Dass es wichtig ist, Abfall richtig zu trennen und zu entsorgen, wissen schon Kinder. Viele Materialien sind langlebig und brauchen lange, bis sie verrotten oder zerfallen. Einiges bleibt für immer und belastet das Ökosystem. "Littering", also das achtlose Wegwerfen von Abfällen in der Natur, ist deshalb ein großes Problem. Aber wie lange braucht beispielsweise ein Plastiksackerl, bis es irgendwann verschwindet? Oder eine Bananenschale? Das haben wir die Umweltwissenschafterin Ines Fritz gefragt. Sie forscht seit vielen Jahren an der Universität für Bodenkultur zur biologischen Abbaubarkeit von Materialien.

"Abfälle sind nicht gleich Abfälle", sagt Fritz. Bei jeder Art von Abfall sehe der Abbauprozess anders aus. Verrotten können zum Beispiel nur organische Abfälle, also beispielsweise Obstreste. "Das ist ein Prozess, der von Mikroorganismen in Gang gesetzt wird. Für sie muss der Abfall als Nahrung interessant sein."

Nicht alles bekommt den Mikroorganismen gleichermaßen. Abfälle seien für sie gewissermaßen wie ein All-you-can-eat-Buffet, erklärt Fritz: "Die Leckerlis sind zuerst weg, dann kommt die B-Ware, und erst zum Schluss, wenn es immer noch Hungrige gibt, werden auch jene Dinge gegessen, die normalerweise nicht so leicht weggehen. Und irgendetwas bleibt immer liegen." Metalle oder Kunststoffe können Mikroorganismen gar nicht vollständig zersetzen. Sie werden zwar kontinuierlich zerkleinert, verschwinden aber nie ganz.

Wie lange etwas braucht, um sich zu zersetzen, hängt jedoch auch von den Umweltbedingungen ab. Eine Rolle spielen dabei beispielsweise Temperatur oder Feuchtigkeit. Aber auch Faktoren wie die genaue Zusammensetzung, die Größe oder die Dicke sind ausschlaggebend. So wird eine dicke Chipspackung wenig überraschend noch länger Bestand haben als eine dünne. Deshalb sei es auch nicht möglich, allgemeine Werte für die Zersetzungsdauer verschiedener Abfälle zu bestimmen, betont Fritz. Aber es gibt zumindest Richtwerte:

Getty Images/DER STANDARD

Apfelgehäuse: einige Tage

Ein Apfelgehäuse braucht nur einige wenige Tage, um in der Natur zu verrotten, sagt Expertin Ines Fritz. Das zuckerhaltige Innere eines Apfels sei das Attraktivste für Mikroorganismen, es werde sehr schnell abgebaut – nämlich innerhalb von drei bis vier Stunden. Das Kerngehäuse wiederum benötige dafür einige Tage, "und der Stängel ist aus harter Zellulose, er bleibt am längsten übrig, und zwar ein bis zwei Monate".

Getty Images/DER STANDARD

Bananenschale: ein paar Monate

"Die Schale ist die von den Pflanzen erfundene Verpackung, sie soll einen vorzeitigen Verderb verhindern. Sie ist dick, enthält Zellulose und wasserabweisende Substanzen, die sie widerstandsfähig machen", sagt Fritz. Sie schätzt, dass eine Bananenschale ein paar Monate braucht, um vollständig zu verrotten. Das Problem bei einer Banane, die von weit her kommt, sei, dass sie oft mit Konservierungsmitteln und Pestiziden behandelt wurde, um sie vor dem Verderb zu schützen. Dadurch könne der Verrottungsprozess auch länger dauern.

Getty Images/DER STANDARD

Zigarettenstummel: ca. 100 Jahre

Bis sich ausgedämpfte Glimmstängel zersetzen, dauert es länger, als man vielleicht meinen würde. Ihre Filter bestehen nämlich aus unterschiedlichen Materialien, die allesamt schlecht abbaubar sind, erklärt die Umweltwissenschafterin. Bis ein Zigarettenstummel in der Natur verschwunden ist, müssen mindestens hundert Jahre vergehen. Ein weiteres Problem an Zigarettenstummeln: Die Giftstoffe, die sie enthalten, können über den Boden ins Grundwasser gelangen.

Getty Images

Kaugummi: ca. 150.000 Jahre

Kaugummi ist ein Produkt aus Erdöl, "ein reines Plastik mit relativ vielen Weichmachern", sagt Fritz. "Einfach auf den Boden gespuckt, braucht er mindestens 150.000 Jahre, bis er weg ist." Als eine Alternative zum Kaugummi empfiehlt die Wissenschafterin Mastix, das Harz der Pistaziensträucher in Griechenland. Mastix gilt als der erste nachgewiesene natürliche Kaugummi. Bereits die Römer kauten ihn, um ihre Zähne zu reinigen oder auch einfach nur aus Vergnügen. Auch Mastix brauche zwar etwas länger, um sich zu zersetzen, aber nach zehn Jahren sei er abgebaut.

Getty Images/DER STANDARD

Plastiksackerl: bis zu 150.000 Jahre

Das konventionelle Plastiksackerl bleibe ebenfalls 150.000 Jahre in der Natur erhalten, erklärt Ines Fritz. Deshalb ist aus ihrer Sicht das 2020 in Kraft getretene "Plastiksackerlverbot" absolut sinnvoll. Im Gegensatz zu herkömmlichen Plastiksackerl können biologisch abbaubare Sackerl tatsächlich von Mikroorganismen abgebaut werden. Innerhalb von zwei bis drei Wochen seien sie in der Kompostierung verrottet. Am Feld könne es etwas länger dauern.

Getty Images

Babywindel: bis zu 150.000 Jahre

Der Inhalt der Windel verschwindet äußerst schnell, sagt Fritz. "Ihn mögen Mikroorganismen." Bei der Windel selbst ist allerdings das Gegenteil der Fall. Die darin enthaltenen Kunststoffe würden noch bis zu 150.000 Jahre in der Natur bestehen, wenn die Windeln dort achtlos weggeworfen würden. Ökowindeln sind zwar eine Spur nachhaltiger, doch auch hier sind nur einzelne Teile biologisch abbaubar.

Getty Images

Glasflasche: eine Million Jahre

Glas wird aus Quarzsand erzeugt, der nicht organisch ist, weshalb Glas nicht verrottet. Eine Glasflasche kann eine Million Jahre alt werden. Umso wichtiger ist es deshalb, dass sie wiederverwendet und recycelt wird. Durch ihre Haltbarkeit haben Glasflaschen großes Potenzial zur Wiederverwendung, sagt Expertin Fritz: Bis zu 50 Mal könnten sie gereinigt und wieder befüllt werden. Sollte die Glasflasche in der Natur landen, seien ihre scharfen Kanten die größte Gefahr für Tiere oder Menschen. Giftige Stoffe gebe sie keine ab.

Getty Images/DER STANDARD

Plastikflasche: bis zu 150.000 Jahre

Produkte aus Plastik sind nicht vollständig abbaubar. Die Boku-Expertin erklärt: "Typischerweise zerfällt klassisches Plastik in der Natur innerhalb einiger Jahre in Mikroplastik. Chemisch ist es aber immer noch genau dasselbe Material, nur kleinteiliger." Die kleinsten Partikel würden viele Menschenleben überdauern und könnten bis zu 150.000 Jahre in der Umwelt erhalten bleiben. Inzwischen ist Mikroplastik selbst in den letzten Winkeln unseres Planeten anzutreffen – und wurde auch schon im menschlichen Körper gefunden. Erste Studien deuten darauf hin, dass sie dort eine toxische Wirkung haben dürften.

Getty Images

Getränkedose: mehrere Tausend Jahre

Metalle sind natürlich vorkommende Rohstoffe. Anders als organische Abfälle oder Papier verrotten sie jedoch nicht. Die Expertin erklärt: Die Aluminiumdose, eine übliche Verpackung für Softdrinks, Bier und Fruchtsäfte mit Kohlensäure, oxidiere mit der Zeit. Aluminiumoxid sei eine "unerwünschte Substanz", aber grundsätzlich nicht schädlich. Bis eine Getränkedose gänzlich verschwunden sei, brauche es schätzungsweise mehrere Tausend Jahre.

Getty Images

Papier: mehrere Wochen

Wenn ein Papier lediglich aus Zellulose besteht, dauere es einige Wochen, bis es verrottet, sagt Fritz. "Innerhalb eines Jahres ist es jedenfalls weg." Das gelte allerdings nur für unverarbeitetes Papier – und das seien die meisten Papiere, die wir im Alltag nutzen, nicht. Sie enthielten Bindemittel und andere Stoffe, die es haltbarer machen, ihm Glanz verleihen sollen. Durch diese Stoffe löse sich Papier nach Einschätzung der Expertin wesentlich langsamer auf – nämlich innerhalb von 150.000 Jahren. (Lisa Breit, 11.6.2024)