Notarzt und Sanitäter der Wiener Berufsrettung im Einsatz.
Müssen immer öfter wegen des Missbrauchs von Drogen und Medikamenten ausrücken: Einsatzkräfte der Wiener Berufsrettung.
APA/GEORG HOCHMUTH

Wien – Die Wiener Berufsrettung verzeichnet einen starken Anstieg bei Einsätzen in Zusammenhang mit Drogen- und Medikamentenmissbrauch. Das zeigt eine vergleichende Auswertung der Einsatzzahlen bei Erwachsenen, Personen unter 18 Jahren sowie Patienten mit unbekanntem Alter aus den Jahren 2018 und 2023, die der APA vorliegt. Die Blaulichtorganisation spricht vor diesem Hintergrund von einem "kontinuierlichen Anstieg in allen Altersgruppen" bei Arzneien und illegalen Substanzen.

Verdoppelung bei Drogenvergiftung unter Erwachsenen

So kam es bei Erwachsenen 2023 im Fünfjahresvergleich mit einem Anstieg von 1.121 auf 2.224 Einsätze wegen einer Drogenvergiftung nahezu zu einer Verdoppelung. Bei Personen unter 18 Jahren verdreifachten sich die Ausrückungen in dieser Kategorie mit einem Sprung von 75 Einsätzen im Jahr 2018 auf 231 sogar. Auch bei Personen mit nicht bekanntem Alter registriert die Rettung eine starke Zunahme: 2018 wurden 239 Einsätze erfasst, im Vergleichszeitraum des vergangenen Jahres waren es dagegen 506.

Ein ähnlicher Trend werde auch bei Medikamenten-Intoxikationen verzeichnet. Bei Erwachsenen stiegen die Zahlen in diesem Bereich vergangenes Jahr auf einen Wert von 2.190 und damit um 39,5 Prozent. Vor allem aber bei den unter 18-Jährigen explodierten die Zahlen. Bis 2023 kam es zu mehr als einer Verdoppelung von 149 auf 390 Einsätze. Eine Zunahme weist die Statistik auch bei Patientinnen und Patienten ohne bekanntes Alter aus, mit 71 Einsätzen 2018 und 137 im Vorjahr.

Die Symptome einer Intoxikation mit Drogen oder Medikamenten können dabei je nach Art der Substanz durchaus variieren. "Es kann schwierig sein, einen drogenkranken Menschen zu erkennen, da viele Betroffene ihre Sucht geheimhalten oder versuchen, sie zu verbergen und die Einnahme verneinen", sagte Oberarzt Bernhard Schefzick von der Berufsrettung der APA.

Bei Verdacht "Notruf wählen"

Dennoch gebe es einige grundsätzliche Anzeichen, an denen auch Laien einen Drogennotfall bemerken könnten. "Das Vorhandensein von Einstichstellen, umherliegenden Medikamentenpackungen, Getränkeflaschen oder Spritzen kann auf Substanzmissbrauch hinweisen." Daneben seien Bewusstseinsveränderungen wie Schläfrigkeit, Benommenheit, Ohnmacht oder Bewusstlosigkeit, aber auch Verwirrtheit, Desorientierung sowie Atembeschwerden mögliche Indikatoren einer Vergiftung bzw. Überdosis. Auch ein unregelmäßiger Herzschlag könne auf einen Drogennotfall deuten, genauso wie verengte oder erweiterte Pupillen zusammen mit roten, glasigen Augen auf unterschiedliche Substanzen hinweisen könne. Auch Übelkeit, Erbrechen oder Bauchschmerzen seien mögliche Symptome.

Bei Verdacht auf einen Drogennotfall rät der Arzt, möglichst schnell Alarm zu schlagen. "Sofort den Notruf wählen und Hilfe von professionellen Rettungskräften anfordern", so der Leiter des Departments für Intensivtransport bei der Rettung. "Es ist wichtig, schnell zu handeln, um das Leben der betroffenen Person zu retten. Der Mediziner rät bis zum Eintreffen der Rettung dazu, Informationen zu sammeln - "darüber wann, was und wie viel der Betroffene konsumiert hat". Besonders wichtig: "Versuchen kein Erbrechen beim Betroffenen auszulösen." Sonst besteht Erstickungsgefahr. Schefzick ergänzt, dass diese Anzeichen aber auch auf andere Erkrankungen hinweisen könnten. Es sei daher wichtig, "keine voreiligen Schlüsse zu ziehen".

Die Wiener Sucht- und Drogenkoordination erklärte gegenüber der APA, dass kein signifikanter Anstieg beim Konsum von illegalen Suchtgiften verzeichnet werde, die Einnahme von Medikamenten aber grundsätzlich angestiegen sei. "Per se ist das aber noch kein Konsumproblem, wenn sie auf Rezept, unter ärztlicher Anweisung erfolgt", so Leiter Ewald Lochner. Ein Problem seien jedoch Versuche der Selbstmedikation.

Auch der Konsum bei Risikogruppen sei riskanter geworden, so der Experte, der auf Mischkonsum verweist. "Das hängt mit der gesellschaftlichen Situation zusammen: Die Pandemie, die Teuerung, Kriege und Klimakrise sind Faktoren, die besonders vulnerable Gruppen stärker treffen." Vor allem unter jungen Menschen sehe man eine Gruppe, "die psychisch sehr belastet ist". Dass die Pubertät allgemein heutzutage früher einsetze und damit auch Probierkonsum früher stattfinde, wirke zusätzlich als verstärkender Faktor. Es fehle an Risikobewusstsein, meinte Lochner. (APA, 1.4.2024)