaren Shields wird eine drachenartige Gestalt am Ende des Horizont in Hochhaushöhe sichtbar. Bevor genauere Entscheidung zu Strategie und Eigenschaften des gegenüberliegenden Unviehs getroffen werden können, kommt der gesamten Spielerschaft ein SUV-großer Laser entgegen, der die Levelgeometrie an den Nähten aufreißt. Das eigentliche Besiegen des Bosses geht dann fast zu schnell. Nach dem Boarding und sieben Schwachpunkte später befindet man sich schon wieder am Ende dieser Demo, die einen mit dem sehr guten, aber doch leicht unzufriedenen Gefühl zurücklässt: Das ging mir jetzt zu schnell. Nochmal!! (gld)