Christian Eder, Stadtgärtner der Gemeinde Wien in den Blumengärten Hirschstetten, weiß, wie Rosen zu behandeln sind.
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"Früher hatten wir hier ein Rosarium mit 1600 verschiedenen Arten von Rosen, generell gibt es um die 30.000", erklärt Christian Eder, Stadtgärtner der Gemeinde Wien in den Blumengärten Hirschstetten. "Aber das war zu viel Pflegeaufwand, darum mussten wir auf 30 Sorten reduzieren, die alle so um die 20 Jahre alt sind."

Den Pflegeaufwand für jeden einzelnen Rosenstock demonstriert seine Kollegin Gabi Liepold so: "Es beginnt mit dem Rückschnitt und dem Anhäufeln der Rosen im Winter, da kommt eine Erde hin, damit die Veredelungsstelle geschützt ist."

Diese Veredelung (Okulation) erfolgt von Juli bis Mitte August: Die "Unterlage" (meistens der Wurzelstock einer krankheitsunempfindlichen Wildrose wie der Rosa canina) setzt man meistens im Herbst. Auf deren Rinde wird mittig des Wurzelhalses ein T-Schnitt gesetzt, am besten mit einem eigenen Okuliermesser, das eine gerade Klinge mit ausgerundeter Spitze hat und hinten einen "Löser", mit dem die Haut gelöst wird.

Gärtnerin Gabi Liepold ist seit den Neunzigerjahren für die MA 42 tätig.
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Dann nimmt man ein abgeschnittenes Edelreis (das kurze einjährige Teilstück der Rute einer Edelsorte wie der Queen Elizabeth oder der Gloria Dei), von dem die Stacheln und Blätter entfernt werden müssen. An diesem wird das empfindliche Auge – eine kleine unscheinbare Stelle, aus der ein Trieb wachsen kann – mit den Fingern vorsichtig freigelegt. Wiederum mit dem Okuliermesser wird danach ein flacher Schnitt von unterhalb des Auges bis knapp oberhalb in Wuchsrichtung geführt – "Na, wenn es schneiden tät!" –, um das Auge abzulösen, aus dem wiederum der Rest Holz entfernt werden muss.

Dieses Auge wird nun in den T-Schnitt der Wildrose geschoben – "Na, wenn es sich reinschieben lässt!" –, bevor die Stelle mit einem Veredelungsband aus Kautschuk (früher auch Bast) bzw. mit einer Okulette verbunden wird. "Danach dauert es ein paar Wochen, bis man bei der Okulette erkennen kann, ob ein Trieb gewachsen ist oder nicht." Wenn ja, wird daraus mittels geduldigen Zuschneidens über die Jahre ein Rosenstock, der mit den richtigen Schnitten die entsprechende Form gebracht wird. Das ist viel Arbeit!

Und: "Ja!", lacht Liepold, die es nicht oft mit vollkommenen Laien wie mir zu tun hat, auf meine entsprechende Frage: "Es müsste eigentlich Stachelröschen heißen, denn Rosen haben keine Dornen." Diese entspringen nämlich aus dem verholzten Teil einer Pflanze, während Stacheln diesem nur aufsitzen und sich leicht entfernen lassen.

Mittels geduldigen Zuschneidens entsteht über die Jahre ein Rosenstock.
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Ein Pflegekonzept pro Garten

Gegossen, erklärt sie mir weiter, wird nie auf die Blätter, weil das Wasser wie eine Lupe wirkt und die Blätter bei Einfall der Sonne verbrennen. Im Frühjahr wird mit Hornspänen (Stickstoff!) gedüngt und nach der ersten Blüte mit Kalium und Phosphor. "Die verblühten Sachen werden weggeschnitten, damit die Pflanze mehr Kraft hat und man öfter einen Flor bekommt. Sonst geht alles in die Hagebutte!" Wie bei der wohlduftenden Zimtrose, die sie uns nun zeigt und die nur eine Blüte hat. Aber riechen tut sie!

Im September 1990 fing sie, die sich privat um ihren Staudengarten kümmert, im Schulgarten der Stadt Wien an zu lernen, und seither sei sie bei der MA 42: "Der Beruf g'fallt ma, er ist vielseitig, vom Vermehren bis zur Pflege mach ich alles." Die Namen der Rosen, die am besten duften und am meisten stechen, merke man sich am besten, erklärt sie lachend. Wobei die Stiche eher in die Beine gingen als in die Hände. Daher tragen sie auch ganzjährig lange Hosen: "Sonst schaut man aus, frage nicht!"

Pro Garten gibt es in den Blumengärten Hirschstetten ein eigenes Pflegekonzept.
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Pro Garten, erklärt Eder, hätten sie ein Pflegekonzept erarbeitet, wobei nach Priorität vorgegangen wird, und die Rose ist immer prioritär. "Wegräumen nach einem Sturm kommt vor der Veredelung." In puncto Pflanzenschutz, erklärt er weiter, hätte sich im Rosengarten ebenso viel verändert wie bei der – nun biologischen – Düngung. "Heute wird die Pflanze anstatt mit Pflanzenschutzmittel mit einem Stärkungsmittel besprüht, welches das Laub der Rose härter macht, damit sich beispielsweise Pilzsporen nicht so einfach einnisten können." Und wenn eine Krankheit wie der Rosenrost erst einmal da ist, wird er mittlerweile als Schönheitsmakel toleriert. "Oder Läuse. Mittlerweile werden die mit einem Ölmittel besprüht, unter dem die Laus erstickt." Selbst die Spalten in den gepflasterten Wegen werden neuerdings getrimmt (elektrisch!) und nicht mehr gespritzt.

Ausgerissene Rosen

38 Mitarbeiter inklusive Saisonniers seien hier beschäftigt, erklärt Eder, vom bald Pensionsberechtigten bis zum Lehrling. Wobei die Qualität der Lehrlinge ... "Na ja! Oft kommt einer zwei Wochen lang, und dann ist er nie mehr gesehen!" Und auch die Besucher – von der Kindergartengruppe bis zum Seniorenausflug – sind nicht immer von höchster Qualität: "Oft reißen sie eine Rose einfach ab", beklagt Liepold. "Das sieht man, wenn die Rinde bis unten aufgerissen ist. Und dann findet man sie weggeworfen in einem anderen Themengarten." Zwar gebe es Aufsichtspersonen, aber die können natürlich nicht jede Rose retten.

Besonders schade wäre es um die schöne Stadt Wien, eine Edelrose in Stadt-Wien-typischem Rot, von der gerade nur noch die eine hier blüht. Sollte der Bürgermeister in ferner Zukunft einmal von einer anderen Partei gestellt werden, wird gescherzt, müsste David Austin, der weltbekannte Züchter, vielleicht eine neue in entsprechender Farbe züchten.

Die Stadt Wien, eine Edelrose in Stadt-Wien-typischem Rot.
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Die Rose ist auch für Eder, dessen Eltern eine Blumenzucht betrieben, immer noch "die König", jedenfalls "sehr weit vorne", wenn es um die Schönheit von Blumen geht. Und ihre Wirkung sei ungebrochen, weiß er aus eigener Erfahrung. Zum Muttertag und zum Geburtstag schenkt er seiner Frau, die auch hier arbeitet, jedes Jahr welche, und jedes Mal freut sie sich über den Liebesbeweis. Mit ihr zusammen hat er auch einen privaten Garten beim Haus, "aber dort hab ich nicht viel zum Reden", lacht er. "Sie ist mehr der Gemüse- und Lass-es-halt-wachsen!-Typ, ich mehr der Unkrautfrei- und Rasenmähertyp." Konkurrenzdenken gibt es bei ihnen aber trotzdem nicht.

Am Ende erfreuen sie sich wie alle Gartler gemeinsam an der Schönheit von allem, was wächst, und man schaut ebenso gemeinsam, dass Störendes möglichst selten auftritt. Wie der "böse, böse Rosenkäfer", den Frau Liepold nun entdeckt, "der ist nicht gut". Sie nimmt ihn und wirft ihn in die Botanik, und dabei hofft sie, "dass er sich das Gnack bricht". Weil sonst, weiß sie, ist er bald wieder da, und sie haben eh schon so viel anderes zu tun: "Jetzt müssen wir noch Unkraut jäten", sagt sie, bevor sie entschwinden. Ein ganzes Rosarium zu pflegen ginge sich da einfach wirklich nicht mehr aus. (Manfred Rebhandl, 11.6.2024)