Drei Polizisten in einem Stadium.
Im Zuge der EM fürchtet man, dass Terrorgruppen Stadien anvisieren könnten. Die Polizei, wie hier in Baden-Württemberg, trainierte wiederholt für den Ernstfall und beobachtet Gefährder.
IMAGO/Arnulf Hettrich

Berlin – Die deutschen Sicherheitsbehörden haben inmitten der Fußball-Europameisterschaft (EM) einen mutmaßlichen IS-Kämpfer festgenommen, der sich zu Anschlägen bereit gehalten haben soll. Der Zugriff des irakischen Staatsangehörigen erfolgte in Esslingen am Neckar von Beamten des Bundeskriminalamts und des Landeskriminalamts Baden-Württemberg sowie der örtlichen Polizei, wie der Generalbundesanwalt in Karlsruhe am Donnerstag mitteilte. Der Mann sei mutmaßliches Mitglied der radikal-islamistischen Organisation Islamischer Staat (IS) und soll für die Terrororganisation, die zu ihrer Hochzeit um 2015 große Teile von Syrien und dem Irak kontrollierte, gekämpft haben. Im Oktober 2022 sei er nach Deutschland gekommen und habe sich seitdem für Anschläge bereit gehalten. Ein Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs habe Untersuchungshaft angeordnet.

Bundesinnenministerin Nancy Faeser erklärte, die Festnahme belege erneut, wie stark Deutschland die islamistische Szene ins Visier nehme. Die Sicherheitsbehörden seien "äußerst wachsam, verfolgen jeden Hinweis und schlagen hart zu, um unser Land gegen islamistische Bedrohungen zu schützen", betonte die sozialdemokratische Politikerin.

Vor der EM verstärkten sich Ängste, Terrorgruppen könnten Anschläge auf Fußballveranstaltungen verüben. So veröffentlichte der Islamischen Staats in der Provinz Khorasan (ISKP) sein an Anhänger gerichtetes Propagandamagazin mit einem Bild von einem bewaffneten Terroristen vor einem Fußballstadium. Das Titelblatt des IS-Ablegers wurde als Drohung Anschläge auf EM-Stadien verüben zu wollen verstanden. Die Sicherheitsvorkehrungen wurden mit Grenzkontrollen und Flugverbotszonen verschärft. Erst im April wurde in Baden-Württemberg ein anderer ehemaliger IS-Kämpfer festgenommen. (Reuters, red, 20.6.2024)