Nachdem der Ausbruch der Corona-Pandemie vielerorts zu einer starken Verlagerung von Arbeit ins Homeoffice geführt hatte, begann 2021 eine Gegenbewegung seitens einiger Unternehmen. Unter dem Titel "Return to Office" (RTO) wurden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zunehmend wieder teilweise oder durchgängig zurück ins Büro beordert. Ein Schritt, der bei vielen Arbeitnehmern auch zu Unmut führte.

Daten des Wirtschaftsforschers Nick Bloom legen nahe, dass der RTO-Trend allerdings 2023 wieder zum Erliegen gekommen ist. Denn seitdem stellt sich die Statistik für durchschnittlich pro Woche von daheim gearbeitete Tage fast wie eine gerade Linie dar. Gewachsen ist seitdem auch der Datenbestand zu den Motivationen und Auswirkungen von RTO-Implementationen. Dazu gesellt sich nun auch eine Erhebung von Bamboo HR. Und laut dieser sahen einige Manager die erzwungene Bürorückkehr auch als heimliches Programm zum Mitarbeiterabbau. Befragt wurden dafür 1504 Vollzeitangestellte in den USA, 504 davon sind im Personalmanagement tätig.

Verdeckter Personalabbau

18 Prozent der befragten Führungskräfte aus der Personalabteilung und 25 Prozent des höheren Managements hatten sich aus den Vorgaben, wieder im Office zu arbeiten, erhofft, einen Teil der Angestellten zur freiwilligen Kündigung bewegen zu können. Das dürfte auch zum Teil funktioniert haben. Eine Studie der University of Michigan und University of Chicago zeigt bei Apple, Microsoft und Space X eine Zunahme an unbesetzten Stellen kurz nach Einführung von RTO-Vorgaben. Während sich diese bei Positionen für weniger erfahrene Mitarbeiter in Grenzen hielt, zeigten sich ab dem Senior-Level größere Abgänge.

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37 Prozent der von Bamboo HR befragten Manager vermuten außerdem, dass folgende Entlassungswellen seitens ihres Unternehmens damit zusammenhängen, dass nicht genug Mitarbeiter aufgrund von RTO freiwillig gegangen seien. 28 Prozent der befragten Remote-Mitarbeiter würden über eine Kündigung nachdenken, sollte ihr Arbeitgeber eine RTO-Vorgabe einführen. Ein gleich hoher Anteil fürchtet außerdem, im Falle eines Personalabbaus eher betroffen zu sein als im Büro arbeitende Kolleginnen und Kollegen.

Immer wieder war als Begründung für die Office-Rückkehr angegeben worden, dass man sich so mehr Produktivität wünsche. Während die Resultate von Firma zu Firma schwanken, fehlt es aber bis heute an Belegen dafür, dass mehr Mitarbeiter und Arbeitsstunden im Büro mehr bringen als Arbeit im Homeoffice. Auch die Daten von Bamboo HR zeigen keinen Vorteil für Officearbeit. Im Schnitt würden Mitarbeiter 24 Prozent ihrer Arbeitszeit mit Socializing, Prokrastination oder nicht arbeitsrelevanten Tätigkeiten zubringen – egal wo sie arbeiten.

Mehr Kontrolle, aber nicht Produktivität

Die Befragung zeigt allerdings auch eine andere Motivation auf. 32 Prozent der Manager gaben an, Büropflicht deswegen wieder eingeführt zu haben, um ihre Angestellten besser im Auge behalten zu können. Erschwerend kommt hinzu, dass 22 Prozent der HR-Führungskräfte zu Protokoll gaben, dass es in ihrem Unternehmen gar kein Prozedere gibt, um zu eruieren, ob und wie RTO sich auf die Produktivität auswirkt.

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Die angespannte Situation führt auch dazu, dass Mitarbeiter Maßnahmen setzen, um wahrgenommen zu werden. Jene im Homeoffice oder jene, die hybrid arbeiten, schalten sich zu 64 Prozent in ihren dienstlichen Messenger-Apps auf "online". Ein Phänomen, das den Beinamen "Green Status Effect" erhalten hat. 39 Prozent bringen sich in nicht arbeitsbezogene Chats ein, und 31 Prozent planen den Versand von E-Mails schon im Voraus. Von jenen, die vollständig im Büro arbeiten, gehen 37 Prozent herum, um von Kollegen gesehen zu werden. 35 Prozent planen Meetings mit anderen Angestellten, die ebenfalls im Büro sind und 33 Prozent sind früher in der Arbeit und bzw. oder gehen später heim als ihre direkte Führungskraft. 42 Prozent von ihnen haben das Gefühlt, nur ins Office gehen zu müssen, um gesehen zu werden.

Zumindest für die Bindung der Mitarbeiter untereinander haben Büroverordnungen aber einen Vorteil. 58 Prozent der Rückkehrer geben an, dadurch über ein stärkeres berufliches Netzwerk zu verfügen. Als "Pro" für das Büro werden auch weniger Ablenkungsmöglichkeiten angegeben. 52 Prozent der Manager sehen zudem eine Verbesserung hinsichtlich der Entwicklung ihrer Mitarbeiter, 46 Prozent erkennen einen Vorteil für die Unternehmenskultur.

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Gen Z ist büroaffiner

40 Prozent der Mitarbeiter sind allerdings auch der Ansicht, durch das Socializen mit Kollegen weniger produktiv zu sein als daheim. Von jenen, die das Homeoffice bevorzugen, genießen 90 Prozent die Flexibilität und von ihnen wahrgenommene Verbesserung der Work-Life-Balance. 74 Prozent nennen den Wegfall der Anfahrt und Rückfahrt zur Arbeit als wichtigen Aspekt, 51 Prozent tun sich dadurch leichter mit familiären Verpflichtungen. Insbesondere unter Eltern und Menschen mit Pflegeverpflichtungen ist das Homeoffice beliebt, hier bevorzugen 75 Prozent dieses Modell. Fast zwei Drittel aller Mitarbeiter mit körperlichen Einschränkungen (63 Prozent) präferieren ebenfalls die Arbeit von daheim. Bei jenen ohne Einschränkungen sind es deutlich weniger, nämlich 51 Prozent.

Etwas überraschend fallen die Generationsvorlieben hinsichtlich Büroanwesenheit aus, die allerdings in keiner Altersgruppe mehrheitliche Zustimmung findet. Am unbeliebtesten ist sie bei den Millennials unter den Befragten, von denen nur 37 Prozent die Arbeit im Office präferieren. Gen X liegt hier bei 40 Prozent, die Babyboomer bei 42 Prozent. Ausgerechnet die jüngste Kohorte, Gen Z, will zu 46 Prozent lieber im Büro sein. (gpi, 11.6.2024)