Tiefkühlpizza, Dosenravioli oder Aufbackcroissants haben in den Topküchen des Landes normalerweise nichts zu suchen. Doch für uns machen einige Spitzenköche eine Ausnahme und zeigen, wie man mit ein paar Kniffen das geschmackliche Maximum aus Convenience-Food herausholen kann. Den Auftakt machte Sternekoch Lukas Mraz von Mraz & Sohn, nun ist Haubenkoch Alain Weissgerber, Küchenchef des Restaurants Taubenkobel, dran. Der Restaurantguide Gault-Millau kürte ihn im vergangenen Sommer zum Koch des Jahres 2024.

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Alain Weissgerber ist Gault-Millau-Koch des Jahres und kocht im Taubenkobel in Schützen am Gebirge.
Julia Rotter

"Wo ist mein Gericht? Ich bin schon ganz nervös", scherzt Weissgerber zur Begrüßung. Für unseren Termin waren gekühlte Tortellini ausgemacht. "Ich hab gedacht, ihr bringts etwas, das wirklich scheiße ist." Enttäuschung beim Haubenkoch. Die Tortellini sind ihm "zu easy". Weissgerber schickt uns zum Billa. Er will etwas Lustiges, also bekommt er auch etwas Lustiges: Ravioli aus der Dose.

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Mit Dosenravioli kocht Weissgerber normalerweise nicht.
Julia Rotter

Weissgerber schüttet den Doseninhalt in ein Sieb. "Schaut geil aus." Dennoch wird er einen integralen Teil los: Er wäscht die Tomatensauce von den Ravioli. "Meine Mutter hat sehr gut gekocht", sagt der Koch. Ob er das ernst meint, ist fraglich. "Wenn sie von der Arbeit nach Hause gekommen ist, hat es ab und zu diese Dosenravioli gegeben." Habe man sich erst einmal an den Geschmack gewöhnt, finde man die wirklich gut, sagt er. Man könne die Nudeln mit Käse überbacken und dadurch verbessern.

Für die gepimpte Version für das RONDO macht der Profikoch aus den Nudeln ein Pasta­gericht mit Spargel, passend zur Saison. "Ich hab mir ja was überlegt", scherzt er. "Das Gute ist, dass die Nudeln hart sind." Erwarten würde man ja ­gatschige. Aus Spargel kocht Weissgerber einen Fond, gibt Obers und Butter dazu. Blanchierten grünen und weißen Spargel lässt er kurz in der Sauce köcheln. "Spargelsalat drauf, ein paar Kräuter drauf – und fertig", erklärt er sein Vorhaben, und fragt: "Oder soll ich’s komplizierter machen?" Nein, so passt’s schon.

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Zuerst entledigt sich Weissgerber der Tomatensauce.
Julia Rotter
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Die Ravioli köchelt er in einem Spargelsud und verfeinert sie dann mit Schlagobers.
Foto: Julia Rotter
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Die Tomatensauce musste weg. Stattdessen serviert Alain Weissgerber die Ravioli aus der Dose in einer Spargelsauce.
Julia Rotter

Weissgerbers Frau Barbara Eselböck kommt in die Küche und schaut, was hier gekocht wird. "Ich hab immer Fertigravioli zu Hause", sagt sie. Die Nudeln aus der Dose würde sie aber nie essen, die "sind so gelblich, die sind fix eingefärbt".

Weissgerber: "Wenn ich die Nudeln so zubereite wie jetzt, weiß keiner, dass die aus der Dose sind", ist er sich sicher. Am Geschmack erkennt man es aber, fügt der Koch hinzu. Aus Blutampfer, Sauerklee, Schwarzkohlblüten und Akazienblüten setzt Weissgerber ein Nest auf die Pasta. Grünes Öl, aus Kräutern destilliert, tröpfelt er noch darüber, das ist ihm wichtig. "Das schaut aus wie in Italien." Kurz vor dem ersten Bissen legt er noch Erbsen dazu, in Anlehnung an die Erbsen, die in der weggewaschenen Tomatensauce schwammen. Sehr clever. Wenn die anderen Produkte gut sind, sagt Weissgerber, dann sind die Ravioli "eigentlich wurscht".

Von seinem Endprodukt ist der Koch begeistert: "Mega. Schmeckt leicht nach Umami-Pulver. Ich find’s nicht schlecht, ehrlich jetzt", und scherzt: "Das können wir auf die Karte schreiben. 19 Euro." (RONDO, Kevin Recher, 14.5.2024)