Markus Bardach (rechts) beim Start einer Drohne über den Dächern Wiens.
Photo Simonis Wien

Kaum ein Reisevideo kommt noch ohne Drohnenaufnahmen aus. Kein Wunder: Mit relativ einfachen Mitteln lassen sich spektakuläre Luftaufnahmen erstellen, die früher nur professionellen Kamerateams mit viel Budget für Hubschrauberflüge vorbehalten waren. Aber Vorsicht: Was auf einem entlegenen Sandstrand im Urlaub vielleicht noch durchgeht, kann anderswo empfindliche Strafen nach sich ziehen. Denn das Fliegen mit Drohnen ist mittlerweile stark reglementiert – vor allem in Wien.

Drohnen sind längst nicht mehr nur ein Spielzeug für technikaffine Spezialisten. Dazu tragen auch immer günstigere Einstiegsmodelle bei. Kostete eine Kameradrohne vor zehn Jahren noch mehrere Tausend Euro, sind Modelle mit hochauflösender Kamera heute bereits ab wenigen Hundert Euro zu haben. Bemerkbar macht sich dieser Trend vor allem in der Immobilienbranche, weiß Markus Bardach, Geschäftsführer des Drohnendienstleisters Skyzr. "Wir sehen, dass vor allem in der Immo-Branche der Einsatz von Drohnen immer gefragter wird. Sei es für umfassende Aufnahmen, um potenziellen Hauskäufern einen besseren Überblick über das Objekt zu verschaffen, oder aber auch, um sanierungsbedürftige Dächer zu inspizieren."

Grau- und Flugverbotszone

Wer privat den Traum des Selberfliegens hegt, sollte sich vorher aber gut informieren. Denn seit 2021 ist das Drohnenfliegen ein stark reglementierter Bereich. Die EU unterscheidet drei Kategorien: open, specific und certified. Private Drohnenpiloten bewegen sich zu großen Teilen in der "open"-Kategorie, sollten aber trotzdem über die Regelungen Bescheid wissen. Vor allem in Ballungszentren wie Wien gibt es einiges zu beachten. Das beginnt schon beim Gewicht der Drohne. Für Drohnen unter 250 Gramm benötigt es in Wien prinzipiell keine Genehmigungen von der Austro Control. Dies aber nur unter drei Voraussetzungen: Erstens, die Flughöhe übersteigt nicht 30 Meter. Zweitens, die Drohne ist immer in Sichtweite, und drittens, man fliegt nicht in der Nähe eines ausgewiesenen Flugplatzes, erklärt Bardach.

Wobei als "Nähe" zu einem Flugplatz der großzügige Radius von 2,5 Kilometern gilt – dazu zählen auch Hubschrauberlandeplätze wie jener am AKH Wien. "Möchte man dennoch in diesem Bereich fliegen, egal ob privat oder geschäftlich, muss eine Bewilligung der Austro Control, der nationalen Flugsicherheitsbehörde, eingeholt werden."

Muss ich meine Drohne registrieren?

Die Drohnen werden ob ihres Gewichts und ihrer Fähigkeiten in verschiedene Klassen, von C0 bis C4 eingeteilt. Jeder Drohnenbetreiber muss registriert und die jeweilige Drohne mit einer Identifikationsnummer versehen sein. Eine Ausnahme bildet nur der Betrieb von Spielzeugdrohnen, die von der EU auch eindeutig als solche ausgewiesen sind. In der Regel handelt es sich dabei um Drohnen unter 250 Gramm und ohne Kameras. Für Drohnen, die ein höheres Gesamtgewicht aufweisen, benötigt man zusätzlich einen Drohnenführerschein. Dieser kann man in den Kategorien A1 und A3 kostenlos bei der Austro Control machen, in der Kategorie A2 kostet er rund 43 Euro (Details siehe Infobox).

Skyzr empfiehlt ebenso, unbedingt die verpflichtende Drohnenversicherung abzuschließen. „Wenn man beim Flug unabsichtlich ein Kabel oder einen Ast touchiert und die Drohne abstürzt, kann es schnell zu Sach- und Personenschäden kommen. Es schadet also nicht, wenn man für den Fall der Fälle vorbereitet ist. Und mit rund 40 bis 50 Euro Jahresbeitrag sind diese Versicherungen auch kein großer Klotz im Portemonnaie“, so Bardach.

Doch wer straft unrechtmäßiges Verhalten ab? Generell ist die Polizei als Exekutivbehörde für die Einhaltung der Reglementierungen zuständig. Da Drohnenflüge aber noch ein neueres Phänomen und die Regulierungen sehr unterschiedlich sind, ist das Wissen noch nicht ausgereift. "Viele Drohnenpiloten bewegen sich daher noch im Blindflug, zumindest bezüglich der Exekution geltender Vorschriften. Wir möchten dabei helfen und auch gemeinsam mit der Austro Control ein Bewusstsein bilden – sowohl in der Bevölkerung als auch bei Exekutivbehörden", so Bardach.

Profis brauchen Risikoanalysen

Gewerbliche Flüge finden zumeist in der "specific"-Kategorie statt und machen ein "Specific Operations Risk Assessment" (SORA) notwendig. Dabei wird anhand verschiedener Parameter das Flugrisiko ermittelt. Dazu zählen: Bevölkerungsdichte am Grund, spezielle Lufträume, Flughöhen, bemannter Flugverkehr und vieles mehr. "Wir haben für professionelle Drohnenpiloten ein Tool namens 'wingman' entwickelt, welches das Assessment um ein Vielfaches vereinfacht. Es analysiert das flugspezifische Risiko und hilft dabei, Optimierungen durchzuführen. Die dabei entstehenden Kennzahlen, Air Risk und Ground Risk, helfen Behörden dabei, Bewilligungen zu erteilen", so Bardach. Für Hobbypiloten spielt das aber keine Rolle, außer sie machen ihr Hobby irgendwann zum Beruf.

Die Plattform Skyzr zählt mittlerweile über 750 professionelle Drohnenpiloten in Deutschland und Österreich. Das Wiener Unternehmen entwickelt darüber hinaus Softwarelösungen für die Flugplanung und Risikobewertung. Das soll vor allem Genehmigungsprozesse vereinfachen. (pez, 17.6.2024)