Die Polizei Oberösterreich hat am Montag in Linz den Vollbetrieb des österreichweit ersten Cybercrime-Trainingscenters (CCTC) aufgenommen. Jeweils an vier Tagen mit sieben unterschiedlichen Einzelmodulen lernen und üben zwölf Polizistinnen und Polizisten anhand von Beispielen das Basiswissen für den Umgang mit Anzeigen in dem Bereich, so CCTC-Leiter Günter Fabian. Nach einer Pilotphase in Linz werden in allen Bundesländern derartige Trainingscenter folgen.

Das Cybercrime Trainingscenter (CCTC) in Linz.
APA/KERSTIN SCHELLER

In der Digitalisierung sieht Landespolizeidirektor Andreas Pilsl die "größte Herausforderung" für die Polizei, meinte er am Montag bei einem Medienrundgang durch das neue Zentrum. Die Zahl der Anzeigen steige seit Jahren – laut dem im Mai veröffentlichten Bericht des Bundeskriminalamts für 2023 um 9,4 Prozent. Insgesamt wurden 65.864 Fälle vergangenes Jahr österreichweit angezeigt. Die Aufklärungsquote im Bereich der Cyberkriminalität sei jedoch "schlecht", mit rund 30 Prozent deutlich unter dem Durchschnittswert in der Kriminalstatistik, der in Oberösterreich beispielsweise 60 Prozent betrage, so Pilsl. Daher sei in der aktuell laufenden Kriminaldienstreform ein wesentlicher Fokus auf Internetkriminalität gelegt worden. Dazu zählen auch die CCTC.

Schulung

In Linz werden ab sofort wöchentlich jeweils von Montag bis Donnerstag zwölf Teilnehmende von zwei Trainern geschult. Ziel sei es, Basiswissen in die "Fläche zu bringen", wie der Landespolizeidirektor meinte. So gehe es etwa in einem Modul um das Thema Netzwerk und darum, was Smart Home inzwischen alles könne, erläuterte Fabian. Zum Veranschaulichen sind viele derartige Dinge aus dem Alltag auch angeschafft worden: ein mit einer SIM-Karte ausgestatteter Saugroboter, der erkennt, welcher Gegenstand vor ihm liegt und dies dem Besitzer auf das Handy melden kann, oder ein Kühlschrank, den man mit dem Kaffeeautomaten vernetzen kann, um so die Brühfunktion via Kühlschrank zu starten. Das Wissen um das "Können" der Geräte sei möglicherweise bei der Tatortarbeit von Bedeutung. Auch der Komplex Hausdurchsuchungen stehe auf dem Stundenplan. "Was ist bei der Sicherstellung von digitalen Datenträgern zu beachten", umriss Fabian ein weiteres Gebiet.

Das praxisorientierte Training sei freiwillig und richte sich an alle Polizistinnen und Polizisten, aber ebenso an die Justiz wie die Staatsanwaltschaften in Oberösterreich. Nach einem ersten Aufruf im Februar innerhalb der Polizei haben sich gleich 650 Kolleginnen und Kollegen gemeldet, sagte der CCTC-Leiter. Ab Mitte Juli werden auch Polizisten aus anderen Bundesländern in Linz geschult, damit sie dann als Trainer in ihren künftigen Zentren arbeiten können. Die Errichtung des Zentrums in der Landespolizeidirektion in Linz hat rund 800.000 Euro gekostet. (APA, 24.6.2024)