Die Pläne für den Heumarkt sehen einen 50 Meter hohen Wohnturm sowie den Abriss und Neubau des Hotel Intercontinental vor.
Nach zuletzt bekanntgewordenen Heumarkt-Plänen im Vorjahr soll das Hochhaus in der Bildmitte rund 50 Meter hoch werden. Weil der Wohnturm in der Höhe schrumpfte, wurde er im Vergleich mit bisherigen Plänen aber deutlich länger. Das anschließende Hotel Intercontinental soll abgerissen und – um etwa fünf Meter erhöht – neu errichtet werden.
Wertinvest

Seit mehr als zehn Jahren ist die geplante Neugestaltung des Wiener Heumarkts inmitten der Unesco-Welterbezone Gegenstand heftiger Debatten. Das umstrittene Bauvorhaben sieht auch einen Wohnturm und einen vergrößerten Neubau des Hotels Intercontinental vor – und hat dafür gesorgt, dass die Stadt bereits vor sieben Jahren auf die Rote Liste gefährdeter Welterbestätten gesetzt wurde. Dort befindet sich Wien noch immer. Ein neues Gerichtsurteil bringt nun aber neue Dynamik in das von Investor Michael Tojner und seinem Unternehmen Wertinvest verfolgte Projekt.

So hat das Bundesverwaltungsgericht (BVwG) nach einer Beschwerde der Wertinvest der rot-pinken Wiener Landesregierung in einem aktuellen Erkenntnis vom 19. Juni aufgetragen, binnen acht Wochen eine Entscheidung über eine mögliche Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) zum Heumarkt-Vorhaben zu treffen. Das Schriftstück liegt dem STANDARD vor. Diesem zufolge müssen SPÖ und Neos einen entsprechenden Beschluss bis Ende August treffen.

Nächste Unesco-Entscheidung Mitte Juli

Diese Entwicklung ist insofern brisant, da bereits seit Mai des Vorjahres die Vorlage eines Beschlusses der Wiener Landesregierung vorliegt, wonach für das Projekt Heumarkt neu "keine Umweltverträglichkeitsprüfung durchzuführen ist". Die Vorlage basiert auf einem Feststellungsverfahren der zuständigen MA 22 (Umweltschutz), die Absegnung durch Rot-Pink wäre eigentlich ein Formalakt. Allerdings blockieren die Neos den Beschluss: Vizebürgermeister Christoph Wiederkehr will demnach erst dann unterschreiben, wenn davor Wien von der Roten Liste der Unesco genommen wird.

Eine Entscheidung, ob Wien von der Liste gestrichen wird oder weiterhin als gefährdet gilt, fällt bei der jährlichen Sitzung der Unesco-Kommission. In diesem Jahr findet die Zusammenkunft von 21. bis 31. Juli in Neu-Delhi in Indien statt. Allerdings hält das BVwG in der Frage rund um die UVP-Entscheidung auch fest: "Die Beschlüsse des Welterbekomitees entfalten keine Bindungswirkung für die Wiener Landesregierung."

Wertinvest-Geschäftsführerin Daniela Enzi sagte in einer Stellungnahme zum STANDARD: "Das Projekt Heumarkt darf nicht weiter verzögert werden." Sie erwarte sich, "dass die Stadt Wien nun schnellstmöglich die lange ausstehende Entscheidung trifft".

Zuletzt Reduktion des Wohnturms auf 50 Meter

In die Causa Heumarkt könnte nun also wieder Bewegung geraten. Zuletzt stellten die Projektbetreiber im Vorjahr eine erneute Reduktion der geplanten Gebäudehöhen in Aussicht. Der Wohnturm, einst mit 74 Meter Höhe geplant, soll nach mehreren Adaptierungen nun 50 Meter hoch werden. Um die beträchtlichen Stockwerkeinbußen auszugleichen, wuchs der Wohnturm aber deutlich in die Länge. Das Hotel Intercontinental soll zudem abgerissen und durch einen etwa 48 Meter hohen Neubau ersetzt werden: Das wäre um rund fünf Meter höher als der Bestand.

Fraglich ist aber weiterhin, ob der Unesco die Höhenreduktionspläne weit genug gehen, um Wien von der Roten Liste zu streichen. Im Frühjahr fand ein Besuch von Expertinnen und Experten der Unesco statt: Der Bericht der sogenannten Advisory Mission liegt aber noch nicht vor, wie ein Sprecher der österreichischen Unesco-Kommission am Montag auf STANDARD-Anfrage sagte. Ein Prüfbericht für die Unesco empfahl zuletzt jedenfalls neuerlich eine Reduktion um jeweils zwei weitere Geschoße: beim Wohnturm auf 44 Meter und beim Hotel auf 42 Meter.

Im Winter wird die Fläche vor dem Hotel Intercontinental vom Wiener Eislaufverein als Langzeitmieter in Beschlag genommen. Die Anlage ist allerdings schon ordentlich in die Jahre gekommen und soll mit der Neugestaltung des Areals modernisiert werden. Auch eine kleine Eishalle im Untergeschoß ist Teil der Pläne.
Helena Lea Manhartsberger

Welche Höhenpläne genau nun die Wertinvest verfolgt, ist indes unklar. So bezieht sich das jüngste Erkenntnis des Bundesverwaltungsgerichts zur Heumarkt-Causa auf den Projektstand vor der zuletzt verkündeten Redimensionierung: Damals war der Wohnturm noch mit 56,5 Meter Höhe geplant. Abseits der Höhe steht hingegen schon einiges seit Jahren fest, um das in die Jahre gekommene Areal am Heumarkt zu attraktivieren: So soll der Wiener Eislaufverein (WEV) als Langzeitmieter eine neue Eislaufanlage inklusive einer Eishalle erhalten. Im Sommer soll die Fläche weitgehend frei zugänglich werden. Auch eine öffentlich zugängliche Stadtterrasse beim Hotel ist geplant. Teil des Bauvorhabens sind auch eine Turnhalle sowie ein langgezogenes Gebäude zwischen Hotel und Konzerthaus. Im Erdgeschoß sind Flächen für den WEV reserviert, im Obergeschoß ist eine gemischte Nutzung aus Büro und Wohnungen vorgesehen. (David Krutzler, 25.6.2024)