Wiener Schnitzel Figlmüller Reservierungen verkaufen kaufen Online-PLattform
Nicht nur fürs Schnitzel, sondern auch für die Reservierung wird auf einer Online-Bieter-Plattform Geld verlangt.
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In den Cafés und Restaurants des Landes gab es in den vergangenen Jahren Entwicklungen, die von Gästen durchaus kritisch betrachtet werden. So hat es sich vor allem in städtischen und gut besuchten Lokalen eingebürgert, bei einer Tischreservierung Time-Slots zu vergeben. Heißt, der Tisch ist nur für eine bestimmte Zeit, meist zwei Stunden, reserviert. Dann muss man den Platz räumen. Generell geht es in vielen Restaurants ohne Reservierung ohnehin nicht mehr. Einfach vorbeischauen und auf einen Tisch hoffen ist oft zwecklos.

Dieses Dilemmas hat sich die Onlineplattform "Appointment Trader" angenommen. Die US-Plattform dient als virtueller Marktplatz für Reservierungen in Restaurants, aber auch Bars oder Hotels. In der Praxis bedeutet das: Wenn ich für ein bestimmtes Restaurant eine Reservierung habe, diese aber nicht wahrnehmen kann oder will, kann ich sie auf der Plattform verkaufen. Die Reservierung wird dann an den Höchstbietenden verkauft. Die Reservierungsangebote stammen von Privatpersonen.

Aus der Not heraus

Die Idee stammt vom US-Amerikaner Jonas Frey und entstand aus der Not heraus. Es gelang ihm in seiner Heimatstadt Miami partout nicht, einen Platz in den beliebten Restaurants zu ergattern. Er kreierte einen Algorithmus, der auf Handy-Daten zurückgreift, um so die angesagtesten Lokale zu eruieren und den Preis je nach Nachfrage zu bestimmen. Wie die New York Times vor einem Jahr schrieb, habe die Plattform damals bereits 2,4 Millionen Dollar durch den Verkauf von Reservierungen eingenommen.

Am häufigsten geschieht das in New York, wo Reservierungen in Restaurants wie Carbone oder Nobu hunderte Dollar wert sind. Der Sinn dahinter ist ganz einfach erklärt: Gewisse Lokale sind wie Sehenswürdigkeiten, die für einige unbedingt besucht gehören.

Zahlen für einen Platz

Nur so lässt sich das auf das Restaurant Figlmüller in Wien ummünzen. Das Schnitzellokal in der Bäckerstraße und Wollzeile gehört zu den bekanntesten Restaurants der Stadt – bei Einheimischen, aber besonders bei Touristen. Ob das Schnitzel dort zu den besten der Stadt gehört oder nicht, ist diskutabel. International gesehen ist Figlmüller eine Marke, ein Must-visit-spot für Touris. In einem Ranking der Plattform "Taste Atlas" wurde das Figlmüller sogar zu einem der legendärsten Restaurants der Welt gekürt. So erklärt sich auch die fast tägliche Schlange an Menschen, die sich für einen Tisch im Figlmüller anstellen.

Um nicht abgewiesen zu werden, oder um fix einen Tisch um eine bestimmte Uhrzeit zu bekommen, bietet "Appointment Trader" auch für das Figlmüller Reservierungen zum Ersteigern an. Zwischen 100 und 300 Euro kostet eine Reservierung, je nach Wochentag und Uhrzeit.

300 Euro

Im STANDARD-Vergleich zeigt sich, dass der Samstag der beliebteste Tag ist. Dabei geht es gar nicht um kurzfristige Reservierungen: Am 22. Juni muss man für eine Tischreservierung auf der Plattform 276 Euro hinblättern. Am Sonntag darauf bekommt man einen Tisch um fast schon günstige 138 Euro. Ein Samstag Ende Juli ist derweil für 308 Euro im System.

Der Gegencheck auf der Reservierungsmaske des Figlmüllers spuckt auch folgendes aus: am 22. Juni gibt es in der Wollzeile um 19 Uhr keinen Tisch für zwei mehr, aber zwischen 11 und 16.30 Uhr. In der Bäckerstraße sind Tische um 18 und 20 Uhr noch erhältlich. Selbst im Mai gibt es zumindest in der Filiale in der Bäckerstraße noch freie Zeiten – und das völlig kostenlos.

Das Figlmüller ist aber nicht das einzige Wiener Lokal, dessen Reservierungen verkauft werden. Das Café Central, das Loft, das Steirereck und das Sacher finden sich ebenso auf der Plattform – mit ähnlichen Preisen wie das Schnitzellokal.

Die Reservierungsversteigerung ist besonders auf Touristen ausgelegt, die nur eine bestimmte Zeit in der Stadt verbringen und nicht einfach flexibel ein paar Tage später vorbeischauen können. Ob sich das System in Österreich und insbesondere bei Einheimischen durchsetzen wird, ist fraglich. Natürlich gibt es bereits in Wien Lokale, die über Wochen hinweg keine Tische mehr freihaben. Aber dafür bezahlen, dass man essen gehen kann? (Kevin Recher, 21.5.2024)