Ältere Frau im Gym macht einen Plank
Der Lebensstil ist wichtiger als die Gene: Dieses Wissen ist schon länger etabliert, eine neue Datenanalyse bestätigt es nun.
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Die Gene machen nur 25 Prozent aus, den Rest bestimmt der Lebensstil. Das betonen Forschende, die sich mit Langlebigkeit und der Frage, wie sie gelingt, beschäftigen, immer wieder. Über die genaue Prozentanzahl lässt sich streiten, aber dass es prinzipiell stimmt, bestätigt jetzt auch eine Big-Data-Analyse. Ein gesundheitsfördernder Lebensstil mit Bewegung, gesunder Ernährung, Nikotinverzicht und ausreichend Schlaf gleicht laut chinesischen Forschenden den Effekt von das Leben verkürzenden Erbanlagen zu mehr als 60 Prozent aus.

Das zeigt eine Studie, die in der Fachzeitschrift Evidence Based Medicine des British Medical Journal erschienen ist. Zilong Bian und seine Mitforschenden von der Abteilung für Big-Data-Analysen in der Medizin an der Med-Uni in Hangzhou in China haben den Effekt des Lebensstils anhand der Daten von 353.742 britischen Erwachsenen, die zwischen 2006 und 2010 in die UK Biobank aufgenommen worden waren und deren Gesundheit bis 2021 verfolgt wurde, analysiert.

"Die Forschenden setzten für den genetischen Einfluss auf die Lebensspanne einen Risikoscore für lange (20 Prozent der Teilnehmer), mittlere (60 Prozent) und kurze (20 Prozent) Lebensspannen ein. Sie nutzten außerdem einen gewichteten Score für einen gesunden Lebensstil, der Nichtrauchen, mäßigen Alkoholkonsum, regelmäßige körperliche Aktivität, eine gesunde Körperform, ausreichenden Schlaf und eine gesunde Ernährung umfasste. Sie teilten die Studiengruppe danach in einen günstigen (23 Prozent der Teilnehmer), einen mittleren (56 Prozent) und einen ungünstigen (22 Prozent) Lebensstil ein", schreibt das Deutsche Ärzteblatt zur Studie.

Ernährung wichtigster Faktor

Während eines durchschnittlichen Beobachtungszeitraums von fast 13 Jahren starben 24.239 Menschen aus der analysierten Personengruppe. Unter jenen Personen, die durch ihre Erbanlagen eher eine kürzere Lebensspanne zu erwarten hatten, lag die Wahrscheinlichkeit eines frühen Todes um 21 Prozent über derjenigen von Menschen, die genetisch eher für ein längeres Leben prädisponiert waren. Dies zeigte sich unabhängig von der Auswertung über den Lebensstil. Personen mit einem ungesunden Lebensstil wiesen eine um 78 Prozent größere Wahrscheinlichkeit auf, vorzeitig zu sterben. In dieser Auswertung wurde wiederum die "genetische Ausstattung" nicht berücksichtigt.

Ausgesprochen gefährlich ist allerdings die Kombination von negativen genetischen Faktoren und risikoreichen Umständen aus der persönlichen Lebensführung. "Diejenigen, die ein hohes genetisches Risiko für eine verkürzte Lebensspanne hatten und einen ungünstigen Lebensstil pflegten, hatten ein doppelt so hohes Sterberisiko wie diejenigen, die genetisch für ein langes Leben veranlagt waren und einen günstigen Lebensstil pflegten", schreibt die Deutsche Ärztezeitung zu der wissenschaftlichen Untersuchung.

Laut den Wissenschaftern sind es vor allem vier Faktoren, die einen gesunden Lebensstil ausmachen: Nichtrauchen, regelmäßig Bewegung in ausreichender Intensität, genug Schlaf und eine ausgeglichene, gesunde Ernährung. Demnach kann ein gesunder Lebensstil ein genetisch bedingtes Risiko für eine kürzere Lebenserwartung bzw. einen vorzeitigen Tod statistisch zu etwa 62 Prozent ausgleichen. (APA, red, 31.5.2024)