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Im Zuge der Signa-Pleite wurde auch Galeria mitgerissen. Die Gläubiger müssen nun über den Sanierungsplan entscheiden.
APA/dpa/Oliver Berg

Insolvenzverwalter Stefan Denkhaus wirbt bei den Gläubigern der letzten großen deutschen Warenhauskette Galeria, die bisher zum zusammenbrechenden Signa-Imperium gehörte, um eine Annahme des Insolvenzplans. Er empfehle ein Votum für den Plan, sagte Denkhaus am Montag. "Die Alternative wäre die Zerschlagung des Unternehmens", warnte er. Der Konzern sei "als Warenhaus mit Ankerfunktion" auch "für die Zukunft der Innenstädte von erheblicher Bedeutung".

"Ich bin überzeugt, dass Galeria mit seinem Management und den Investoren eine gute Zukunft hat", betonte Denkhaus. Die Gläubiger der Warenhauskette, über die das Amtsgericht Essen mit 1. April 2024 das Insolvenzverfahren eröffnet hatte, kommen am Dienstag zusammen, um über den Insolvenzplan abzustimmen.

Niedrige Quote

Denkhaus erwartet eine Insolvenzquote in der Höhe von 2,5 bis drei Prozent. Zu den Gläubigern von Galeria zählen unter anderem Vermieter, Lieferanten, das Finanzamt und die Bundesagentur für Arbeit, die Insolvenzgeld an die Beschäftigten gezahlt hat. Sie alle müssen sich auf deutliche Abstriche bei ihren Forderungen einstellen. Die Insolvenzquote könnte sich aber noch erhöhen, wenn Galeria Zahlungen aus Ansprüchen gegen Gesellschaften der ehemaligen österreichischen Konzernmutter Signa erhalten sollte. Die Signa Holding des Tiroler Investors René Benko war in die Pleite geschlittert und hatte damit, wie berichtet, auch die Schieflage bei Galeria verursacht.

Die Gläubiger haben Forderungen in der Höhe von 886,1 Mio. Euro angemeldet. Bei Zustimmung würden allerdings nur bis zu 22,5 Mio. Euro an die Gläubiger ausgezahlt, und das in zwei Schritten. Zunächst fließt eine "Basisquote", für die 4,5 Mio. Euro eingestellt sind, der Rest zu einem späteren Zeitpunkt.

Keine andere Wahl

Auch Handelsexperte Jörg Funder rechnet damit, dass der Plan zur Sanierung angenommen wird. "Alles andere als eine Zustimmung wäre eine Riesenüberraschung. Die Gläubiger müssen Zugeständnisse machen, aber haben eigentlich keine andere Wahl", sagte der Professor für Unternehmensführung im Handel an der Hochschule Worms vergangene Woche. Dass so viele Filialen fortgeführt werden, sei "ein großes Signal an die Arbeitnehmer", so Funder. Von einer Ablehnung des Plans und einer Generalinsolvenz würde niemand profitieren.

Galeria soll nun an neue Eigner gehen. Die Warenhauskette soll vom Ex-Vorstandschef des Kosmetikkonzerns Coty, Bernd Beetz, und dem kanadischen Handelsunternehmer Richard Baker übernommen werden. Galeria Karstadt Kaufhof hatte Ende April mitgeteilt, 16 seiner noch zuletzt bestehenden 92 Kaufhäuser schließen und rund 1400 von derzeit 12.800 Arbeitsplätzen abbauen zu wollen. Erbitterte Konkurrenz durch den Onlinehandel, hausgemachte Probleme und häufige Strategiewechsel hatten den Niedergang des letzten großen deutschen Warenhauskonzerns beschleunigt. Für Galeria Karstadt Kaufhof gab es in etwas mehr als drei Jahren insgesamt drei Insolvenzen. Zweimal flüchtete die Kette allein in der Corona-Krise unter den Schutzschirm. (Reuters, dpa, bpf, 27.5.2024)