Kinderbauch mit Masernpusteln
Bei den Masern bedeckt ein roter Ausschlag den ganzen Körper. Die Virusinfektion kann schwere, sogar lebensgefährdende Nebenfolgen haben.
Getty Images

Die Masern sind auf dem Vormarsch. In Österreich gibt es heuer schon viel mehr Fälle als im gesamten vergangenen Jahr: Seit Jahresanfang wurden mit Stand 28. 5. 2024 bereits 434 bestätigte Masernerkrankungen im epidemiologischen Meldesystem (EMS) erfasst. 81 Personen, das sind 19 Prozent, wurden laut der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit Ages im Krankenhaus behandelt, davon vier Erkrankte auf einer Intensivstation.

"Es ist auch mit weiteren Masernerkrankungen zu rechnen", warnt die Ages. Das ist eine dramatische Steigerung im Vergleich zu 2023. Vergangenes Jahr wurden insgesamt 186 Masernfälle im Meldesystem erfasst, viele Fälle davon kamen aus einem großen Cluster in der Steiermark. 2023 wurden insgesamt 49 Personen im Krankenhaus behandelt.

Die Masern sind eine hochinfektiöse Viruserkrankung, sie wird schneller übertragen als zum Beispiel die Grippe. Deshalb infiziert sich auch fast jede nicht immune Person bei Kontakt. Neben typischen Symptomen wie Fieber und rotem Hautausschlag können auch lebensgefährliche Komplikationen wie eine Hirnhautentzündung auftreten. Und es gibt noch eine ganz dramatische Langzeitfolge, die immerhin eine Person von 100.000 Infizierten betrifft und die zum sicheren Tod führt: die subakut sklerosierende Panenzephalopathie (SSPE). Das ist eine entzündliche neurodegenerative Erkrankung des Gehirns mit fortschreitender Symptomatik, gegen die man nichts tun kann.

Rückläufige Impfquoten

Dass die Masernzahlen wieder im Steigen begriffen sind, liegt an den rückläufigen Impfquoten. Tatsächlich könnte man die Virusinfektion mit einer Impfquote von zumindest 95 Prozent mehr oder weniger ausrotten. Kinder, die aus gesundheitlichen Gründen nicht geimpft werden können, wären dann mitgeschützt. Es handelt sich dabei um eine Lebendimpfung, die ab einem Alter von zehn Monaten zweimal im Abstand weniger Wochen gegeben wird.

In Österreich sinkt die Durchimpfungsrate aber permanent, wie eine Evaluierung der Masernimpfung durch das Gesundheitsministerium zeigt. Die Durchimpfungsrate der Einjährigen etwa lag im Jahr 2022 bei 82 Prozent für die erste Teilimpfung, die zweite Teilimpfung hatten dagegen nur 45 Prozent. 18 Prozent bzw. 15.500 Kinder unter zwei Jahren hatten gar keinen Impfschutz. Auch in der Altersgruppe der Zwei- bis Fünfjährigen sind acht Prozent der Kinder völlig ungeimpft, beide Impfungen haben 87 Prozent der Kinder in dieser Altersgruppe. In der Gruppe der Sechs- bis Neunjährigen haben zumindest 95 Prozent aller Kinder die erste Impfung erhalten. Bei den Zehn- bis 18-Jährigen wenigstens passt der Impfstatus: 95 Prozent haben beide Impfungen erhalten.

Europaweites Problem

Österreich steht mit dieser Situation übrigens nicht allein da, die Masern sind europaweit auf dem Vormarsch. In den ersten drei Monaten dieses Jahres wurden in der WHO-Region Europa, zu der auch Zentralasien gehört, bereits mehr als 56.600 Infektionen und vier Todesfälle gezählt, wie die Regionaldirektion der Weltgesundheitsorganisation am Dienstag mitteilte. Das sind nur 5000 Infektionen weniger als im gesamten vergangenen Jahr. Gleichzeitig bedeutet dies einen Anstieg um das 60-Fache gegenüber dem Jahr 2022.

WHO-Regionaldirektor Hans Kluge rief die Staaten der Region auf, sofortige Maßnahmen zu ergreifen, um zu verhindern, dass sich das Virus in der Bevölkerung festsetzt. Die Hauptursache für die steigenden Zahlen ist auch dort eine rückläufige Impfquote. Die weltweite Impfquote ist nach Angaben der WHO zuletzt auf 83 Prozent gesunken statt der nötigen 95 Prozent, etwa durch verpasste Impfungen während der Corona-Pandemie. Der Impfstoff ist für alle Personen in Österreich an öffentlichen Impfstellen kostenfrei erhältlich und ab dem vollendeten neunten Lebensmonat empfohlen. (APA, red, 29.5.2024)