Tina Karol beim Solidaritätskonzert
Tina Karol beim Solidaritätskonzert "United for Ukraine" in der Wiener Stadthalle.
IMAGO/Andreas Stroh

Wer hier spricht Deutsch? Wer Englisch? Und wer Ukrainisch? Bei der letzten Frage des Moderationsduos war am Mittwochabend die Antwort des Publikums in der Wiener Stadthalle klar am lautesten.

Für viele Ukrainerinnen – vornehmlich sind es Frauen mit ihren Kindern, die in Österreich Zuflucht vor dem russischen Angriffskrieg gefunden haben – war das Benefizkonzert "United for Ukraine" eine hautnah erlebte Solidaritätsbekundung. Zum Feiern war ihnen anlässlich des am Samstag bevorstehenden zweiten Jahrestags des Kriegsbeginns zwar nicht zumute, aber ein freudiger Ausdruck des Zusammenstehens war allemal drin. Ein Zeichen der weiterhin lebendigen Hoffnung auf ein baldiges Kriegsende mit einer freien Ukraine, die über ihre Zukunft selbst bestimmen kann; und auch ein Ausdruck der Dankbarkeit über die bisher erfahrene Unterstützung in und aus Österreich.

Musik aus beiden Ländern

Repräsentanten aus Bundes- und Landespolitik, darunter Vizekanzler Werner Kogler (Grüne), drückten der Ukraine ihre Solidarität aus, Bundespräsident Alexander Van der Bellen und seine Frau Doris Schmidauer waren per Videobotschaft vertreten. Unterm Strich aber wurde mehr gesungen als gesprochen: Aus Österreich machten King & Potter, Anna-Sophie, Thorsteinn Einarsson, Alle Achtung und Ina Regen mit; aus der Ukraine angereist waren Jamala, die Song-Contest-Siegerin von 2016, sowie Zlata Ohnjewitsch und schließlich das Energiebündel Tina Karol mit einem kraftstrotzenden Schlussauftritt.

Am späten Freitagabend wird ORF 1 Highlights des Solidaritätskonzerts übertragen. Der Spendenerlös kommt Nachbar in Not zugute. Der ukrainische Botschafter Wassyl Chymynez bedankte sich am Mittwoch in der Stadthalle für die Hilfe Österreichs – und drückte die Hoffnung aus, dass diese auch weiterhin nicht zum Erliegen kommt. Bereits tags zuvor hatte er im Gespräch mit dem STANDARD in dieselbe Kerbe geschlagen: Er sei dankbar für die Unterstützung für sein Land und seine geflüchteten Landsleute, von denen sich etwa 70.000 vorübergehend in Österreich niedergelassen haben. Die Ukraine würde sich nun wünschen, dass "Österreich noch aktiver eine führende Rolle in der humanitären Hilfe vor Ort übernimmt – etwa bei Wiederaufbau und Ausstattung von Krankenhäusern oder beim humanitären Entminen", so Chymynez. "Das sind Bereiche, wo Hilfe dringend nötig ist, die aber keinesfalls gegen Österreichs Neutralität verstoßen."

"Gefahr für die freie Welt"

Auch wenn das neutrale Österreich keine Waffen liefert: Die weitere Unterstützung des Westens im Rüstungsbereich sei letztlich für ganz Europa von Bedeutung: "Dieser Krieg ist nur ein paar Hundert Kilometer von Österreich entfernt. Wenn Putin sich durchsetzt, wird er mit seiner Horde weitergehen."

Wenige Tage zuvor hatte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj auf der Münchner Sicherheitskonferenz Richtung Westen gesagt: "Fragen Sie die Ukraine nicht, wann der Krieg zu Ende ist, sondern fragen Sie sich selbst, warum Putin diesen Krieg noch immer führen kann." Daran anknüpfend fragt Chymynez: "Warum bekommt Putin immer noch Chips für die Waffenproduktion? Warum sind westliche Firmen immer noch auf dem russischen Markt? Auf dem Markt eines Landes, das brutal das Völkerrecht verletzt und eine reale Gefahr für die freie Welt ist?"

Chymynez hat auch immer noch Hoffnung, dass die derzeit blockierte Hilfe aus den USA trotz des Streits im Kongress letztlich freigegeben wird: "Es geht um den Schutz von Demokratie und Freiheit. Wir gehen davon aus, dass man auch in den USA weiß, dass jede Verzögerung künftige Hilfe nur teurer machen wird. Deshalb: je schneller, desto besser." (Gerald Schubert, 22.2.2024)