"Durch Beten kann man leider keine Kriege lösen", sagt Lisa. Sie ist Milizsoldatin und trifft im neuen Brennpunkt Österreich am Mittwoch um 21.11 Uhr in ORF 1 auf den gläubigen Pazifisten Klaus, der sich sicher ist, "nie im Leben zu einer Waffe zu greifen". Es geht um Landesverteidigung und um Gewaltfreiheit. Lisas und Klaus' Einstellungen sind völlig unterschiedlich, ihre Lebenswelten ganz andere. Was sie aber eint, ist ein Ziel: Frieden. Klaus war früher Religionslehrer, jetzt setzt er sich für den Frieden ein, er will stark sein gegen "das Böse in der Welt". Friedensarbeit sei für ihn auch, die Botschaft Jesu weiterzutragen. Beim ersten Treffen ist Klaus irritiert, denn Lisa kommt in voller Montur. "Ich wollte eigentlich die Lisa kennenlernen und nicht eine Soldatin in Uniform", wird er später über dieses erste Zusammentreffen sagen.

Klaus Heidegger und Lisa Rammel am Schießstand in der Ostarrichi Kaserne.
Klaus Heidegger und Lisa Rammel am Schießstand in der Ostarrichi-Kaserne.
Foto: ORF/Neulandfilm

Peace-Fahne und Uniform

Lisa ist 24, Milizsoldatin (Dienstgrad: Wachtmeisterin), Fußballerin, Jus-Studentin. Sie mag die Kaserne, dort fühlt sie sich zu Hause. Kämpfen ist ihr Weg für Frieden. "Stell dir vor, es ist Krieg, und keiner geht hin. Dann kommt der Krieg zu euch", wandelt sie das bekannte Zitat ab. In Tirol beim Andreas-Hofer-Denkmal sprechen sie über ihre Gedanken zum Thema Krieg und Frieden. Das Denkmal erinnert Klaus vor allem an Gewalt, bei einer Gedenkveranstaltung für Andreas Hofer organisierte er eine Protestveranstaltung. Beim Schuss der Schützen ließen sich die Protestierenden wie tot auf den Boden fallen, erzählt er in der Reportage. "Wir wollten darauf aufmerksam machen, was passiert, wenn Menschen aufeinander schießen."

Bei Klaus in der Wohnung lernen sich Lisa und er dann bei veganen Würsteln und neben Peace-Fahnen näher kennen, später besucht Klaus Lisa in der Ostarrichi-Kaserne in Amstetten. Der Pazifist hat "bissi Gänsehaut". Die für ihn vorbereitete Uniform will er nicht anziehen, "das kann ich echt nicht". Ob sie ihre Leute zwingen würde, mit den schweren Stiefeln 40 Kilometer zu marschieren? "Das kann man nicht als Zwang bezeichnen, das gehört zur Ausbildung. Da muss jeder Soldat durch", sagt Lisa, es gehe um die körperliche Fitness. Klaus ist interessiert, hört aufmerksam zu, greift vorsichtig ein Feldmesser an, hofft aber, dass er hier nicht schlafen muss.

Lisa beim Flaggenappell in der Ostarrichi Kaserne.
Lisa beim Flaggenappell in der Ostarrichi-Kaserne.
Foto: ORF, Neulandfilm

"Abrüsten statt nachrüsten"

Klaus ist auch bei Gruppenübungen im Wald dabei, "hier geht es darum, gemeinsam Aufgaben zu erfüllen", erklärt ihm Lisa. Klaus' Großonkel war im Zweiten Weltkrieg Deserteur, verweigerte den Fahneneid. Wann würde Lisa sagen, dass sie als Soldatin nicht mehr mitmachen könne? "Gar nicht", lautet ihre Antwort. Desertieren sei für sie ein schlimmer Gedanke, Solidarität stehe beim Militär im Vordergrund, als einzelne Soldatin den Kriegsdienst zu verweigern kann sie sich nicht vorstellen. Aber: Es komme schon darauf an, wofür man kämpft. Für Klaus geht es immer um gewaltfreie Methoden, "eine Utopie", sagt dazu Lisa, "es wird nie eine gewaltfreie Welt geben". Es muss nicht immer so bleiben, entgegnet Klaus. "Abrüsten statt nachrüsten" ist sein Motto.

Lisa und Klaus treffen sich mit Frauen, die aus der Ukraine geflüchtet sind und deren Männer für ihr Heimatland kämpfen. "Beten tun viele, aber jetzt fehlen die Waffen", sagt eine Ukrainerin. Waffenlieferungen zu vermeiden, so wie es Klaus versucht, ist für Lisa keine Lösung. Lisa nimmt Klaus auch zum Waffentraining mit, erklärt ihm, wie die Waffen funktionieren. Er will keine in die Hand nehmen, bei jedem ihrer Schüsse zuckt er zusammen. Je tiefer Lisa und Klaus in die jeweils anderen Lebensentwürfe eintauchen, desto mehr geht es ans Eingemachte. Umso mutiger von beiden, sich dem zu stellen und sich mit anderen Ansichten und Einstellungen auseinanderzusetzen. (Astrid Ebenführer, 15.5.2024)