Leerer Teller mit einer Uhr darauf aus der Vogelperspektive, daneben zwei Hände mit Besteck in der Hand.
Wie man am liebsten isst, ist eine Frage des Typs. Manche schwören auf Intervallfasten mit langen Essenspausen, andere können nicht hungrig schlafen gehen. Als Ernährungsform taugt es jedenfalls nur so viel, wie gut es zu einem selbst passt.
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Seit einiger Zeit hat sich Intervallfasten als opportune Abnehmmethode etabliert. Zahlreich sind die Berichte von Menschen, die auf diese Methode schwören: einfach in einem bestimmten Zeitraum, meistens 16 Stunden (16:8), nichts essen, und die ungewünschten Kilos lösen sich in Luft auf. Dass diese Erzählung so nicht immer stimmt, das wissen dabei all jene, die das schon einmal hoffnungsvoll ausprobiert haben und gescheitert sind. Was soll man sagen, der Stoffwechsel ist individuell. Und die Disziplin auch.

Und auch die Studienlage dazu ist unklar. Natürlich kann man mit Intervallfasten abnehmen, das ist nur logisch: Man isst nur innerhalb eines begrenzten Zeitraums, damit sind Snacks außerhalb dieser Spanne kein Thema mehr – und nicht selten findet sich ja vor allem das auf den Hüften, was man zum Beispiel am Abend "snackt". Andererseits kann man auch in einem festgesetzten Zeitfenster so viel essen, dass man mehr Kalorien aufnimmt, als der Körper verbraucht.

Neben dem Abnehmen soll das Intervallfasten dabei aber noch einen Vorteil haben: Es soll sich positiv auf das Darmmikrobiom auswirken. Das ist jene Ansammlung an Milliarden von Mikroben, Viren, Pilzen und vor allem Bakterien, die unser Inneres bevölkern und helfen, die dort ankommenden Nahrungsbestandteile aufzuspalten. Dabei entstehen – wenn man die richtigen Bakterien in ausreichender Anzahl hat – Stoffe, die das Immunsystem unterstützen, Entzündungswerte reduzieren und sich sogar positiv auf die Stimmung auswirken.

Bakterienvielfalt im Darm

Ein gut aufgestelltes Mikrobiom ist auch deshalb relevant, weil es wiederum beim Abnehmen helfen soll. Wie es sich konkret zusammensetzt und welche Bakterienarten vorherrschen, das bestimmt eben die Nahrung, die sie bekommen, eine klassische Wechselwirkung. Dazu weiß man mittlerweile auch einiges, der STANDARD hat unter anderem hier darüber berichtet.

Trotzdem weiß man noch nicht so genau, wie sich das Mikrobiom konkret aufs Abnehmen auswirkt. Studien zeigen zwar Zusammenhänge, aber nur Korrelationen, keine Kausalitäten, zum Beispiel in dieser Untersuchung. Die allermeisten untersuchen das Thema auch im Tiermodell, nicht am Menschen. Umso wichtiger wäre es, dass aufbauend auf diesem Ansatz weitere, tiefgehende Forschung betrieben wird, die die unterschiedlichen Ansätze unter die Lupe nimmt.

Eine soeben erschienene Studie hat das nun getan und Intervallfasten in Kombination mit dem sogenannten Protein-Pacing und dessen Auswirkung auf Mikrobiom und Gewicht untersucht. Beim Protein-Pacing nimmt man in regelmäßigen Abständen kleinere Mengen Eiweiß zu sich, das soll Übergewichtigen helfen, besser abzunehmen. Zu diesem Ergebnis ist zumindest die Studie gekommen, die soeben im Fachjournal Nature Communications erschienen ist.

An der Untersuchung einer Forschungsgruppe rund um Paul J. Arciero von der Arizona State University nahmen 41 übergewichtige Personen teil. Acht Wochen lang ernährte sich die eine Hälfte der Personen nach dem Prinzip des Intervallfastens mit Protein-Pacing, die andere Hälfte hielt sich an eine mediterrane, kalorienreduzierten Ernährungsform, basierend auf den US-Ernährungsempfehlungen. Beide Gruppen aßen dabei die gleiche Kalorienmenge.

Korrelation, keine Kausalität

Jene Teilnehmenden, die den proteinreichen Intervallfasten zugeteilt waren, nahmen im Durchschnitt etwa drei Prozent des ursprünglichen Körpergewichts mehr ab als die Kontrollgruppe und berichteten von weniger Magen-Darm-Problemen. Außerdem stellten die Forschenden in dieser Gruppe eine Zunahme jener Darmbakterien fest, die mit Schlankheit im Zusammenhang gebracht werden. Sie registrierten weiters Veränderungen bei der Insulinsensitivität und dem Abbau von Fettgewebe. Wie genau das vor sich geht, konnten die Forschenden aber nicht herausfinden, ein kausaler Zusammenhang zwischen Ernährungsform, Mikrobiom und Gewicht kann nicht hergestellt werden, informieren sie.

Und das ist auch nicht überraschend, vor allem angesichts der geringen Zahl an Teilnehmenden und des Studienzeitraums von nur acht Wochen. Stefan Kabisch, Studienarzt in der Klinik für Endokrinologie und Stoffwechselmedizin an der Charité Berlin, kritisiert die geringe und schlechte Auswahl der Probandinnen und Probanden: "Das ist für sehr grundlegende medizinische Daten wie Körpergewicht oder Routineblutwerte kaum aussagekräftig. Auch Stoffwechselerkrankungen wie Bluthochdruck oder Diabetes waren nicht repräsentiert."

Und er kritisiert einen möglichen Interessenkonflikt beim Studiendesign. Finanziert wurde die Untersuchung nämlich von der Firma Isagenix International LLC, die selbst Nahrungsergänzungsmittel herstellt und vermarktet. Diese haben die Teilnehmenden auch konsumiert. Kabisch erklärt: "Da mehrere Veränderungen in der Ernährungsroutine gleichzeitig umgesetzt wurden, kann man einfach nicht sagen, welche Komponente welche Wirkung hervorgerufen hat. Die Gewichtsreduktion kann Folge, Ursache oder gleichgültiger Begleiter der Mikrobiomveränderung sein."

Es ist eine frage des Typs

Das sieht auch Christian Sina, Direktor des Instituts für Ernährungsmedizin am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, so: "Es ist bekannt, dass Coaching und Diät zu einem Gewichtsverlust führen und dass sich eine Umstellung der Ernährung auf das Mikrobiom auswirkt." Will man wissen, ob mit diesem Ansatz tatsächlich ein langfristiger Gewichtsverlust möglich ist, müsste der Studienzeitraum deutlich länger sein.

Was lernen wir daraus? Studien sind natürlich immer nur so gut wie ihr Design. Und gerade bei Fragen der Ernährung ist der Bias oft groß, man muss doppelt genau hinsehen, ob es externe Interessen gibt. Kurzfristige Hypes bringen vielleicht kurzfristige Anpassungen beim Gewicht – und lassen ziemlich sicher Geld in die Kassen von diversen Unternehmen fließen.

Das bedeutet aber nicht, dass eine Veränderung der eigenen Nahrungsgewohnheiten nicht den gewünschten Effekt bringen kann. Tatsächlich machen sehr viele Menschen die Erfahrung, dass sie mit einer Form von Intervallfasten ihr Gewicht recht gut im Griff haben, ohne dafür großen Aufwand betreiben zu müssen. Es ist eben eine Typfrage, eine Ernährungsform kann immer nur so erfolgreich sein, wie sie zu den eigenen Bedürfnissen passt.

Will man wirklich langfristig etwas verändern, muss man auf jeden Fall, je nach Ausgangslage, nachhaltige Anpassungen im eigenen Lebensstil vornehmen und nicht darauf hoffen, dass ein bestimmtes Angebot dafür sorgt. Das gilt auch für das Protein-Pacing beim Intervallfasten. Ernährungsmediziner Sina betont: "Die Schlussfolgerung, dass Intervallfasten mit vielen Proteinprodukten gesünder ist als eine kalorienreduzierte mediterrane Diät, ist wissenschaftlich meiner Ansicht nach unzulässig." (kru, 29.5.2024)