Während die Anzahl der Privatpools hierzulande stagniert, nehmen Hotelpools weiter zu. Derzeit haben Schätzungen zufolge 2,5 Prozent aller Hotels weltweit einen Pool ...
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Marianne und Jean-Paul verbringen den Sommerurlaub in Saint-Tropez in einem traumhaften Haus mit großem Pool. Zunächst plätschert der Film mit Romy Schneider und Alain Delon ein wenig dahin, bis sich daraus ein Kriminalfall entwickelt. Doch das Wasserbecken, das nach heutigen Maßstäben nicht einmal besonders luxuriös aussieht, spielt in dem 120-minütigen ­Kinofilm Der Swimmingpool aus dem Jahr 1969 ­irgendwie immer die Hauptrolle.

Urlaub zu Hause

Als Objekt der Begierde schwirrt so ein Pool Häuslbauern von Niederösterreich bis New Hampshire seit jeher im Kopf herum. Ein azurblaues Planschbecken kann aus jedem Fertigteilhaus eine südfranzösische Villa machen, ist wohl die Hoffnung vieler. Und ein eigenes Schwimmbad ist wie Urlaub zu Hause, wobei aber auch gleich für die Nachbarn ersichtlich ist, dass man sich die privaten Badegestade etwas hat kosten lassen.

In den Lockdowns bekommt die Sache mit dem "Urlaub zu Hause" sogar noch eine zusätzliche Dimension – weil man oft gar keine Wahl hat und daheim urlauben muss. So viele Menschen wie nie zuvor in Österreich wollen in der Pandemie einen eigenen Pool – und bekommen ihn meist auch. Oft nur etwas später als erhofft, aufgrund unterbrochener Lieferketten.

... zehn bis 20 Prozent der Hotelgäste geben bei der Buchung an, dass ihnen ein Pool wichtig ist, aber nur zehn Prozent davon nutzen ihn dann tatsächlich. Bei unserer Auswahl an neuen Hotelpools ist dieser Anteil aber vermutlich höher: Etwa das Hotel Amankila auf Bali in Indonesien ...
Amanresorts

Doch selbst nach der Pandemie hält der Boom weiter an, aktuell stehen wir bei rund 200.000 privaten Pools in Österreich. Aber kann das ewig so weiter gehen? Kann es nicht, verrät etwas überraschend Lukas Poinstingl, Geschäftsführer von Leidenfrost. Der österreichische Hersteller ist seit 1972 auf dem Markt, und noch im März 2024 zeigte man sich auch dort erstaunt darüber, wie groß das Interesse der Besucher an der Pool- und Gartenmesse in Tulln ist.

Aber schauen heißt nicht immer kaufen. "Die hochpreisigen Modelle funktionieren nach wie vor, doch bei der Mittelschicht scheint der Plafond vorerst erreicht", sagt Poin­stingl. Verantwortlich dafür sei eine für den Poolbau toxische Mischung aus hoher Inflation und Eigenheimpreisen, die sich niemand mehr leisten kann. Denn so banal es auch klingen mag: Ein Pool ohne Einfamilienhaus ergibt wenig Sinn. Man leide mit der gesamten Baubranche an einer mauen Auftragslage. Paradox: Jetzt, wo die Lieferzeit wieder flotte sechs bis acht Wochen beträgt, wollen plötzlich viel weniger Menschen in einen eigenen Pool hüpfen.

... das Rocca delle Tre Contrade auf Sizilien in Italien ...
Francis Amiand

Ein durchschnittlicher privater Pool kostet bei Leidenfrost rund 50.000 Euro. Das liegt eher über dem Durchschnitt der gesamten Branche. Limits nach oben gebe es zwar keine, aber besonders extravagante Sonderwünsche seien in Österreich selten. Wenn jemand 100.000 und somit das Doppelte ausgeben wolle, sei das klar die Ausnahme.

Privatsphäre beim Kraulen

Dennoch versuche man die Kunden nun verstärkt davon zu überzeugen, dass man bei der Anschaffung nicht allzu arg sparen soll. Sehr vereinfacht gesagt, sind billigere Pools auch die ökologisch problematischeren. Wer sein Becken dagegen so ausstattet, dass das Wasser über den Winter drinnen bleiben kann, weil die Pumpe auf niedriger Stufe weiterarbeitet, spart wertvolle Ressourcen und im Idealfall sogar Energie.

... das Hotel Le Sirenuse in Positano, Italien ...
Galerie Gregor Staiger / Nicolas Party

Aber ist ökologisches Verhalten für Menschen, die in mehr Privatsphäre beim Kraulen ein durchschnittliches Jahreseinkommen investieren, nicht völlig irrelevant? Keineswegs, sagt Poinstingl. Vor der Pandemie habe der Umweltgedanke tatsächlich noch eine untergeordnete Rolle gespielt bei der Kundschaft. "Seit rund zwei Jahren bemerken wir aber, dass sehr wohl aktiv nachfragt wird, wie man mit einem eigenen Pool Ressourcen schonen kann." Diese Rückversicherung sei wohl auch auf vermehrte Berichte von Wasserknappheit in Gemeinden zurückzuführen, wo alle auf einmal den Pool einlasen, und von Dürren, die durch private Frischwasserbecken angeblich nur noch mehr angeheizt würden.

Das Offensichtliche, also Klimawandel und Erderwärmung, fällt jedenfalls auch heimischen Poolbauern in ihren Auftragsbüchern auf: Gerade weil die Welt sich erwärmt, sucht nun die halbe Welt auch Abkühlung in privaten Pools. Man unterscheide aber sehr wohl langfristige Klimatrends und kurzfristige Kapriolen des Wetters: "Nach einem heißen, trockenen Sommer wie letztes Jahr ist das Interesse der Kunden an einem eigenen Pool in der Folgesaison immer größer", erklärt Poinstingl – und "nach vielen regnerischen Wochen ernüchternd gering".

... sowie die Villa 3H der Anlage Eden Rock im französischen Überseegebiet Saint-Barthélemy in der Karibik.
Laurent Benoit

Wie klein die Welt der Poolbauer hierzulande ist, wird klar, wenn man beim österreichischen Verband der Schwimmbad- und Saunawirtschaft anruft. Dort hebt Johann Poinstingl ab, seines Zeichens Präsident dieser Abteilung der Wirtschaftskammer und früherer Geschäftsführer von Leidenfrost – oder, anders: der Vater von Lukas Poin­stingl.

Er überblickt schon eine längere Spanne des Marktes und noch rund 50.000 Pools mehr, denn der Verband ist auch für öffentliche Freibäder und andere gewerbliche Becken zuständig. Dass Freibäder sich in vielen Gemeinden schwertun, den Betrieb aufrechtzuerhalten, sei offensichtlich. Aber die Gleichung "Mehr Privatpools bedeuten weniger öffentliche Freibäder" hält er für Unfug.

"Wir hatten immer einen Pool zu Hause, und trotzdem gingen wir genauso gerne mit den Kindern ins Freibad", sagt er. Für das Freibadsterben seien wohl vielmehr die strengen Auflagen und hohe Betriebskosten verantwortlich. Auch die derzeit ruhige Auftragslage bei den privaten Pools sieht er entspannt. Urlaub daheim sei eben momentan weniger gefragt, weil es nach der Pandemie so viele Reisen da draußen nachzuholen gelte. Die führen dafür umso öfter oft in ein Hotel – natürlich nur mit Pool. (RONDO Exklusiv, Sascha Aumüller, 16.6.2024)