Wahlen in Südafrika
Rund 27 Millionen registrierte Wähler sind aufgerufen, ein neues Parlament zu wählen.
IMAGO/Manash Das

Pretoria – Bei der Parlamentswahl in Südafrika hat der seit dem Ende der Apartheid vor 30 Jahren regierende Afrikanische Nationalkongress (ANC) erstmals seine absolute Mehrheit verloren. Dies geht aus Teilergebnissen hervor, die die Wahlkommission am Donnerstagvormittag veröffentlichte. Nach Auszählung von einem Fünftel der Stimmen lag der ANC bei 43,5 Prozent. Eine Prognose des Senders eNCA gab der Regierungspartei 45 Prozent.

Die oppositionelle Demokratische Allianz (DA) erhielt nach den Teilergebnissen 24,7 Prozent der Stimmen. Auf dem dritten Platz landete die linksradikale Partei EFF (Economic Freedom Fighters) des früheren ANC-Funktionärs Julius Malema mit 8,9 Prozent der Stimmen. Sie könnte die Rolle des Königmachers spielen. Die 400 Parlamentsabgeordneten werden im Juni auch den neuen Präsidenten Südafrikas bestimmen. Sollte sich das Ergebnis bestätigen, wird Amtsinhaber Cyril Ramaphosa zumindest einen Koalitionspartner für seine Wiederwahl brauchen.

Linksradikale in Rolle des Königsmachers

Vor allem in Wirtschaftskreisen sorgt die Aussicht auf eine Regierungsbeteiligung der EFF für Nervosität. Zum Wahlprogramm der EFF zählt die Verstaatlichung der Gold- und Platinminen des Landes. Außerdem sollen weiße Farmer enteignet werden, um ihr Land an Schwarze zu verteilen. Der vor gut einem Jahrzehnt vom ANC ausgeschlossene Malema ordnet die EFF als marxistisch ein. Ihre Anhänger rekrutieren sich vor allem aus arbeitslosen, schwarzen Jugendlichen und jungen Erwachsenen.

Die EFF profitierte offenbar auch von der Enttäuschung vieler Südafrikaner über den ANC. Zwar hat der Afrikanische Nationalkongress vor 30 Jahren das Land vom rassistischen Apartheid-Regime befreit. Doch der versprochenen Wohlstand für breite Teile der Bevölkerung ist bisher ausgeblieben. Die Reichsten - sowohl Schwarze als auch Weiße - haben ihr Vermögen in dieser Frist vergrößern können. Dagegen ist ein Drittel der Südafrikaner, darunter viele schwarze Wähler mit Hochschulabschluss, arbeitslos. "Der EFF weist genau darauf hin, dass wir das Rassenproblem in diesem Land nicht gelöst haben", erklärte der Direktor des südafrikanischen Zentrums für das Studium der Demokratie, Steven Friedman.

Umstrittener EFF-Gründer

Auch Malema ist nicht unumstritten. Kritiker werfen ihm seine Vorliebe für protzige Autos, goldene Uhren, Champagner und Luxusvillen in begrünten Vororten vor. Um Steuerschulden in Höhe einer Million Dollar zu begleichen, verkaufte er eine dieser Villen, die über ein eigenes Kino und ein Raucherzimmer verfügte. Zudem wird ihm Korruption vorgeworfen, was er jedoch bestreitet.

27,6 Millionen Bürger in Südafrika konnten am Mittwoch über die Besetzung des 400 Sitze starken Parlamentes abstimmen. Die Wahlkommission erklärte, sie rechnete damit, dass deutlich mehr Menschen als bei der Wahl 2019 ihre Stimme abgeben. Damals stimmten 66 Prozent der registrierten Wählerinnen und Wähler ab. (APA, 30.5.2024)