Am vergangenen Sonntag flog eine AUA-Maschine von Mallorca nach Wien über der steirischen Kleinstadt Hartberg kurz vor 17.30 Uhr durch einen Hagelsturm. Sie büßte dabei große Teile der Vorderfront ein, konnte aber dennoch in Schwechat landen. Der deutsche Meteorologe Jörg Kachelmann erhebt im Spiegel nun Vorwürfe, dass die Piloten des Fluges OS434 oder andere Verantwortliche hätten erkennen müssen, dass sie in eine starke Gewitterzelle hineinfliegen, wenn sie auf Kurs bleiben. Es wäre "ein Umfliegen auf ihrer Westseite ratsam gewesen", sagt Kachelmann.

Airbus A320 mit beschädigter Schnauze
"Man hätte westlich am Gewitter vorbeifliegen können", kommentiert Meteorologe Jörg Kachelmann den AUA-Flug OS434.
exithamster

Kachelmann und sein Chefwissenschafter Janek Zimmer präzisieren diese Vorwürfe. Die Gewitterzelle sei schon rund eine Stunde vorher in der Steiermark aktiv gewesen und habe ihre Zugrichtung gen Osten relativ stabil beibehalten, erläutert Zimmer. Anhand der Wetterprognosen sei zu erwarten gewesen, dass diese Zelle schnell einen Superzellcharakter mit hoher Blitzrate und größeren Hagelkörnern erreichen würde. Laut Radar des österreichischen Wetterdiensts sei die höchste Radarechostärke feststellbar gewesen. Bei einer Wetterlage mit Wolkenobergrenzen oberhalb von zwölf Kilometern bedeute das oft Hagelkörner größer als drei Zentimeter.

Auf X (vormals Twitter) schreibt Kachelmann in einem Post: "Man hätte warten können oder westlich vorbei. Man wollte aber mitten durch ein Extrem-Gewitter."

In einem weiteren Beitrag (siehe oben) wirft Kachelmann dem Luftfahrtmagazin Austrian Wings vor, "skrupellos gelogen" zu haben, weil das Magazin berichtet habe, das Hagelunwetter sei völlig überraschend hereingebrochen. Austrian Wings wehrt sich gegen diese Vorwürfe und bezeichnet die Kommentare Kachelmanns als "Ergüsse", die "arrogant und scheinbar ziemlich ahnungslos" seien, "was die fliegerisch/operationelle Komponente betrifft".

Die Pressestelle von Austrian Airlines teilte bis Mittwochnachmittag lediglich mit, man habe "eine Untersuchung eingeleitet", warum Flug OS434 durch die Hagelzone geflogen sei. Über Details könne man sich noch nicht äußern. (saum, 13.6.2024)