Treffen der Generationen: alle acht in Reih und Glied.
Porsche Austria /Christian Houdek

Also gut. Womit wollen wir beginnen? Gehen wir es streng chronologisch an oder nach Zufallsgenerator? Da stehen sie in stiller Eintracht beisammen, alle bisherigen acht Golf-Generationen, bereit zur Jubiläumsausfahrt von Wien ins Ennstal, ganz klassisch, und wieder zurück. Meistens kommt es eh anders, als man plant, weil andere anders planen, und so ergibt sich: Auf Golf I bis IV teilt sich die erste Gruppe auf, auf V bis VIII die zweite, gewechselt wird jeweils generationenaufsteigend und nächsten Tages die Gruppe.

Der Golf VIII vor der Kulisse des monolithischen Grimming, der sein Haupt in Wolken hüllt.
Porsche Austria /Christian Houdek

Sitze ich also mit dem geschätzten Kollegen Peter P. im VIIIer, um das unspektakulärste, weil aktuellste Kapitel gleich eingangs abzuhaken. Die lästigsten Assistenten wegtippen, auf zur ersten Etappe, Tagesziel ist weit hinten im Ennstal mit Blick auf den Grimming.

Der IVer („Piëch-Golf“) war auch insofern ein Meilenstein, als hier erstmals technische Inhalte aus der Oberklasse in der Golf-Klasse auftauchte.
Porsche Austria

Wer ganz oben einsteigt, setzt ganz unten fort: Vom Golf VIII heißt es wechseln auf Golf V. Das war jener, der etwas – wie sagen wir es unverfänglich umgangssprachlich: blad war und auch reparaturanfällig.

Der Fünfer-Golf wurde nur fünf Jahre lang gebaut, 2003 bis 2008.
Porsche Austria / Christian Houdek

Und während wir da durch atemberaubende heimische Landschaft fahren – "pittoresk" sei bei ihnen mit Verdikt belegt, erklärt Peter –, von VW-Österreich-Pressesprecherin Karin Angerer mit viel Gefühl für das Schöne, Gemütsbewegende und Fahraktive ausgewählt, ziehe ich ein erstes Resümee: V bis VIII fahren sich alle schon ganz aktuell, was Wunder, die vier decken den Zeitraum seit 2003 ab, sie wurden halt nur von Mal zu Mal ein wenig größer (Länge Golf I: 3,71 m, VIII: 4,28) und technisch gehaltvoller, und dabei kommt mir auch Porsches 911 in den Sinn.

Eigentlich ist der Golf VI ein grundlegendes Facelift der fünften Generation, weshalb er gerne auch Golf fünfeinhalb genannt wurde.
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Nein, das mündet nicht in Majestätsbeleidigung, gemeint ist folgendes Designerkunststück: Ein Fahrzeug mit hohem Wiedererkennungswert von einer Generation zur nächsten zu denken, ein Golf ist ein Golf ist ein Golf. Erst wenn alle nebeneinanderstehen, wird deutlich, was sich seit Beginn alles getan hat, und im Golf-Fall betrifft das eben heuer einen Zeitraum von einem halben Säkulum.

Dass der Golf mit über 37 Millionen verkauften Autos nicht nur das Herz der Marke ist, sondern auch die mit Abstand erfolgreichste Baureihe europäischer Provenienz, ist sattsam bekannt. Dass er eine ganze nach ihm benannte Fahrzeugklasse begründet hat, auch. Schon weniger bewusst wird manchen sein, dass der Golf insofern mit ein Geburtshelfer des SUV-Booms war, als das Zwei-Box-Design – vorn Schnauze, dahinter Fahrgastzelle – längst unlöschbar in unsere zerebralen Festplatten eingebrannt war, als die in der Silhouette ähnlich gestalteten SUVs kamen.

Der VII debütierte 2012, für viele ist er der gelungenste Golf der jüngeren Generationen und der stimmigste im Design.
Porsche Austria

Abends wird dann Thomas Herndl, bei Porsche Austria VW-Markenleiter, ein paar Österreich-Spezifika ins Auditorium werfen, die markant, aber allgemein weniger bekannt sind: Seit 1974 wurden zwischen Boden- und Neusiedler See 984.894 Golf verkauft, mit 201.979 Stück ging die zweite Generation am häufigsten über den Ladentisch. 1978 bis 2018, sprich: 40 Jahre lang, war er Nummer eins bei Neuzulassungen, 2024 in den ersten fünf Monaten erneut, und "wir haben nicht vor, heuer diesen Platz wieder abzugeben". Herndl weiter: "Jeder dritte je zugelassene Golf fährt noch, jeder 15. Pkw in Österreich ist ein Golf."

Dass der Konzern eine Type, einen Namen mit derartiger Strahlkraft nicht einfach aufgibt, wie das bei der anderen Ikone, dem VW-Bus – der wird ein Ford Transit mit VW-Logo drauf, Skandal –, der Fall ist, wurde bereits offiziell bekräftigt.

ID. GTI Concept: Die Studie zeigt, dass der Golf auchdie Elektrowende schaffen wird, das Fahrzeug (im derzeitigen Polo-Format) geht 2026 in Serie.
Porsche Austria / Christian Houdek

Dass er auch als Mobilitätswendemobil in Erscheinung treten kann, belegt die im Herbst auf der IAA gezeigte knackige GTI-Studie, die damals für Furore sorgte und jetzt VW-Exterieur-Designer Stefan Wallburg extra zur Jubiläumsveranstaltung mitgebracht hat. 2026 kommt dieser Elektro-GTI auf den Markt, Wallburg meint unter anderem zum Konzept: Schon der Wechsel vom Käfer auf den Golf sei technologisch gesehen ein radikaler Schritt gewesen, erneut der vom Verbrenner zu Elektro. Und: "In einer Welt, in der sich gerade enorm viel ändert", wolle man die Herzen der Menschen als "Love-Brand" gewinnen und dabei auf Werte wie Stabilität und Sympathie setzen, garniert mit einer Prise vom Unerwarteten.

Designer Stefan Wallburg bei der Erläuterung der Details in der Gestaltung des Elektro-GTI.
Porsche Austria / Christian Houdek

Ob es beim Golf beim einstigen Variantenreichtum bleibt, darf indes ebenso bezweifelt werden wie der Umstand, dass er je wieder ein Marktdominator wird wie seinerzeit – zu breit aufgefächert ist das fahrzeugkategorische Angebot inzwischen. Mal sehen, welche Varianten – GTI (seit 1976), Cabrio (ab 1979), Variant (Kombi; seit 1993), Golf Plus / Sportsvan (dieser Van kam 2004 auf Basis Golf V als Reaktion auf den Peugeot 307; überhaupt waren Vans da große Mode) und R (stärkster Trumpf im Golfsportlager) – es in die Zukunft schaffen.

War von Beginn weg ein Klassiker und wird immer einer bleiben: Das Golf Cabriolet von 1979, wegen des Überrollbügels auch Erdbeerkörbchen genannt.
Porsche Austria / Chritian Houdek

Wir steigen nächsten Tages ein in die glorreiche Vergangenheit, diesmal konsequent beginnend mit dem Ier-Golf – sorry, Christian, hatten wir schon reserviert –, und es geistert der geniale Giorgetto Giugiaro als Gestalter durch meine Ganglien, derweil ich im Stand erst einmal probehalber die vier Gänge sortiere. Und während ich an der servofreien Lenkung kurble, ein Volant noch mit Wolfsburger Wappen, berichtet Peter schon von seinem ersten Auto, eben einem Einser-Golf, in den späten 1970ern, mit 70 PS allerdings und nicht mit 50 wie im vorliegenden Fall, Baujahr 1980.

Golf I: Mit Giorgetto Giugiaros Design-Geniestreich begann vor 50 Jahren die Geschichte der erfolgreichsten europäischen Fahrzeugbaureihe aller Zeiten.
Porsche Austria / Christian Houdek

Autofahren wie damals, eine Zeitreise: Besonders das Zurückschalten von der 4. auf die 3. will mit viel Gefühl bewerkstelligt werden, das hakelt ordentlich, ist aber häufig vonnöten, besonders wenn man Berg und Hügel hochfährt. Fahrgefühl: Superleichtfüßig. Klimaanlage: Was? Lenkradverstellung: Wie bitte? Scheibenheber: Bitte kurbeln. Aschenbecher: Eh klar.

Lenkrad des Einser-Golfs, noch mit dem Wolfsburger Stadtwappen statt des VW-Logos.
Porsche Austria / Christian Houdek

Der Rest im Telegramm. Golf II: Baujahr 1990, 1,8-Liter-Otto, 90 PS, hängt gut am Gas. Lenkrad fix, Seitenspiegel innen verstellbar, Sitze in Höhe, Tiefe, Lehne, gute Straßenlage, aber nicht mehr ganz so leichtfüßig. III: Baujahr 1994, 1,9-Liter-Diesel, 90 PS, klingt schon ganz nach Pumpe-Düse und rasselt lautstark, kopfschwer, schwammige Lenkung dazu. Kein Handschuhfach, weil Airbag dort, aber Ablage drunter und ein erster Hauch von Klimaanlage. IV: Baujahr 2002, 2,8-Liter-V6, 204 (!) PS – das rechte Fahrzeug, uns zurück zum Ausgangspunkt zu bringen.

Mit über 200.000 verkauften Autos war der Golf II der erfolgreichste in Österreich.
Po

VW Golf: stets am Puls der Zeit. Alles Gute zum 50er! (Andreas Stockinger, 11.6.2024)