Porträt von Kubitschek
Die Schauspielerin Ruth Maria Kubitschek ist tot.
APA/dpa/Fabian Bimmer

In einem ihrer berühmtesten Auftritte stand Ruth Maria Kubitschek auf einem Tisch und hob den Rock. "Wollen Sie mal meine Beine sehen?", fragte sie in der Rolle der Verlegerin Friederike von Unruh den Society-Reporter Baby Schimmerlos. Was kam, schrieb Fernsehgeschichte. Die Unruh stellte sich als lebendes Erfolgsbeispiel des Krampfadernpapstes Androsch als Anschauungsobjekt zur Verfügung, lüpfte besagten Rock bis weit oberhalb der Knie und präsentierte stolz ihre makellosen Beine. Schimmerlos stand – ganz gegen seine Natur – der Mund offen.

Es waren hinreißende Szenen wie diese, mit denen Ruth Maria Kubitschek ihr Publikum begeisterte. Die Kombination aus Grande Dame und Unkonventionalität hatte sie perfekt drauf und spielte diese in ihren Rollen aus – zu einer Zeit, in der Frauen in Fernsehfilmen und -serien oft die Nebenrollen zugeteilt waren und sie meist Frau oder Gattin hinter dem Mann waren.

Bei Kubitschek war das nicht der Fall, schon gar nicht als "Spatzl", ihrer berühmtesten Rolle in Helmut Dietls Schlawiner-Serie Monaco Franze, in der sie 1983 die bürgerliche Gemahlin des Dauerfremdgehers, gespielt von Helmut Fischer, verkörperte. Von der ersten Szene der Serie an – sie, die reiche Gattin, malt ein Bild von ihrem Mann - machte sie deutlich, was in ihr steckt, und dass sie genau weiß, wie man mit dem notorischen Schwindler umgehen muss, will man ihn halten. Der braucht es hart und weich zugleich. Und so war es dann auch.

Kultstatus als "Spatzl"

Ruth Maria Kubitschek wurde am 2. August 1931 in Komotau, Tschechoslowakei geboren. Nach dem Zweiten Weltkrieg floh sie mit ihrer Familie nach Deutschland nach Sachsen-Anhalt. Schon früh reifte der Wunsch, Schauspielerin zu werden. Ein Schauspielstudium in Halle und Weimar folgte. 1959 kehrte sie nach einem Theaterengagement nicht mehr in die DDR zurück.

Geschichte schreibt Kubitschek bereits 1966, als sie im Durbridge-Krimi Melissa spielt, einem Straßenfeger mit rund 90 Prozent Quote, mit dem ihr der Durchbruch gelang, obwohl sie in der Rolle der Melissa genau neun Minuten Spielzeit hatte, bevor sie Leiche war. Kultstatus als ewiges "Spatzl" erlangte sie mit dem Monaco Franze, festigte diesen 1986 mit Kir Royal und vollendete ihn als Margot Balbeck, der schurkischen Eigentümerin einer Bierbrauerei, in Das Erbe der Guldenburgs. Auch hier übrigens wieder mit einer stilprägenden Szene, als sie nach einem gänzlich misslungenen Geschäftsdeal ihren unfähigen Sohn, gespielt von Sigmar Solbach, so heftig abwatschte, dass die Frisur nicht hielt. Sternstunden.

Unheimlicher Starrummel

Ihre Rollen nahm sie ernst. So erzählte sie einmal, für ihre Rolle der hochdekorierten Verlegerin aus "Kir Royal" habe sie sich jeden Tag vor Drehbeginn bei einem Münchner Juwelier Schmuck geliehen, um sich in die Überheblichkeit der Münchner Schickeria einzufühlen. Sie stand darüber, der Starrummel war ihr unheimlich. 1991 verließ sie München: "Wenn ich jetzt nicht gehe, werde ich hochnäsig. Oder ich krieg n' Knall", sagte sie in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung. Sie zog in die Schweiz an den Bodensee und blieb, malte, schrieb Bücher. 2014 zog sie sich nach dem Film Ella und einem Auftritt im Traumhotel aus der Öffentlichkeit zurück. Im Frühjahr 2022 folgte ein Umzug an den Lago Maggiore.

"Das Spatzl war für mich wie eine Reinigung von Schwerem, Schicksalhaftem ins Fröhliche, Intelligente und gleichzeitig Leichte", sagte Kubitschek im Interview mit dem STANDARD.

Mit ihrem Ehemann Wolfgang Rademann, ebenfalls Fernsehlegende und Erfinder des Traumschiffs, führte sie bis zu dessen Tod 2016 eine Fernbeziehung. Sie hinterlässt einen Sohn. Ruth Maria Kubitschek starb am Samstag im Alter von 92 Jahren in der Schweiz. (Doris Priesching, 2.6.2024)