Teheran – Im Iran können sich ab diesem Donnerstag Bewerber für die Präsidentenwahl in gut einem Monat registrieren lassen. Dafür müssen sie in den kommenden fünf Tagen persönlich im Innenministerium erscheinen. Die Neuwahl ist notwendig geworden, weil der bisherige Amtsinhaber Ebrahim Raisi am 19. Mai bei einem Hubschrauberunglück ums Leben kam.

Nachdem sich die Bewerber angemeldet haben, wird der sogenannte Wächterrat innerhalb einer Woche entscheiden, ob sie ideologisch geeignet sind. Der Rat ist ein mächtiges Kontrollgremium, dem islamische Geistliche und Juristen angehören. Insbesondere Politiker des Reformlagers wurden in der Vergangenheit oft von einer Wahl ausgeschlossen.

Eine Bestätigung moderater Bewerber durch den Wächterrat wäre laut Beobachtern ein Zeichen dafür, dass das islamische Land einen neuen und offeneren Kurs einschlägt. Ansonsten würden weiterhin die erzkonservativen Kräfte oder die Hardliner die politische Zukunft des Landes bestimmen.

Registrierung von Präsidentschaftskandidaten in Teheran ab Donnerstag, 30.5.; Bild von verschleierten Frauen an Computern.
Für eine Bewerbung zur iranischen Präsidentschaftswahl müssen Bewerber in den kommenden fünf Tagen persönlich im Innenministerium in Teheran erscheinen.
AFP/-

Großes Interesse für Reformlager

Für ihren Wahlkampf haben die vom Wächterrat genehmigten Kandidaten dann zwei Wochen Zeit. Falls dann im ersten Durchgang der Wahl am 28. Juni niemand eine absolute Mehrheit der abgegebenen Stimmen erreichen sollte, wird eine Woche später am 5. Juli eine Stichwahl über den zukünftigen Präsidenten entscheiden.

Seit Raisis Tod brodelt im Land die Gerüchteküche über mögliche Nachfolger. Gehandelt werden die Ex-Präsidenten Mohammad Khatami und Mahmoud Ahmadinejad oder der Spitzendiplomat und ehemalige Außenminister Mohammad Jawad Zarif. Bestätigt sind bisher die Kandidaturen von Raisis Vize Mohammad Mokhber sowie des ehemaligen Atomchefunterhändlers Said Jalili. Beide sind erzkonservativ und würden mit großer Wahrscheinlichkeit Raisis Kurs weiterführen. Medienberichten zufolge gilt auch eine Bewerbung des ehemaligen Parlamentspräsidenten Ali Larijani, der als moderat-konservativ eingestuft wird, als sicher.

Großes Interesse wecken die Bewerber des Reformlagers. Die Reformer bilden die Opposition im Land, sie hatten aber in den vergangenen Jahren keinerlei politischen Einfluss. Laut Nachrichtenagentur Tasnim wird Mohsen Hashemi, der Sohn des verstorbenen Klerikers und einflussreichen Ex-Präsidenten Akbar Hashemi Rafsanjani, als Spitzenkandidat der Reformer gehandelt. Der 62-Jährige hat den Bericht zwar nicht bestätigt, aber auch nicht dementiert.

Es wird sich zeigen, ob Bewerber aus dem Reformlager überhaupt für die Wahl zugelassen werden oder ob der Wächterrat, wie 2021, ihre Bewerbungen schon im Vorfeld aus ideologischen Erwägungen ablehnt. (APA, 30.5.2024)