Die Qual der Wahl haben die Eltern beim Kauf der Schultasche.
Die Qual der Wahl haben die Eltern beim Kauf der Schultasche.
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STANDARD: Was zeichnet eine gute Schultasche aus?

Konopitzky: Es ist wichtig, die Tasche mit dem Kind abzustimmen. Nicht jedes Modell passt zu jedem Kind. Relevant für die Wahl der Schultasche sind Größe und Gewicht. Es kommen Mütter, die auf der Suche nach einem möglichst leichten Exemplar sind, weil das Kind so zart ist und keine schwere Tasche handeln kann.

STANDARD: Was sagen Sie dazu?

Konopitzky: Normalerweise ist für ein Kind nicht entscheidend, ob die Tasche netto 650 oder 1050 Gramm wiegt beziehungsweise, ob sie befüllt 6,2 oder 6,5 Kilo schwer ist. Wichtig ist, dass sie passt. Sie sollte von der Höhe her nicht über die Schultern ragen, von der Länge her anpassbar sein. Sollte das nicht der Fall sein, dann sollte sie dennoch auf der Hüfte sitzen. Hängt die Tasche zu tief, kann der Hüftgurt nicht geschlossen werden und man bekommt das Gewicht nicht auf die Hüfte.

STANDARD: Sollte das Kind sie vor dem Kauf Probe tragen?

Konopitzky: Unbedingt. Die Körpergröße allein sagt wenig aus. Jedes Kind ist anders. Es gibt 1,20 Meter große Kinder, die einen extrem langen Oberkörper und kurze Beine haben – und umgekehrt. Zu uns kommen Kinder zwischen 1,05 und 1,50 Meter Körpergröße, von 14 bis 35 Kilo Körpergewicht ist alles dabei.

STANDARD: Was raten Sie Omas oder Opas, die die Enkel mit einer Schultasche überraschen wollen?

Konopitzky: Davon raten wir ab. Wenn, dann brauchen sie sehr genaue Angaben zum Kind. Davon abgesehen haben die meisten in dem Alter geschmacklich schon ihre eigenen Vorstellungen. Ob sie gerade auf Polizeimotive stehen oder welche Farbe ihnen gefällt, wissen Großeltern häufig nicht.

STANDARD: Die Rückensysteme der Taschen sind heute ein Kaufkriterium. Unterscheiden die sich wirklich so sehr?

Konopitzky: Die Rückensysteme haben Hersteller wie Ergobag oder Beckmann begonnen zu thematisieren – unter anderem auf Mamablogs. Sie waren marketingtechnisch vorher kein Thema. Heute sind 95 Prozent der Rückensysteme verstellbar und nur ein paar wenige nicht.

STANDARD: Sind verstellbare Rückensysteme denn so wichtig?

Konopitzky: Sagen wir so: Die Rückensysteme würden super funktionieren, wenn die Eltern die Schultasche nach einem Wachstumsschub ihres Kindes tatsächlich anpassen würden. In der Realität ist das meist nicht der Fall. Wenn wir die Schultasche nach drei Jahren zur Reparatur bekommen, ist diese oft auf die gleiche Länge wie beim Kauf eingestellt.

STANDARD: Dabei gibt's doch zum Schulanfang kaum ein anderes Thema!

Konopitzky: Wir stellen sie dann gern richtig ein. Worauf ich auch noch hinweisen möchte: Das Rückensystem funktioniert nur, wenn man den Hüftgurt richtig einstellt.

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STANDARD: Was muss man für ein gutes Modell ausgeben?

Konopitzky: Wir führen in unserem Geschäft vier Marken – im Set kosten ein gefülltes Federpennal, ein Schüttelpennal, ein Turnsackerl, ein Rucksack inklusive Schultasche mit Kletties durchschnittlich 280 Euro.

STANDARD: Solche Beträge sind für so manchen eine Herausforderung. Was raten Sie Menschen, die weniger Geld zur Verfügung haben oder weniger ausgeben wollen?

Konopitzky: Die Markenmodelle halten locker vier Jahre durch. Es gibt online sehr viele gebrauchte, sehr gute Schultaschen zu guten Preisen. Wenn man halbwegs pfleglich mit einer Tasche umgeht, halten auch günstigere Modelle länger. Bei Libro und Pagro gibt es Schultaschen zwischen 60 und 150 Euro.

STANDARD: Wann ist der beste Zeitpunkt für den Kauf einer Schultasche?

Konopitzky: Unsere Saison geht von Mitte November bis Ende August. Limitierte Editionen gibt es meist ab Jänner, bis Anfang Mai haben wir 250 Modelle zur Auswahl, bis August sind noch etwa 220 davon übrig. Günstigere Auslaufmodelle sind bei uns ab September online zu haben.

STANDARD: Warum ist die Schultasche ein Statussymbol geworden?

Konopitzky: Den Eltern wurde auf Social Media eingeredet, dass man gewisse Marken haben muss. Und dass es wichtig ist, die Tasche mit den besten Rückensystemen zu haben. Das hat vor etwa zwölf Jahren begonnen. Den Kindern sind die Hersteller in dem Alter meist wurscht. Die Marken sind allerdings auch sehr kulant, wenn es um Reparaturen geht – die Kinder sind ja die Kundschaft von morgen.

STANDARD: Was halten Sie von Rucksäcken?

Konopitzky: Schulrucksäcke gibt es schon für Kinder ab der ersten Klasse. Wer ältere Geschwister hat, mag meist die weichen Exemplare. Die anderen wollen eine feste, eckige, klassische Schultasche. Zurecht kommt ein Kind mit beidem – wer schlampig ist, ist das mit einem Rucksack genauso wie mit der Schultasche. Der Wechsel zu den "coolen" Rucksäcken beginnt meist in der dritten, vierten Klasse. Das kommt aber oft auf die Dynamik in der Klasse an. Dafür sollte man aber 1,40 Meter groß sein, diese Rucksäcke haben nämlich auch Rückensysteme.

STANDARD: Was ist ein No-Go am Rücken?

Konopitzky: Schultaschen auf Rollen. Sie werden von Volksschulen teilweise sogar verboten, weil sie extrem laut sind. Zudem sind sie schwerer am Rücken.

STANDARD: Was hat sich in den vergangenen Jahren verändert?

Konopitzky: Die Kinder sind insgesamt größer geworden. Ich kann mich nicht erinnern, dass es vor zehn Jahren schon Sechsjährige gab, die 1,45 Meter groß sind. Auch die Auswahl der Anbieter ist vielfältiger geworden. Anfangs gab es vom Hersteller Ergobag zwei Taschenmodelle und sechs Motive, heute vier Modelle und 30 verschiedene Farben. Vor den heute angesagten Ergobags wurden früher vor allem Taschen von Schneiders, Scout, McNeal verkauft. Die Taschen waren querformatiger, der Rücken immer gleich. Als ich in den Achtzigern in die Schule gegangen bin, hat mein Vater bereits Schultaschen verkauft. Damals gab es zwei für Burschen, zwei für Mädchen zur Auswahl, so haben sich die Zeiten geändert. (Anne Feldkamp, 9.7.2024)