Tiefkühlpizza, Dosenravioli oder Aufbackcroissants haben in den Topküchen des Landes normalerweise nichts zu suchen. Doch für uns machen einige Spitzenköche eine Ausnahme und zeigen, wie man mit ein paar Kniffen das geschmackliche Maximum aus Convenience-Food herausholen kann. Den Auftakt macht Sternekoch Lukas Mraz von Mraz & Sohn

Lukas Mraz kocht im Zweisternelokal Mraz und Sohn in Wien.
Julia Rotter

"Ich mache einen Schinken-Käse-Toast aus Pizza. Das ist gar nicht kompliziert." Lukas Mraz’ Vorhaben entspricht ganz der Idee von Fertigessen: Es soll schnell gehen. Und möglichst gut schmecken.

Er liebe Pizza, es sei eines seiner absoluten Lieblingsessen, sagt Sternekoch Mraz. Er lasse sie sich aber lieber liefern, als auf Tiefkühlware zurückzugreifen. "Je beschissener die Pizza, desto besser", lautet seine Devise beim Bestellen. Das heißt für ihn: "Keine Hipster-Neapolitaner-Scheibe, sondern eine ganz durchschnittliche Pizza oder auch eine vom Türken ums Eck." Am liebsten bestellt er Pizza Margherita, doppelt Käse. "Einmal in meinem Leben hab ich eine Tiefkühlpizza gegessen", erzählt der Koch. "Sie war von einer Tank­stelle in Salzburg. Ich war so enttäuscht davon." Mraz absolvierte ein Kochschulpraktikum, als er 14 Jahre alt war. Seither hat er nie mehr eine TK-Pizza angerührt. Mraz ist ohne Convenience-Food aufgewachsen, erzählt er. "Ich habe nicht einmal Fischstäbchen essen dürfen." Sehr schade findet er das heute. Mraz ist mittlerweile erwachsen, er dürfte nun Fischstäbchen essen. "Ich weiß, aber sie schmecken mir nicht."

Aus Kalt mach Neu

Der Spitzenkoch verwandelt Tiefkühlpizza in Toast Hawaii
Julia Rotter

Aber zurück zur Pizza: Mraz schneidet die Tiefkühl-Margherita und die Pizza Hawaii in Quadrate. Man könne auch Pizzaecken machen, sagt der Koch. "Im Endeffekt lässt sich Tiefkühlpizza am einfachsten pimpen. Du kannst dir eine Margherita kaufen und einen Haufen Zeugs draufgeben." Mraz streicht Butter auf die Pizza, die zum Toast wird. "Beim Toast ist Butter das Wichtigste." Er füllt ihn mit Beinschinken und Edamer. Doppelt belegt. Zu viel Käse gibt es nicht, sagt Mraz. Klar. Selbst­gemachtes Kimchi kommt auch hinein. "Kimchi und Ananas ist eine meiner Lieblingskombinationen", sagt Mraz.

Der Koch hat keine Berührungsängste mit Toast Hawaii. "Ich liebe das Konzept. Es ist eines der schönsten Gerichte. Es schaut so geil aus mit der Ananasscheibe und dem geschmolzenen Käse."

Getoastet wird im wohl kleinsten Toaster der Welt. Mraz hat ihn von zu Hause mitgebracht, in der Sterneküche besitzen sie keinen. Er gibt Butter auf und unter den Toast. Als Sauce wird eine nach dem Rezept von Mraz’ Opa gereicht. Senf-Cocktail, so viel sei von der Geheimrezeptur verraten. Er richtet den Pizzatoast mit einem Salatblatt an. "Das muss so sein beim Toast."

Wie begeistert ist er vom Gericht? "Ich find es lecker. Also Dr. Oetker könnte da was draus machen. Eine Wiener Pizzaversion zum Beispiel." Und wie tauft Lukas Mraz seine Kreation? "Pizzatoast à la Opa." (RONDO, Kevin Recher, 11.5.2024)