Kiew (Kyjiw) – Russland hat in der Nacht auf Sonntag die ukrainische Hauptstadt Kiew und den Süden der Ukraine mit Drohnen angegriffen. Dabei wurde mindestens ein Zivilist verletzt und eine Gaspipeline sowie Wohngebäude im Fluss- und Seehafen von Mykolajiw beschädigt, wie das ukrainische Militär am Sonntag mitteilte. 40 von 45 von Russland gestartete Shahed-Angriffsdrohnen iranischer Produktion seien zerstört worden, gab die ukrainische Luftwaffe über die Messaging-App Telegram bekannt.

"Der Luftalarm in der Hauptstadt dauerte fast zwei Stunden", erklärte Serhij Popko, der Leiter der Kiewer Militärverwaltung, auf Telegram. Er fügte hinzu, dass alle Drohnen über Kiew beim Anflug abgeschossen wurden. Nach vorläufigen Informationen gab es weder Opfer noch Zerstörungen in oder nahe der Hauptstadt.

Fragment von zerstörter Shahed-Drohne
Laut Kiew verwendete Russland bei dem Angriff wie bereits zuvor Shahed-Drohnen aus iranischer Produktion. (Symbolbild)
AP

Infrastruktur im Visier

Das ukrainische Militärkommando im Süden des Landes teilte auf Telegramm mit, dass seine Luftabwehrsysteme mehr als fünf Stunden lang im Einsatz waren und 26 von Russland abgeschossene Shahed-Drohnen über mehreren südlichen Regionen, vor allem über der Region Mykolajiw in der Nähe des Schwarzen Meeres, zerstört haben. Mindestens ein Zivilist wurde bei dem Angriff im Süden der Ukraine verletzt, teilte das Militär mit.

Hauptziel sei erneut der Küstenstreifen mit Infrastruktur und agroindustriellen Einrichtungen gewesen. Herabfallende Trümmer einer abgeschossenen Drohne und die Druckwelle hätten Wohnhäuser und eine Gasleitung in Mykolajiw beschädigt. Über dem Schwarzmeerhafen Odessa seien vier Drohnen abgeschossen worden.

Sowohl Russland als auch die Ukraine haben in den letzten Monaten ihre Luftangriffe abseits der Frontlinie verstärkt und die kritische Energie-, Militär- und Verkehrsinfrastruktur der jeweils anderen Seite ins Visier genommen.

Seit Kriegsbeginn 195 medizinische Einrichtungen zerstört

Seit Beginn des russischen Angriffskriegs sind in der Ukraine 195 medizinische Einrichtungen beschädigt und über 1.500 weitere zerstört worden. Das gab das Gesundheitsministerium in Kiew am Sonntag bekannt, wie die ukrainische Nachrichtenagentur Ukrinform berichtete. Demnach haben Spitäler und Arztpraxen in den Regionen Charkiw, Donezk, Mykolajiw, Kiew, Tschernihiw, Dnipropetrowsk, Cherson und Saporischschja die größten Verluste durch russischen Beschuss erlitten.

Darüber hinaus habe die russische Armee seit Beginn des Krieges 103 Krankenwagen beschädigt, 258 Fahrzeuge zerstört und 125 Rettungsfahrzeuge beschlagnahmt. Bisher wurden 502 medizinische Einrichtungen vollständig wiederhergestellt, weitere 362 wurden teilweise wiederaufgebaut oder werden gerade wiederhergestellt.

Dabei handelt es sich um medizinische Einrichtungen, die nur geringfügige Schäden erlitten haben, wie zerbrochene Fensterscheiben oder beschädigte Dächer oder Fassaden. Die meisten der reparierten medizinischen Einrichtungen befinden sich in den Regionen Mykolaiv, Dnipro, Kyiv, Kharkiv und Chernihiv. Die Wiederaufbauarbeiten seien im Gange, hieß es in Kiew.

Ukraine-Hilfspaket nahm wichtige Hürde im US-Senat

Das milliardenschwere US-Hilfspaket für die Ukraine und Israel hat eine wichtige Hürde im US-Senat genommen. Die Mitglieder der Kongresskammer votierten am Sonntag mit 67 zu 27 Stimmen dafür, eine verfahrenstechnische Sperre für das Gesetzespaket aufzuheben. Die abschließende Abstimmung im Senat soll nun Mitte kommender Woche stattfinden, eine Zustimmung erscheint als wahrscheinlich.

Das Paket hat ein Gesamtvolumen von 95 Milliarden Dollar (88,19 Mrd. Euro) und enthält Militärhilfe für die Ukraine im Wert von rund 60 Milliarden Dollar. Israel soll mit 14 Milliarden Dollar im Kampf gegen die Terrororganisation Hamas unterstützt werden, weitere Mittel sind unter anderem für den US-Verbündeten Taiwan vorgesehen.

Die Erfolgsaussichten des Pakets sind weiterhin ungewiss. Selbst wenn der Entwurf den von den Demokraten kontrollierten Senat passieren sollte, könnte er im Repräsentantenhaus scheitern, in dem die Republikaner die Mehrheit stellen. Viele rechte Hardliner der Republikaner sind gegen neue Ukraine-Hilfen. Der republikanische Vorsitzende des Repräsentantenhauses, Mike Johnson, hat bisher offen gelassen, ob er den Gesetzentwurf überhaupt zur Abstimmung freigeben würde. Die oppositionellen Republikaner blockieren schon seit Monaten eine Freigabe weiterer Milliardenhilfen für die Ukraine. Am Mittwoch war im Senat ein Gesetzespaket gescheitert, das neue Hilfen für Kiew umfasste.

Ukrainischer Geheimdienst: Russische Truppen verwenden Starlink

Nach Angaben aus Kiew nutzen die russischen Truppen in der Ukraine den Satelliten-Internetdienst Starlink des US-Milliardärs Elon Musk. Der ukrainische Militärgeheimdienst veröffentlichte eine Audioaufnahme auf Telegram, bei der russische Fallschirmjäger die Aufstellung von Starlink-Terminals besprechen sollen. Eine Stellungnahme Russlands liegt nicht vor. Starlink wird von SpaceX betrieben. Das Unternehmen des Tesla-Chefs Musk hat in der vergangenen Woche erklärt, man habe keine Geschäftsbeziehungen mit Russland und Starlink funktioniere dort nicht.

Musk bekräftigte dies am Sonntagnachmittag (Ortszeit) in einem Post auf seinem Netzwerk X (vormals Twitter). "Nach unserem besten Wissen wurden keine Starlinks direkt oder indirekt an Russland verkauft", schrieb Musk. (APA, red, 11.2.2024)